Mittwoch, 20. November 2019

Société Générale Hatte Kerviel Komplizen?

Die Großbank Société Générale schließt nicht mehr aus, dass der für einen Milliardenskandal verantwortliche Händler Jérôme Kerviel einen Komplizen im eigenen Haus hatte. Ein schlechtes Bild zeichnet der neue Bericht des Geldkonzerns auch von Kerviels direkten Chefs.

Paris - Es gebe Anzeichen dafür, dass ein Assistenzhändler bei den Scheingeschäften Jérôme Kerviel geholfen habe, heißt es in dem am Freitag in Paris veröffentlichten zweiten Untersuchungsbericht des Geldhauses zu den Vorgängen. Der verdächtigte Mitarbeiter habe fast 15 Prozent der fiktiven Buchungen Kerviels abgewickelt. Das Ergebnis der Prüfung mache Gruppenklagen in den USA wahrscheinlicher.

Teilweise reuig: Skandalbanker Kerviel gestand "einen Teil der Verantwortung" für die Krise der Société Générale
Allerdings gebe es keine endgültigen Beweise für eine Mittäterschaft, hieß es in dem Bericht weiter. Wegen der laufenden Strafermittlungen habe die Bank den Angestellten noch nicht zu den Vorwürfen befragen können und müsse es den Gerichten überlassen zu klären, ob es einen Komplizen im eigenen Haus gegeben habe.

Die französische Großbank hatte Kerviel bislang stets als Einzeltäter dargestellt. Ende Januar hatte Société Générale Börsen-Chart zeigen (SocGen) bekanntgegeben, der Händler habe bei Fehlspekulationen 4,9 Milliarden Euro verwettet. Die Verluste haben die Bank in das Blickfeld von Übernahmeinteressenten gebracht.

Ein unvorteilhaftes Bild zeichnet der neue Bericht von Kerviels direkten Chefs. Der Vorgesetzte des Händlers habe weder die nötige Erfahrung für seine Aufgabe gehabt noch ausreichende Unterstützung bekommen. Zudem habe er ebenso wie sein übergeordneter Manager die Handelsaktivitäten Kerviels nur unzureichend überprüft. Beide hätten damit ihre Aufsicht vernachlässigt. Es handele sich um "schwere Managementfehler", heißt es in dem Bericht.

Als Konsequenz der Prüfung sollen jetzt Kerviels direkter Vorgesetzter Eric Cordelle und sein Abteilungsleiter Martial Rouyère entlassen werden, berichten französische Medien. Allerdings müssten die beiden ebenso wenig ein Strafverfahren fürchten wie andere Manager der Pariser Großbank. Nur Kerviels Assistent könne ins Visier der Justiz geraten.

Der Prüfbericht kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass höhere Manager nicht belastet würden. SocGen-Chef Daniel Bouton hatte wegen des Skandals aber die operative Leitung abgeben müssen und ist jetzt Oberaufseher der Bank. Zwei höhere Manager, darunter der Leiter der Derivateabteilung, hatten den Konzern ganz verlassen. Die Hauptversammlung der Bank ist für Dienstag geplant.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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