Ranking Hamel wichtigster Business-Guru

Der Unternehmensberater und Strategieexperte Gary Hamel ist vom "Wall Street Journal" zum wichtigsten Managementvordenker gekürt worden. Unter den Top Five befinden sich aber auch zwei Journalisten, ein Psychologe und ein ehemaliger CEO.
Von Felix Rohrbeck

Hamburg - Psychologen, Journalisten, Professoren - die Liste der einflussreichsten Managementvordenker des Wall Street Journals liest sich auffallend abwechslungsreich. Altgediente Business-Gurus wie der Wirtschaftsprofessor Michael Porter finden sich dagegen nicht mehr unter den ersten zehn.

"Manager holen sich den Rat heute dort, wo sie ihn am einfachsten bekommen", meint Managementprofessor Thomas Davenport, der das auf Google-Treffern, Mediennennungen und wissenschaftlichen Erwähnungen beruhende Ranking entwickelt hat. Zudem sei das Themenspektrum, das für Manager relevant ist, wesentlich breiter als noch vor einigen Jahren.

An erster Stelle steht mit dem 53-jährigen Gary Hamel allerdings ein Unternehmensberater und äußerst erfolgreicher Buchautor, der schon seit längerem zu den einflussreichsten Managementvordenkern zählt.

Der Leiter der Unternehmensberatung Strategos und Gastprofessor an der Harvard Business School sorgte zuletzt mit seinem im Oktober in Amerika publizierten Werk "The Future of Management" für Aufsehen. Darin argumentiert er, dass Innovationen im Management nötiger denn je seien. In einer Welt, in der Kreativität und Anpassungsfähigkeit immer wichtiger würden, seien die Managementmethoden des letzten Jahrhunderts hoffnungslos veraltet, weil sie vor allem auf Effizienz und Kontrolle abzielten. Als positives Gegenbeispiel präsentiert er unter anderem die moderne Struktur des Internetriesen Google .

Schon der zweite Platz aber geht nicht an einen Wirtschaftswissenschaftler, sondern an den Kolumnisten der "New York Times" Thomas L. Friedman. Der weltweit angesehene Journalist hat mehrere Bestseller über Weltpolitik und Globalisierung geschrieben. Zudem wurde er dreimal mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

In seinem letzten Buch "Die Welt ist flach" geht Friedman in einer Mischung aus Analyse und Reportage den Phänomenen der Globalisierung nach. Seine Erkenntnis: "Die Welt des 21. Jahrhunderts ist flach, der Globus eingeebnet durch die Möglichkeit, digitale Daten von beliebigen Winkeln der Erdkugel in andere zu verschicken, und zwar höchst billig und weitaus schneller, als man einen Stapel Papiere von Büro zu Büro tragen kann."

Die Top-20-Vordenker im Überblick

Während der dritte Platz weniger überraschend an Microsoft-Gründer Bill Gates geht, steht auf dem vierten Platz wieder ein gelernter Journalist: Malcom Gladwell ist Autor der beiden Bestseller "Tipping Point" und "Blink - Die Macht des Moments". Letzterer beschäftigt sich mit der Rolle der Intuition bei der Entscheidungsfindung unter Zeitdruck - gerade für Manager also eine höchst bedeutsame Materie. Glaubt man Gladwell kann man durch seine Intuition innerhalb von zwei Sekunden manchmal mehr über eine Sache lernen als durch monatelange Studien.

Die 20 einflussreichsten Wirtschaftsvordenker

Rang Name Tätigkeit
1 Gary Hamel Berater
2 Thomas L. Friedman Kolumnist "New York Times"
3 Bill Gates Microsoft-Gründer
4 Malcolm Gladwell Autor von "Blink"
5 Howard Gardner Harvard-Professor
6 Philip Kotler Marketingprofessor
6 Robert B. Reich Ehemaliger amerikanischer Arbeitsminister
8 Daniel Goleman Psychologe
9 Henry Mintzberg McGill-Professor
10 Stephen R. Covey Autor "Sieben Wege zur Effektivität"
11 Jeffrey Pfeffer Stanford-Professor
11 Peter M. Senge Autor "Die fünfte Disziplin"
13 Richard Branson Gründer von Virgin
14 Michael E. Porter Harvard-Professor
15 Michael S. Dell Gründer von Dell
16 Geert Hofstede Kulturwissenschaftler
17 Clayton M. Christensen Harvard-Professor
18 Jack Welch Früherer CEO von General Electric
18 Tom Peters Autor "Auf der Suche nach Spitzenleistungen"
20 Myron S. Scholes Wirtschaftsnobelpreisträger
20 Ikujiro Nonaka Hitotsubashi-Professor
Stand: Mai 2008
Quelle: Wall Street Journal

Auch auf dem fünften Platz findet sich ebenfalls kein Wirtschaftswissenschaftler, sondern ein Psychologe. Howard Gardner, 64, ist bekannt geworden mit seiner "Theorie der multiplen Intelligenzen". Der Sohn deutscher Emigranten, die 1938 vor den Nazis nach Amerika flohen, kritisiert die Auffassung, es gäbe nur eine einzige Intelligenz, die mit psychometrischen Standardinstrumenten gemessen werden könnte. Seiner Auffassung nach gibt es mindestens acht verschiedene Intelligenzen. Nebenbei beschäftigt sich Gardner auch mit ethischen Themen - etwa mit der Verantwortung von Unternehmen für die eigenen Mitarbeiter am Arbeitsplatz.

Auffallend ist, wie oft die im Ranking vertretenen Vordenker sich dem Thema Globalisierung widmen. Neben dem zweitplazierten Friedman haben sich auch der ehemalige amerikanische Arbeitsminister Robert Reich (Platz 6) und der niederländische Kulturwissenschaftler Geert Hofstede (Platz 16) mit Aspekten der Globalisierung auseinandergesetzt. Während Reich über den globalen Kapitalismus und Amerikas Stellung in der Welt nachdenkt, beschäftigt sich Hofstede mit kulturellen Unterschieden am Arbeitsplatz.

Für die gerankten Managementvordenker bedeut eine gute Platzierung meist nicht nur Ruhm, sondern auch die Aussicht auf hohe finanzielle Einkünfte. Populäre Redner erhalten in Amerika für einen Auftritt zwischen 50.000 und 70.000 Dollar - Tendenz steigend.

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