Georg Kofler "Wie die Fernsehbranche vor 20 Jahren"

Der ehemalige Premiere-Chef Georg Kofler meldet sich mit dem Einstieg in den lukrativen Energiemarkt zurück. Mit seiner neu gegründeten Firma Kofler Energies will der frühere Medienmanager vom Trend zum Energiesparen profitieren. Auf mittlere Sicht liebäugelt Kofler mit einem Börsengang.

München - Vom Fernsehgeschäft hat Ex-ProSieben- und Ex-Premiere-Chef Georg Kofler die Nase voll. Rund acht Monate nach seinem Ausstieg bei dem Münchner Pay-TV-Sender hat der Medienmanager und Investor nun ein neues Bestätigungsfeld für sich entdeckt: den Energiemarkt.

Mit seiner neu gegründeten Firma Kofler Energies garantiert er seinen Kunden eine Senkung des Energieverbrauchs um 10 Prozent pro Jahr, wenn sie seinem Unternehmen das komplette Energiemanagement von Gebäuden übertragen. Die Laufzeit der Verträge soll bis zu 15 Jahre betragen. Als Kunden habe er vor allem Krankenhäuser, Hotels und öffentliche Einrichtungen wie Hochschulen oder auch Gefängnisse im Blick, sagte Kofler bei der Vorstellung seiner Geschäftsidee am Montag in München.

Allein in Bayern gebe es 23.000 öffentliche Gebäude. Bisher werde das Thema Energieeffizienz noch sehr oft mit Einzellösungen angegangen, beklagt Kofler. Doch er wolle ein umfassendes Konzept bis hin zum günstigen Stromeinkauf bieten. Schließlich sei das Energiesparen "die größte Energiequelle" überhaupt. Der Markt erinnere ihn sehr an die Fernsehbranche vor 20 Jahren. Doch anders als damals gebe es hier keine staatlich subventionierten Konkurrenten wie ARD und ZDF.

Erreichen muss Kofler pro Objekt Einsparungen zwischen 25 und 40 Prozent, "damit das Geschäft erfolgreich ist". 10 Prozentpunkte gibt er an seine Kunden ab. Der Rest wird zum Großteil für Investitionen zum Beispiel in neue Heizkessel, Blockheizkraftwerke, Klimaanlagen oder Energiekonzepte investiert. Die Planung, den Betrieb und die Wartung übernimmt Kofler Energies mit einer eigenen Ingenieurgesellschaft. "Der Kunde riskiert nicht einen Euro", versicherte Kofler.

"Ein bisschen paradiesisch"

"Ein bisschen paradiesisch"

Was dann noch von den Einsparungen übrigbleibt, soll den Gewinn des Unternehmens darstellen. 2009 rechnet Kofler mit operativ schwarzen Zahlen. 2010 soll der Jahresumsatz bereits 150 Millionen Euro und die Rendite vor Steuern zehn Prozent betragen. "Es klingt ein bisschen paradiesisch", räumte der gebürtige Südtiroler ein.

Doch er sei überzeugt, die richtige Marktlücke gefunden zu haben. Mit bis zu 100 Millionen Euro Eigenkapital werde er in das neue Geschäft einsteigen. Hinzu sollen dann noch einmal 50 Millionen Euro von Banken kommen. "Wir wollen hier schon richtig ernst machen", sagte Kofler. Die Mindestgröße für Kunden sieht er bei 200.000 Euro an Energiekosten pro Jahr. Darunter lohne sich der Aufwand für ihn nicht.

Als eine Rundum-Versicherung gegen steigende Preise bei Gas, Öl und Strom dürfe man das Geschäftsmodell aber nicht missverstehen. Solche externen Faktoren gibt Kofler Energies durchaus an die Kunden weiter. Allerdings treffe dies die Auftraggeber im Endeffekt weniger stark, da der Energieverbrauch ja vertraglich garantiert jedes Jahr weiter sinke. Den Markt für Energieeffizenzmaßnahmen sieht Kofler in Deutschland bei rund 15 Milliarden Euro. Das Energiesparen sei "die größte Energiequelle" überhaupt.

Die notwendige Fachkenntnis für die Energiebranche hat sich Kofler eingekauft. "Ich würde mich als fortgeschrittenen Amateur bezeichnen", räumte der Vorstandschef, der selbst ein privates Miniblockheizkraftwerk im Keller hat, ein. Die operative Leitung des Unternehmens liegt bei dem früheren RWE-Manager Konrad Jerusalem.

Kernstück von Kofler Energies ist die von ihm übernommene kleine Frankfurter Ingenieursfirma NyConTec, die bereits seit einigen Jahren im Bereich Energieeffizienz tätig ist. "Wir haben also einen fliegenden Start, müssen nicht bei Null anfangen", sagt Kofler - anders als damals im Privatfernsehen. Eine Rückkehr in seine angestammte Branche schließt er definitiv aus: "Ich habe keine Interessen, außerhalb des Energiebereichs weitere Investments einzugehen."

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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