Alcoa Kleinfeld rückt an die Spitze

Klaus Kleinfeld wird mit sofortiger Wirkung CEO von Alcoa. Der bisherige Chef des Aluminium-Konzerns Alain Belda macht Platz für den Deutschen. Die Korruptionsaffäre bei seinem früheren Arbeitgeber Siemens scheint Kleinfeld kaum beschadet überstanden zu haben - anders als sein Vorgänger Heinrich von Pierer.

Pittsburgh (Pennsylvania) - Der frühere Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld ist zum Chef des US-Aluminiumkonzerns Alcoa  ernannt worden. Der 50-Jährige war zuletzt für das operative Tagesgeschäft bei Alcoa zuständig und bereits als Nachfolger des bisherigen Chefs Alain Belda (64) auserkoren. Der Wachwechsel erfolge mit sofortiger Wirkung, teilte der Konzern am Donnerstagabend am Sitz in Pittsburgh (Pennsylvania) mit. Belda bleibt Vorsitzender des Verwaltungsrates.

Kleinfeld hatte im Juli 2007 im Zuge der Schmiergeld-Affäre bei Siemens  seinen Hut genommen, obwohl sich keinerlei Hinweise auf eine Verwicklung in die Vorfälle ergeben hatten. Kurz darauf wechselte er in die Führungsspitze von Alcoa als Chief Operating Officer (COO). Vorher saß er bereits seit mehreren Jahren im Verwaltungsrat des Konzerns. Umfangreiche US-Erfahrung sammelte der gebürtige Bremer als früherer Chef des Amerika-Geschäfts von Siemens.

Alcoa ist der gegenwärtig drittgrößte Aluminiumproduzent der Welt. Die Aktie zählt zum Dow-Jones-Index , der 30 der bedeutendsten US-Konzerne umfasst. Alcoa erlitt im ersten Quartal wegen des schwachen Dollars und steigender Energiekosten einen Gewinneinbruch um mehr als die Hälfte. Gegen den Konzern laufen zudem Ermittlungen des US- Justizministeriums wegen Bestechungsvorwürfen. Ein Staatsunternehmen aus Bahrain beschuldigt Alcoa, Gelder an einen Regierungsbeamten des Golfstaates gezahlt zu haben, und verklagte den Konzern deshalb.

Die Entscheidung über die Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen gegen Kleinfelds Vorgänger als Siemens-Chef Heinrich von Pierer wegen der Korruptionsaffäre fällt offenbar heute. Die Staatsanwaltschaft werde am 9. Mai eine schriftliche Erklärung über die weitere Sachbehandlung bekanntgeben, hatte die Münchener Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitgeteilt. Der frühere Vorstandschef soll laut Medienberichten Angestellte des Konzerns zu Schmiergeldzahlungen aufgefordert haben. Mehrere Zeugen sollen Pierer demnach belastet haben.

Nach einem Bericht des "Handelsblatts" (Freitagausgabe) muss Pierer außerdem mit Konsequenzen von Seiten des Unternehmens rechnen. Dem Siemens-Aufsichtsrat seien mindestens drei Korruptionsfälle vorgelegt worden, in denen von Pierer nicht ordnungsgemäß gehandelt und seine Pflichten damit verletzt habe, erfuhr die Zeitung nach eigenen Angaben aus Kreisen des Kontrollgremiums.

Der Aufsichtsrat betont seit längerem, dass das Unternehmen Schadensersatz einfordern muss, sobald Aussichten dafür bestehen. Andernfalls würden die Kontrolleure selbst ihre Pflichten verletzen. Derzeit überprüft eine der führenden deutschen Kanzleien, Heinerle Müller, im Auftrag von Siemens die Sachverhalte.

Der oberste Korruptionsbeauftragte des Konzerns, Andreas Pohlmann, hatte bereits angekündigt, Siemens bereite Schadensersatzklagen vor; konkrete Namen nannte der Konzern bislang aber keine. Zwei Siemens-Manager hatten schwere Beschuldigungen gegen von Pierer erhoben. Der frühere Vorstandschef bestreitet jede Verwicklung in die Affäre.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und ddp

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