Samsung-Chef Lee Rücktritt in Schande

Es ist ein peinlicher Abgang für Südkoreas mächtigsten Konzernlenker: Samsung-Chef Lee Kun-Hee tritt nach einer Anklage wegen Steuerhinterziehung zurück. Lee drohen im Falle einer Verurteilung fünf Jahre Gefängnis. Experten erwarten allerdings, dass er am Ende glimpflich davonkommt.

Seoul - Der 66-jährige Samsunf-Chef Lee Kun-Hee gab seine Entscheidung heute in einer Erklärung im staatlichen Fernsehen persönlich bekannt. Dabei entschuldigte er sich für den Skandal, der auch zur Anklage von neun weiteren Samsung-Managern geführt hat.

Allzu viel wird sich bei Samsung  aller Voraussicht nach trotz des Rücktritts nicht ändern: Die Familie Lee werde auch weiter bei dem Konzern die Strippen ziehen, vermuten Analysten. Trotzdem: Lees Demission ist ein Skandal, der die südkoreanische Wirtschaft erschüttert - agieren die Manager dort doch dank ihrer blendenden Verbindungen in die Politik häufig außerhalb der Gesetze.

Auslöser für Lees Rücktritt waren die Aussagen eines ehemaligen Samsung-Hausjuristen, der nach seinem Ausscheiden aus dem Konzern 2004 ein Tabu brach: Er berichtete von Bestechung und vermeintlichen Schmiergeldkassen. Das Parlament setzte einen Sonderermittler ein, der die Ruhe in der heilen Samsung-Welt ein ums andere Mal störte.

Nach monatelangen Untersuchungen und zahlreichen Razzien blieb zwar nur eine Anklage wegen Steuerhinterziehung und Untreue übrig - Lee soll auf Hunderten von verdeckten Konten über Summen in Milliardenhöhe verfügt und darüber Aktiengeschäfte getätigt haben, ohne die Gewinne zu versteuern. Doch selten wurde die Untersuchung von Wirtschaftsdelikten derart akribisch und gründlich durchgeführt.

Der Skandal wirft ein Schlaglicht auf die Probleme der einflussreichen "Chaebol". Diese familiengeführten Konzerne trugen zwar nach dem Koreakrieg 1950 bis 1953 zum Wiederaufbau der Wirtschaft des Landes bei, sind aber gleichzeitig undurchschaubar und gelten auch als mitverantwortlich für die Asien-Finanzkrise Ende der neunziger Jahre. Trotz Reformen werden viele der Konzerne auch heute noch wie Familienunternehmen geführt.

Lee drohen im Falle einer Verurteilung fünf Jahre Gefängnis. Experten erwarten aber, dass er einer Haftstrafe entgeht, weil sich Südkoreas Richter in ähnlichen Fällen unter Verweis auf einen möglichen Schaden für die Wirtschaft oft eher nachsichtig mit angeklagten Managern gezeigt hätten. So hatte 2007 ein Berufungsgericht die dreijährige Haft für Hyundai-Chef Chung Mong Koo wegen Veruntreuung von Firmengeldern in Bewährung umgewandelt. Chung war die Verantwortung für den Aufbau eines Schmiergeld-Fonds angelastet worden, mit dem politische Vorteile erkauft werden sollten. Allerdings hob das oberste südkoreanische Gericht vor wenigen Tagen das Bewährungs-Urteil auf und erklärte, das Strafmaß müsse überprüft werden.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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