Schenker Ein Mehdorn-Mann wird Chef

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn hat den Führungsposten der wichtigen Bahn-Tochter Schenker mit einen Vertrauten besetzt. Thomas Lieb obliegt nun die undankbare Aufgabe, den profitablen Logistiker enger an den Staatskonzern zu binden. Schenker opponiert seit Jahren gegen die bürokratische Mutter.

Berlin - Bei Schenker, der Speditions- und Logistiktochter der Deutschen Bahn, rückt zum 1. Juli der Manager Thomas Lieb an die Spitze. Das bisherige Vorstandsmitglied für Luft- und Seefracht soll diese Zuständigkeit auch als Vorstandsvorsitzender behalten, wie ein Bahnsprecher am Freitag in Berlin sagte.

Der 49-jährige Logistikmanager gilt als Vertrauter von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und hat nun unter anderem den Auftrag, die wichtige Logistik-Tochter enger an den Bahnkonzern zu binden. Lieb arbeitet seit 1993 bei Schenker und verantwortet dort seit Februar 2001 die weltweiten Luft- und Seefrachtaktivitäten.

Der bislang letzte Schenker-Chef, Thomas Held, ging Ende Januar 2006. Seither muss die Schenker AG ohne Vorstandsvorsitzenden auskommen - ein Machtvakuum, das DB-Logistikvorstand Norbert Bensel kaum kompensieren konnte. Der Ex-Personalchef der Bahn wurde im Jahr 2006 von Mehdorn zum ersten Logistiker des Hauses befördert.

Bensel mühte sich zwar, erwarb Fachwissen, pflegte einen ausgleichenden Gesprächsstil. Die wichtigen Landesfürsten im weltweiten Schenker-Geflecht bräuchten indes eine entschiedene Führung. Dazu, urteilen Kenner, sei Bensel außerstande.

1992 hatte die Bahn ihre damalige Tochter Schenker an Stinnes verkauft. Dann kam Mehdorn und sein Plan, die Bahn zu einem internationalen Logistikkonzern umzubauen. Also kaufte Mehdorn Schenker 2002 für rund 2,5 Milliarden Euro mit der Mutter Stinnes vom Energiekonzern Eon  zurück. Damals sicherte die Bahn Schenker Unabhängigkeit zu.

Alle Macht für Berlin

Alle Macht für Berlin

Die neu gefasste Sparte DB Schenker erinnert heute zwar noch an die Abstammung, hat aber wenig gemein mit dem 136 Jahre alten Transporthaus. De facto geht Schenker in einem Konvolut von Bahn-Logistikfirmen auf - und unter. Das alte Essener Hauptquartier hat immer weniger zu sagen, alle Macht wandert in den Bahn-Tower nach Berlin.

Schon seit Jahren wehrt sich Schenker gegen die Strategie von Mehdorn, die Frachttochter komplett in den Konzern zu integrieren. Während Mehdorn mit seiner Strategie einen möglichen Schenker-Verkauf im Zuge des Bahn-Börsengangs verhindern will, haben die Schenker-Manager Angst vor einer zu großen Abhängigkeit von der Bahn-Tochter Railion, die als nicht so zuverlässig gilt, und einem damit einhergehenden Kundenschwund.

Außerdem gibt es Befürchtungen, dass zu viele Entscheidungen mit bürokratischen Bahn-Managern abgestimmt werden müssen und so die für den Wettbewerb nötige Flexibilität auf der Strecke bleibt. Tatsächlich gibt es bei Schenker unterdessen zahlreiche interne Vorgänge, die mit den Berliner Bürokraten koordiniert werden müssen.

Gegenwärtig hat Schenker 59.000 Beschäftigte an 1500 Standorten. Die Zentrale des Bahn-Spediteurs sitzt in Essen, Schenker Deutschland in Kelsterbach bei Frankfurt am Main. Aber auch über einen neuen Standort für die Schenker-Zentrale denkt Mehdorn laut nach. Im Gespräch ist unter anderem Hamburg.

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