Thielert Pleite abgewendet, Chef tritt ab

Der Flugzeugmotorenhersteller Thielert steht mit dem Rücken zur Wand. Mit einem Notverkauf seines gesamten Aktienpakets half Unternehmensgründer Frank Thielert, die für das Unternehmen nötige Liquidität bereitzustellen. Als Vorstandschef trat er zurück. Auch Finanzchefin Roswitha Grosser soll ersetzt werden.

Frankfurt am Main - Der mit einer akuten Liquiditätskrise kämpfende Flugzeugmotorenhersteller Thielert  sucht eine neue Führung und will sich frisches Geld beschaffen. Wie das Unternehmen in der Nacht zum Donnerstag in Hamburg mitteilte, räumen der Vorstandsvorsitzende Frank Thielert und Finanzchefin Roswitha Grosser ihre Posten.

Mit einem Notverkauf seines gesamten Thielert-Aktienpakets habe Frank Thielert mitgeholfen, die bis Ende Juni am dringendsten benötigten 13,6 Millionen Euro aufzutreiben, hieß es weiter. Zudem sollen über eine Kapitalerhöhung gut 24 Millionen Euro in die Kassen kommen.

Die Liquiditätskrise bei Thielert schwelte bereits seit Anfang März. Da sich die Serienauslieferung von Motoren an den Flugzeugbauer Cessna verzögert, fehlen Thielert in den kommenden zwölf Monaten aber weitere 20 bis 24 Millionen Euro. Dieses Geld soll über eine Kapitalerhöhung hereinkommen, allein 20 Millionen Euro wollen fünf Investoren um Großaktionär Global Opportunities Capital beisteuern.

Die im SDax  notierte Thielert-Aktie brach am Donnerstag um 40 Prozent auf 2,80 Euro ein. Die neuen Aktien sollen nur noch 1,15 Euro kosten, Frank Thielert verkaufte seine Aktien sogar zu nur je einem Euro. Die damit eingenommenen 2,65 Millionen Euro stellt er Thielert als Kredit zur Verfügung. Binnen zwei Jahren kann er diese Papiere wieder zurückkaufen - zu je acht Euro. Thielerts Vermögensverwaltung TVV war mit 13,9 Prozent am Unternehmen beteiligt. Global Opportunities hielt schon vorher mehr als 25 Prozent. Ein Übernahmeangebot wollen die Investoren aber nicht abgeben.

Die fünf Investoren haben auch Thielert-Anleihen über 1,6 Millionen Euro gezeichnet. Sie seien bereit, unter Umständen weitere 3,9 Millionen Euro in gleicher Form zur Verfügung zu stellen, erklärte der Flugzeugmotorenbauer. Banken hätten neue Kreditlinien über 5,5 Millionen Euro zugesagt und die bestehenden Kredite nicht gekündigt. "Unsere Cashflow-Situation ist seit jeher angespannt", sagte ein Sprecher. "Aber so etwas muss man in Kauf nehmen, um in den Markt reinzukommen."

Thielert habe große Investitionen in Technik getätigt. Bis Geld für die Motoren hereinkomme, dauere es in der Branche lange. Schon 2007 hatte Thielert 28 Millionen Euro von seinen Aktionären erhalten.

Thielert ist seit längerem wegen der umstrittenen Bewertung ungewöhnlich hoher Forderungen in seiner Bilanz in der Kritik. Das Landgericht Hamburg hatte im März die Abschlüsse der Jahre 2003 bis 2005 für nichtig erklärt. Experten von Ernst & Young prüfen nun die Bewertung von Forderungen aus den Vorjahren. Den Abschluss für 2006 korrigierte Thielert selbst und wies darin deutlich weniger Umsatz und Gewinn aus. Zahlen für 2007 liegen noch nicht vor.

Ursprünglich hatte das Unternehmen Entwicklungsleistungen nach dem Grad der Fertigstellung bilanziert. Nun werden Leistungen wie die Anpassung von Motoren an bestimmte Flugzeugmodelle erst mit Beginn der Serienfertigung verbucht.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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