Montag, 17. Juni 2019

Deutschlands Elite Macht, Moneten, Minderleister

2. Teil: "Viele waren hart zu sich selbst"

Frage: Sie haben in Dortmund Journalistik studiert. Dafür braucht man einen Notenschnitt von 1,1 oder besser - auch Sie gehören also zu einer Elite ...

Buch-Auszüge

Mittendrin im elitären Klüngel: Wo Studentenkörper das Wort Kreativität formen, der Mensch zum Kostenblock wird und Manager über "Minderleister" lästern - drei Auszüge aus "Gestatten: Elite" von Julia Friedrichs. Mehr...

Friedrichs: Nein. Elite macht nur dann Sinn, wenn man davon ausgeht, dass ein Mensch einen gewissen Einfluss und eine gewisse Macht hat. Es wird zwar probiert, den Begriff zu entschärfen, indem man sagt, dass alle Talentierten und besonders Guten zur Elite gehören. Aber dann fallen schnell 30 oder 40 Prozent der Gesellschaft darunter. Und gerade das sagt der Begriff ja nicht. Zur Elite gehört nur eine ganz kleine Gruppe. Eliteforscher zählen etwa 4000 Leute im Land dazu, Richter, Politiker und Wirtschaftsbosse - also Leute, die die Regeln aufstellen, nach denen wir leben.

Frage: Ist es nicht auch Ihr Ziel, ganz nach oben zu kommen - als Journalistin?

Friedrichs: Es ist es nicht mein Traum, eine bestimmte Position zu erreichen, also Chefredakteurin zu werden. Mein Traum wäre eher, über die Dinge, die mir wichtig sind, berichten zu können, meine Themen selbst wählen zu können. Das wäre für mich Karriere - dass ich es schaffe, mir diese Freiräume zu erkämpfen. Das war es auch, was mir gefehlt hat: Die Studenten, die ich an den Eliteunis getroffen habe, hängen sehr an diesem Positionsgedanken. Ihnen war es wichtig, ganz nach oben zu kommen. Aber was sie dann da oben machen wollen, konnten sie nicht sagen.

Frage: Bei Ihrer Recherche haben Sie immer wieder Menschen getroffen, die andere in Gewinner und Verlierer einteilen. Haben auch die Studenten an den Eliteunis so gedacht?

Friedrichs: Den Studenten wurde in Workshops immer wieder vermittelt, dass das Leben ein Wettkampf ist und man zusehen muss, zu den Gewinnern zu gehören. Ein Topmanager meinte: "Wer 40 Stunden pro Woche arbeitet, ist Minderleister. Ihr müsst Höchstleister sein." Unter den Studenten war dieses Denken weniger verbreitet. Sie haben immer noch versucht, die anderen mitzunehmen. Allerdings glaubten viele, dass man sich nicht genügend angestrengt hat, wenn man es nicht schafft. Und für Bummelstudenten an staatlichen Unis hatte kaum jemand Verständnis. Viele waren hart zu sich selbst - und erwarteten das auch von anderen.

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