GDL Mehdorns Gegner geht in Rente

Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer steht vor einem tiefgreifenden Führungswechsel: Manfred Schell, schärfster Widersacher von Bahnchef Hartmut Mehdorn, den Schell schon mal "Rumpelstilzchen" nannte, räumt seinen Posten. Auch mit Schells Nachfolger wird Mehdorn jedoch keine Freude haben.

Berlin - Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) hat auf ihrer Generalversammlung am Dienstag in Berlin einen Nachfolger für ihren Vorsitzenden Manfred Schell wählen. Nachfolger von Schells wird dessen langjähriger Stellvertreter Claus Weselsky, der als einziger Kandidat zur Wahl angetreten war. Der Sachse verspricht den 34.000 GDL-Mitgliedern Kontinuität. Ändern werde sich nur die Person "und vielleicht hier und da die Tonart". Mit 65 Jahren erreicht Schell, ehemals Bundestagsabgeordneter der CDU, die Altersgrenze.

Schell stand 25 Jahre an der Spitze der GDL. Der Sohn eines Lokomotivführers wollte schon früh selbst Lokführer werden. Doch bis ins Führerhaus war es ein beschwerlicher Weg über Hilfsarbeiten als Rohrbläser und Heizer auf Dampfloks, bis er 1969 am Ziel war. Schon 1974 kehrte er der Bahn den Rücken, um eine hauptamtliche Karriere bei Deutschlands ältester Gewerkschaft GDL zu beginnen. 1983 wurde er zum stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt, 1989 dann zum Vorsitzenden.

Der ungewöhnlich lange und heftige Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn hatte Schell im vergangenen Jahr bundesweit bekanntgemacht. Erst nach knapp einem Jahr und mehreren Streiks wurde im März eine Lösung gefunden, die Schell als Erfolg verbuchen konnte. Die 34.000 Mitglieder starke und damit kleinste von drei Bahngewerkschaften erreichte den geforderten eigenständigen Tarifvertrag für die Lokführer. Diese erhalten im Durchschnitt 11 Prozent mehr Geld.

Die GDL hat eigenen Angaben zufolge rund 34.000 Mitglieder, die Transnet etwa das Zehnfache. In der GDL sind aber rund 75 Prozent der 20.000 Lokführer der Deutschen Bahn organisiert.

Schell wurde in den Medien als idealer Kontrahent von Bahnchef Hartmut Mehdorn charakterisiert. Beide neigen nicht zu diplomatischen Vorgehens- oder Ausdrucksweisen. Der GDL-Chef, der in Aachen zur Welt kam und in Hofheim bei Frankfurt lebt, liebt klare Worte. Seine zahlreichen öffentlichen Auftritte während des Tarifkonflikts hatten nicht selten Unterhaltungswert. Manchmal ging dem Mann mit den buschigen Augenbrauen sein Temperament durch. So bezeichnete Schell das Bahnmanagement einmal als "Außerirdische", Mehdorn titulierte er als "Rumpelstilzchen".

Von Pirna in die weite Welt

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Schells Nachfolger Weselsky hat sein ganzes Leben bei der Bahn verbracht und gilt unter Experten als ausgewiesener Tarifexperte und harter Verhandlungspartner. Seine Feuertaufe hat der gebürtige Dresdner schon bestanden: Bereits im Oktober, mitten in der heißen Phase des Arbeitskampfes der Lokomotivführer, stand der 49-Jährige bereits an der Spitze der Lokführergewerkschaft GDL - wenn auch nur pro forma.

Für drei Wochen hatte sich Schell in die Kur am Bodensee verabschiedet. Sein Stellvertreter Weselsky war in der Zeit für den Streit mit der Bahn um einen eigenständigen Tarifvertrag und höhere Löhne zuständig und kämpfte durchaus mit harten Bandagen.

Weselsky wurde am 18. Februar 1959 in Dresden geboren. Der geschiedene Vater eines erwachsenen Sohnes machte als Jugendlicher eine Ausbildung zum Schienenfahrzeugschlosser und Lokomotivführer. Mit der Wende strebte Weselsky nach Veränderung: Er wurde 1990 Vorsitzender der GDL-Ortsgruppe Pirna. Bald darauf verließ der langjährige Lokführer die Schienen: Vom Büro aus arbeitete er als Personalrat, Koordinator und Betriebsrat, seit 2002 ist er für seine Gewerkschaftstätigkeit ganz freigestellt.

Im GDL-Bezirk Dresden war Weselsky von 1992 bis 2002 stellvertretender Vorsitzender, seit 1999 ist er auch Vize des GDL-Bezirks Berlin-Sachsen-Brandenburg. Nach der Wende schlossen sich 95 Prozent der DDR-Lokführer der GDL an, wodurch die Ostdeutschen bis heute die Mehrheit in der vergleichsweise kleinen Gewerkschaft stellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa, ap und ddp

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