Wolfgang Ziebart Sanierer ohne Fortune

Als Conti-Vize Wolfgang Ziebart vor dreieinhalb Jahren den Chefposten bei Infineon antrat, zog ein sachlicherer Führungsstil bei Infineon ein. Der bescheidene 58-Jährige kam schon mal mit dem Fahrrad zur Arbeit - nicht mit dem Sportwagen, wie sein Vorgänger Ulrich Schumacher. Erfolg hatte Ziebart dennoch nicht.

Hamburg - Wenn es sein musste, konnte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart auch unpopuläre Entscheidungen treffen. So setzte der 58-Jährige unter anderem die Schließung des Münchener Werks und im August 2006 die Abspaltung des Speicherchipbereichs unter dem Namen Quimonda durch.

Erfolgreich war Ziebart dennoch nicht. Infineon  steckt in einer Dauerkrise. Der Konzern wird massiv von den Verlusten der Speicherchiptochter Qimonda  belastet, die unter dem Preisverfall bei Speicherchips zu leiden hat. Allein von Januar bis März machte Infineon unterm Strich 1,37 Milliarden Euro Verlust.

Seit seiner Gründung hat Infineon Verluste von mehr als 3,5 Milliarden Euro angehäuft. Ein harter Schlag war etwa vor zwei Jahren die Pleite von BenQ Mobile. Mit dem Handyhersteller hatte Infineon umfangreiche Lieferverträge, über 20 Prozent des Umsatzes brachen in dieser Sparte weg.

Ziebart hatte im Herbst 2004 ein schweres Erbe angetreten. Der Manager kam vom Autozulieferer Continental , der in einer deutlich berechenbareren Branche aktiv ist. Die Chipbranche dagegen hat traditionell mit heftigen zyklischen Abschwüngen und drastischem Preisverfall zu kämpfen. Außerdem war nach dem Gezerre um seinen Vorgänger Schumacher für Ziebart schwer, das Infineon strategisch neu auszurichten.

Der gebürtige Niedersachse Ziebart hatte seine Karriere nach dem Maschinenbaustudium in München 1977 bei BMW  begonnen. Ab 1999 war der gebürtige Hannoveraner als Vorstand für Forschung, Entwicklung und Einkauf bei BMW zuständig. Fünf Jahre lang war er für die kleine Baureihe verantwortlich und entwickelte die neue 3er-Reihe. Später rückte Ziebart in den Vorstand auf, musste aber im Zuge der Personalveränderungen nach der Roverkrise mit zwei weiteren Managern gehen. In der Branche fand er schnell einen neuen Job bei Conti. Dort betreute er als Vizechef die Sparte Automotive Systems.

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