Dienstag, 19. November 2019

Jérôme Kerviel SocGen-Zocker wird IT-Berater

Der Ex-Société Générale-Börsenspekulant Jérôme Kerviel hat einen neuen Job. Seinem ehemaligen Arbeitgeber hinterließ Kerviel Verluste in Milliardenhöhe - jetzt hat ihn eine Informatikfirma als Berater engagiert.

Paris - Der nach dem Skandal um ungenehmigte Milliardenspekulationen bei der französischen Großbank Société Générale Börsen-Chart zeigen (SocGen) gefeuerte Börsenhändler Jérôme Kerviel hat einen neuen Arbeitsplatz gefunden. Seit Anfang April arbeite Kerviel als Berater in seinem Unternehmen, sagte der Chef der Informatikfirma LCA, Jean-Raymond Lemaire, am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP. Nähere Angaben zur Kerviels Aufgaben machte Lemaire nicht.

Neuer Job: Börsenbrooker Kerviel
Mitte März war Kerviel nach fünf Wochen Untersuchungshaft unter strengen Meldeauflagen auf freien Fuß gesetzt worden. Kerviel hatte mit unerlaubten Indexspekulationen bei der SocGen einen Schaden von 4,9 Milliarden Euro verursacht. Die Großbank bezeichnet ihn als Einzeltäter, doch die Justiz sucht nach Komplizen.

Der 31-Jährige darf nach Angaben des Gerichts die Region Paris nicht verlassen und keine Börsen- oder Handelsräume betreten. Außerdem muss er sich wöchentlich bei der Polizei melden. Die Auflagen sollten auch die Kontaktaufnahme zu möglichen Komplizen zu verhindern. Diese Anordnung betraf auch Lemaire, bei dem Kerviel während der ersten Tage nach Bekanntwerden des Skandals gewohnt hatte. Diese Auflage sei jedoch nicht mehr gültig, sagte Lemaire am Donnerstag.

Kerviel hatte seit 2005 unerlaubt hoch auf Aktienindizes wie den Dax Börsen-Chart zeigen spekuliert und war Mitte Januar 2008 aufgeflogen. Er soll die Kontrollsysteme unterlaufen und aufkommenden Verdacht mit gefälschten Dokumenten zerstreut haben. Kerviel behauptet, seine Vorgesetzten hätten von den Geschäften gewusst, ihn aber nicht gestoppt, solange er Gewinn gemacht habe. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu sieben Jahre Haft sowie eine Geldstrafe bis zu 750.000 Euro.

Die bankinternen Ermittler wollen bis zur SocGen-Hauptversammlung am 27. Mai einen Schlussbericht vorlegen. Ein Zwischenbericht wies auf Mängel im Kontrollsystem hin. Im Zuge des Skandals kündigte SocGen-Chef Daniel Bouton für Mitte Mai seinen Rücktritt an.

manager-magazin.de

© manager magazin 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung