Bawag Zweieinhalb Jahren Haft für Ex-Chef

Im größten Wirtschaftsskandal Österreichs um die Bawag-Bank hat das Gericht in Wien erste Teilurteile gefällt. Der Schöffensenat verurteilte Ex-Bawag-Chef Helmut Elsner wegen Untreue zu zweieinhalb Jahren Haft. Zwei weitere Vorstandsmitglieder wurden wegen Beihilfe zur Untreu ebenfalls zu Haftstrafen verurteilt.

Wien - Das Gericht sah den Vorwurf der Untreue gegen Helmut Elsner als erwiesen an. Auch Ex-Vorstand Hermann Gerharter erhielt zwei Jahre Haft, davon eineinhalb Jahre auf Bewährung. Sein Kollege Peter Nakowitz wurde zu 15 Monaten auf Bewährung verurteilt.

In dem vor Gericht verhandelten Teilaspekt des Prozesses ging es um ein Geldgeschenk Elsners an Gerharter, mit dem er die Bank laut Gericht um 700.000 Euro geschädigt hat. Der frühere Chef der ehemaligen Gewerkschaftsbank bestreitet den Anklagepunkt einer illegalen Zahlung an den Chef der Handelskette Konsum. Die Richterin begründete die Strafe für den ehemaligen Bankenchef mit dessen "hoher krimineller Energie". "Man muss ein Zeichen setzen, eine Bank ist kein Selbstbedienungsladen", sagte sie. Elsner und Gerharter wollen Berufung einlegen.

Der Vorwurf steht nicht direkt im Zusammenhang mit dem Beinahe-Zusammenbruch der Bawag im Jahr 2006; das über 100 Sitzungen andauernde Gerichtsverfahren hierzu wird nach dem Teilurteil fortgesetzt. Der eigentliche Prozess geht in der kommenden Woche weiter, ein Urteil wird indes nicht vor Ende Juni erwartet.

Der Bawag-Prozess läuft seit Juli vergangenen Jahres. Neun Männer sind angeklagt, durch fahrlässiges Verhalten oder Veruntreuung die Bank an den Rand des Ruins getrieben zu haben. Durch ihr mutmaßliches Fehlverhalten sollen sie der viertgrößten Bank Österreichs einen Schaden von bis zu zwei Milliarden Euro zugefügt haben. Die Affäre stürzte den Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) in eine tiefe finanzielle und politische Krise, die letztlich zum Verkauf der Bank an den US-Investor Cerberus führte.

Der Ex-Vorstandschef und Hauptangeklagte Elsner wurde nach monatelangen Verhandlungen von seinem Wohnort in Frankreich an Österreich ausgeliefert und sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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