Stahlbau Karriere in einer Boombranche

Ob für Brückenkonstruktionen, Stahlgerüste von Hochhäusern, Kraftwerksturbinen, Motorsteuerketten oder Auto-Seitenaufprallträger - Stahlbauingenieure werden überall gebraucht. Die Branche ist im Aufwind, Jobs gibt es in großer Zahl, aber Fachkräfte sind Mangelware. Wer jetzt einsteigt, hat beste Aufstiegschancen.

München/Düsseldorf - "Der Stahlbaubranche geht es nach vielen schlechten Jahren wieder besser, weil die Investitionen steigen", erklärt Christoph Seeßelberg von der Fachhochschule München. Die Berufsaussichten für Fachkräfte und Ingenieure seien sehr gut.

In den vergangenen Jahren hätten sich zu wenig junge Leute für eine Berufsausbildung oder ein Studium in diesem Bereich entschieden, sagt der Dekan der Fakultät Bauingenieurswesen. Da derzeit zahlreiche Fachkräfte in Pension gehen und keine neuen nachkommen, bleiben viele Stellen unbesetzt. "Jährlich fehlen 1500 Ingenieure."

Auch der Deutsche Stahlbauverband (DSTV) verzeichnet gute Geschäfte mit dem Werkstoff. "Der Hochbau boomt", sagt DSTV-Hauptgeschäftsführer Volkmar Bergmann. Davon profitierten besonders der Kraftwerksbau, die chemische Industrie, aber auch die Firmen, die Fabrikhallen bauen. "Die Bautätigkeit hat allgemein zugenommen" - von 2006 bis 2007 um etwa 20 Prozent. Auch für dieses Jahr erwartet Bergmann noch einmal ein Wachstum von 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Etwa 20 Stromkraftwerke und ebenso viele Müllverbrennungsanlagen seien deutschlandweit in Planung. "Wir gehen deshalb bis etwa 2012 von einem stabilen Geschäft und guter Beschäftigung aus." Das Problem dabei: "Es fehlen einfach Leute, sowohl im gewerblichen als auch im Angestelltenbereich", sagt Bergmann. Haben 1995 noch rund 11.500 junge Menschen ein branchenspezifisches Studium begonnen, so seien es zum Wintersemester 2007/2008 nur noch 6200 gewesen.

Nach Angaben von Gerd Wink von der Wirtschaftsvereinigung Stahl aus Düsseldorf können Stahlbauinteressierte über verschiedene Studiengänge in die Branche einsteigen: Metallurgie und Werkstofftechnik, Maschinenbau, Elektrotechnik, aber auch Wirtschaftsingenieurwesen und Informatik. Wer sich von vornherein intensiver mit Stahl beschäftigen möchte, kann sich an zwei Fachhochschulen in Deutschland - in München und Mittweida - zum Stahlbauingenieur ausbilden lassen.

Beste Aufstiegschancen

Beste Aufstiegschancen

"Nur diese beiden Hochschulen bieten den Stahlbau als eigene Vertiefungsrichtung an", sagt Dekan Seeßelberg. Zuerst sieben Semester bis zum Bachelor, dann anschließend drei Semester zum Master - und mit ihrer Abschlussarbeit hätten eigentlich fast alle auch schon einen Job in der Tasche. Voraussetzung für das Studium sei allerdings ein Abitur. Wer nur einen Realschulabschluss hat, muss anschließend zwei Jahre eine Fachoberschule besucht haben. Erst dann ist eine Aufnahme an der Hochschule möglich, erläutert Seeßelberg.

Jobs finden die Ingenieure meist bei Unternehmen, die Stahlbauwerke erstellen sowie chemische oder verfahrenstechnische Anlagen produzieren. "Es werden viele Stahlbauer gebraucht, die in Ingenieurbüros die Arbeit der Planung und Konstruktion machen", erklärt Seeßelberg. Hier müssen sie Aufträge an Land ziehen, Projekte planen, statische Berechnungen vornehmen oder Tragwerksentwürfe anfertigen. Auch bei Gutachterfirmen wie dem TÜV kommen die Experten zum Einsatz. Wer sich lieber mit einem eigenen Ingenieurbüro selbstständig machen möchte, soll dies Seeßelberg zufolge ruhig wagen. "Die Chancen sehen gar nicht so schlecht aus."

Zusätzlich braucht der Markt Experten, die beispielsweise langlebige Schneidwerkzeuge und Bauteile für Landmaschinen herstellen können, riesige Antriebswellen und Scheiben für Kraftwerksturbinen zusammensetzen oder spezielle Bauteile für die Luft- und Raumfahrt produzieren. "In allen Teilen Deutschlands, bis an die polnische Grenze, werden diese Facharbeiter gesucht", sagt Bergmann. Wer eine Fremdsprache spricht, habe auch im Ausland beste Chancen.

Nach der Berufsausbildung und jahrelanger guter Arbeit könnten Schlosser und Monteure, die im Vergleich zu anderen Jobs im gewerblichen Bereich überdurchschnittlich gut bezahlt würden, auch in Führungspositionen aufsteigen. Frauen seien hierbei genauso gefragt wie ihre männlichen Kollegen, versichert Bergmann.

Im Jahr 2006 arbeiteten rund 83.000 Menschen in der Stahlbranche. "Ich schätze mal, dass wir im Jahr 2007 etwa 87.000 Beschäftigte hatten", so Bergmann weiter. Deutschland ist nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl der größte Rohstahlproduzent in der EU, weltweit liege das Land auf Platz sechs. Im vergangenen Jahr sei die Rohstahlproduktion im Vergleich zum Vorjahr um 2,8 Prozent auf 48,6 Millionen Tonnen gesteigert worden - ein neuer Rekord nach der Wiedervereinigung.

Angelika Röpcke, dpa

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