manager-lounge Wer hat das Zeug zum Topmanager?

Was haben Managerpersönlichkeiten wie Bill Gates, Dieter Zetsche oder Josef Ackermann gemeinsam? Headhunter Gunnar Thomé nahm als Gast der manager-lounge die Qualitäten von Spitzenführungskräften unter die Lupe.
Von Alexia Angelopoulou

Stuttgart - Sie ernten Bewunderung, aber häufig auch Missgunst und Neid: Die 1000 Topmanager der Welt sind eine Riege für sich. Doch wer schafft es in diesen exklusiven Zirkel, in den Olymp des Managements? Kann es für dieses Karriereziel überhaupt Patentrezepte geben? Headhunter Gunnar Thomé von der Personalberatung MCR Network in Landau hat darüber mit Mitgliedern der manager-lounge Stuttgart diskutiert.

Thomé mag es plastisch. Die Arbeit eines Headhunters beschreibt er mit einem Bild aus dem Wilden Westen, mit Cowboys in Aktion. Manager gelte es aufzuspüren, zu selektieren und dann zu fangen, sagt er mit einem Augenzwinkern. Bei seiner Arbeit, die sich im Wesentlichen auf die Bereiche Marketing und Sales konzentriert, konnte Thomé über die Jahre ausgiebig Erfahrung darüber sammeln, wie Führungskräfte ticken.

Neugierig hörten ihm in Stuttgart mehr als 35 Manager zu - nicht zuletzt, um für sich selbst zu prüfen, ob sie nicht vielleicht zu Höherem berufen sind. Das erste Ausschlusskriterium ließ die meisten jedoch gleich zusammenzucken. "Mit 40 ist Schluss", sagt Thomé klar und deutlich. Sprich: Wer es bis dahin nicht in die Vorstandsriege geschafft hat, erreicht dieses Ziel erfahrungsgemäß später nur noch selten.

Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel, schränkt Thomé ein. Doch ein Blick auf die Lebensläufe verschiedener Topmanager lässt schnell erkennen, was er meint. Herbert Hainer, Vorstandschef von Adidas, hatte im Alter von 42 seinen ersten Vorstandsposten inne. Der ehemalige Metro-Chef Hans-Joachim Körber war mit 40 Jahren Vorstand, Jochen Zeitz schaffte es bei Puma sogar im zarten Alter von 31 zum Vorstandsvorsitzenden.

"Sie alle waren mal klein, aber auch zu diesem Zeitpunkt etwas Besonderes. Sie waren immer erfolgreich, hatten schon in der Schule sehr gute Noten und haben ihr Studium schnell durchgezogen", erläutert Thomé weiter. Als späterer Vorstand trage man zudem nicht Zeitungen aus - vielmehr baue man schon als Teenager ein kleines, erfolgreiches Geschäft auf.

Aktenstudium um 5 Uhr morgens

Aktenstudium um 5 Uhr morgens

Oder man sei im Sport oder im Musizieren ganz vorne mit dabei, vielleicht auch in beiden Bereichen. Unzählige spätere Topmanager können auf erfolgreiche Karrieren im Schwimmen oder Laufen, im Fußball oder Fechten zurückblicken. Karrieren, die sie zugunsten der Wirtschaft irgendwann aufgegeben haben. Sport treiben sie jedoch heute noch - die allermeisten zumindest.

Viele von ihnen musizieren auch, manche sogar sehr medienwirksam, etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche, der durchaus mal die Geige auspackt. Was das bedeutet? Nicht, dass man sportlich oder musikalisch sein muss, um ganz oben mitzuspielen, sondern dass diese Leute die Intelligenz, die Energie und den Willen dazu haben und in jedem Lebensbereich hohe Ansprüche an sich stellen.

Wie, fragen sich die Zuhörer, finden Vorstandschefs überhaupt noch Zeit für solche Aktivitäten? Und sind damit schon bei Thomés nächstem Punkt: "Topleute sind hochgradig effizient. Von Thomas Middelhoff heißt es, er stehe um 5 Uhr auf, mache den Kamin an und nehme die ersten Akten zur Hand."

Bei 17-Stunden-Tagen hätten diese Menschen immer noch Spaß, und es scheine, als würde ihnen die Arbeitsbelastung nichts ausmachen, sagt Thomé. "Sie hinterlassen stets den Eindruck, alles mit Leichtigkeit zu erledigen. Natürlich stimmt das nicht, aber sie zeigen es nicht, sondern wahren ihr Pokerface." Vorstände verfügten über optimales Zeitmanagement, man werde sie nie klagen hören: "Ach, ich habe so viel zu tun".

Ein Topmanager, fasst Thomé zusammen, behält die Kontrolle über wichtige Entscheidungen bei sich, kann gleichzeitig gut delegieren und ist kein Einzelkämpfer. Er kennt die Balance zwischen Einmischen und Gewähren lassen. Er kann begeistern und brennt selbst für die Sache, er behält die Bodenhaftung, er dominiert statt zu kuscheln, weiß jedoch gleichzeitig, mit welchen Wölfen er auf dem Weg nach oben heulen muss.

Exklusive Seilschaften

Exklusive Seilschaften

Er ist ein Kämpfer und Stratege, er kann tricksen, ohne dass man ihn dabei ertappt, gleichzeitig beherrscht er die Spielregeln des Fairplay, ist sympathisch und weiß sich zu inszenieren. Und er ist ein Mann - sehr zur Enttäuschung der anwesenden Managerinnen. "Es tut mir leid, aber von 500 Topleuten in Deutschland sind nun mal 96 Prozent Männer", entschuldigt sich Thomé.

Er wagt einen Erklärungsversuch mit den Seilschaften, die jeder spätere Spitzenmanager schon früh zu bilden wisse, und verweist in diesem Zusammenhang auch auf andere Gegebenheiten, die die Spitzenleute teilen. "Von fünf Vorständen sind vier aus sogenannten guten Häusern, sprich der Vater war schon Vorstand oder Unternehmer, und die Familie hat Geld und enge Verbindungen in die Wirtschaftswelt." Ausnahmen wie den Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld, dessen Vater Werftarbeiter war, bestätigten auch hier die Regel.

Dazu passt, dass Topführungskräfte sich gerne mit ihresgleichen umgeben und bedeutende Menschen persönlich kennen. Thomé ruft den Zuhörern das Bild von Utz Claassen und Gerhard Schröder oder von Dieter Zetsche und Angela Merkel vor Augen, aber auch den exklusiven Zirkel "Similauner", dem nur 15 deutsche Spitzenmanager angehören und in den eine normal sterbliche Führungskraft nie hineinkommen würde.

"Topmanager entwickeln sich im Umfeld von Topmanagern. Sie messen sich aneinander, wetteifern miteinander. Das funktioniert jedoch nur, wenn sie mit den Besten zusammen sind." Im Falle des "Similaun" handelt es sich um einen 3000er Berg in den Ötztaler Alpen, bei dessen Besteigung die 15 Manager unter Führung von Reinhold Messner die "Seilschaft" Jahr für Jahr wörtlich nehmen.

Angeregt wird hernach im Kreis der anwesenden Führungskräfte diskutiert. Sind die Spitzenleute nicht irgendwie Klone? Und ist die Liste ihrer Attribute nicht unvollständig? "Ja", schränkt Thomé ein. "Es gibt nur gut 500 Spitzenstellen. Eine gehörige Portion Glück gehört wohl auch dazu, auf solch einen Posten zu kommen."

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