Sonntag, 26. Mai 2019

Roland Berger Die Manager und die Menschenrechte

4. Teil: "Deutschlands Zukunft hängt von Bildung ab"

Berger: Beispielweise die Eigenverantwortung von Beschäftigen fördern, ihnen ermöglichen, kreativ zu sein und sich zu entfalten. Für diese Leistung ordentlich bezahlt zu werden. Vernünftige äußere Arbeitsumstände bieten gehört ebenso dazu wie zum Beispiel Kinderarbeit ausschließen. Letztere kommt leider trotzdem immer wieder vor, vor allem bei kleineren lokalen Betrieben. Aber bei Großunternehmen mit internationaler Beteiligung herrschen in der Regel ähnliche Verhältnisse, wie wir sie aus anderen entwickelten Ländern mit demokratischen Regierungsformen kennen. Warum? Sie haben sich hinsichtlich Produktivität, Motivation und Qualität am besten bewährt. Qualifizierte und motivierte Menschen sind einfach produktiver und innovativer und bringen bessere Leistung.

Früh übt sich: Bildung sollte bereits im Vorschulalter ansetzen
mm.de: Bei aller positiven Darstellung der Verhältnisse: Vorhin hatten Sie mit Hu Jia unter anderem einen chinesischen Menschenrechtler als möglichen Kandidaten für Ihren Preis genannt.

Berger: Ja. Sicher gab es Ereignisse wie die auf dem Platz des himmlischen Friedens im Jahr 1989. All dies wurde oft und zu Recht diskutiert. Das sind aber keine Ereignisse, die eine Person mit der Gründung einer Stiftung verhindern kann.

mm.de: Wie kam es zum zweiten Thema Ihrer Stiftung, der Bildungsförderung?

Berger: Deutschlands Zukunft hängt ganz wesentlich von Bildung ab. Wir leben in der Wissensgesellschaft eines Landes, das mit erheblichen demografischen Problemen konfrontiert ist und weder über große Rohstoffreserven, noch über der Welt bestes Bildungssystem verfügt. Pisa und andere internationale Vergleiche zeigen das. Die beste deutsche Universität, die Ludwig-Maximilian-Universität in München, belegt im Shanghai-Ranking erst Platz 53. Auf Platz 54 folgt die Technische Universität München. Außerdem zeigt unser Bildungssystem eine erhebliche soziale Schieflage: Mehr als 80 Prozent aller Akademikerkinder studieren, aber nur gut 20 Prozent aller Nicht-Akademikerkinder. Dabei ist Intelligenz sicher über alle Schichten etwa gleich verteilt. Mit dieser inakzeptablen sozialen Ungerechtigkeit geht unserm Land also zudem immenses Intelligenzpotenzial verloren, das uns helfen könnte, weltweit weiter vorne mitzuspielen.

mm.de: Spielen auch hier persönliche Erfahrungen eine Rolle?

Berger: Ja, ich selber habe eine exzellente Ausbildung erhalten und lebe in Deutschland seit über 60 Jahren unter marktwirtschaftlichen Bedingungen in Frieden und Freiheit. Ich konnte mich frei entfalten – vor allem dank einer guten Ausbildung. Ich möchte dazu beitragen, dass jungen Menschen, die heute keinen Zugang zu Bildung haben, dieser Zugang ermöglicht wird - beispielsweise über Stipendien oder Bildungsprojekte. Das gilt vor allem für Kinder und Jugendliche aus sogenannten bildungsfernen Schichten, also vor allem aus einfachen und einkommensschwachen Familien oder Familien mit Migrationshintergrund.

mm.de: Was müsste nach Ihrer Ansicht geschehen, um die Situation im deutschen Bildungssystem zu verbessern?

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