WestLB-Prozess Star-Bankerin vor Gericht

Robin Saunders, eine Schlüsselzeugin im Untreue-Prozess gegen Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera, hat heute vor Gericht ausgesagt. Das Boxclever-Geschäft "musste schnell passieren", so die einstige Star-Bankerin. Als sie weitere Details schildern sollte, hatte die Britin zahlreiche Gedächtnislücken.

Düsseldorf - Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera hat am Donnerstag die als Schlüsselzeugin geltende Investmentbankerin Robin Saunders ausgesagt. Die einstige Star-Bankerin hatte für die Londoner WestLB-Tochter Principal Finance das desaströse Boxclever-Kreditgeschäft mit eingefädelt, durch das der WestLB ein Schaden von fast 500 Millionen Euro entstand.

Saunders erklärte vor dem Düsseldorfer Landgericht, dass die WestLB 1999 alle notwendigen Daten für das Kreditgeschäft mit dem britischen TV-Verleiher Boxclever gehabt habe, das dem Düsseldorfer Geldhaus später herbe Verluste beschert hatte. Die Daten seien von verschiedenen Managern der WestLB geprüft worden, aber nicht von ihr persönlich.

Das Geschäft sei aus ihrer Sicht eine konservativ strukturierte Transaktion gewesen, sagte Saunders. Das Team für die Boxclever-Kreditvergabe sei ziemlich groß gewesen und die Transaktion von vielen Leuten in der WestLB überprüft worden.

Weil die Fusion der Fernsehgeräte-Verleiher Thorn und Granada zum Unternehmen Boxclever Mitte Dezember 1999 bekanntgegeben werden sollte, sei der Zeitdruck sehr groß gewesen. Außerdem habe es aus der Bankzentrale in Düsseldorf die Auflage gegeben, das Geschäft noch von unabhängiger Seite überprüfen zu lassen: "Es musste schnell passieren, war aber nicht unmöglich."

Der eigentliche Architekt der Transaktion sei ihr Kollege Andrew Gardner gewesen. Sie selbst sei damals noch mit weiteren, zum Teil noch größeren Deals beschäftigt gewesen. Auf Fragen zu weiteren Details erklärte Saunders mehrfach, dass sie sich nicht mehr genau erinnern könne. Ihr Auftritt vor dem Düsseldorfer Landgericht war ursprünglich bereits im vergangenen Februar geplant, die Britin hatte dem Gericht aber zunächst abgesagt.

WestLB-Chef Sengera wird vorgeworfen, das rund 1,35 Milliarden Euro schwere Darlehen nur unzureichend geprüft und der WestLB damit letztlich einen Schaden von rund 427 Millionen Euro zugefügt zu haben. Sengera, der im Juni 2003 bei der WestLB seinen Hut genommen hatte, bestreitet dies. Wird der ehemalige Spitzenbanker wegen schwerer Untreue verurteilt, drohen ihm bis zu zehn Jahren Haft. Der Prozess gegen Sengera dauert bereits fast vier Monate.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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