manager-lounge "Dollar, Euro - oder Yuan?"

Dollar oder Euro - die Diskussion unter den Mitgliedern der manager-lounge über die künftige Weltwährung gestaltete sich ziemlich ausgeglichen. Doch auch ein drittes Szenario wird von den Führungskräften für möglich gehalten: Eine asiatische Währung könnte den westlichen Zahlungsmitteln den Rang als Leitwährung ablaufen.

Hamburg - Schlechte Konjunkturnachrichten, die Kreditkrise und Rezessionsängste in den USA lassen den Wert der Weltwährung Dollar weiter sinken, der vor seiner Einführung stark gescholtene Euro zeigt sich dagegen stabil und steht als Nachfolger bereit. Am Dienstag kletterte der Kurs des Euro wieder über die Marke von 1,55 Dollar. Vor einer Woche hatte der Euro mit 1,5903 Dollar einen Rekordstand erreicht.

Auf die Frage "Welche Rolle wird der Euro künftig international spielen?" antworteten 44 Prozent der Mitglieder der manager-lounge, dass der Euro den Dollar mittelfristig als Leitwährung ablösen wird. 47 Prozent der Führungskräfte stimmten der Aussage "Die internationale Verbreitung des Euro nimmt weiter zu, der Dollar bleibt jedoch Leitwährung" zu. Nur 8 Prozent glauben, dass der Euro mittelfristig wieder an Stärke gegenüber dem Dollar verlieren wird.

So gesteht manager-lounge-Mitglied Olaf Rühmeier von der HDI-Gerling Sach Serviceholding dem Euro eindeutig eine zunehmende Rolle ein, "aber nur, wenn die EU künftig klug handelt und den Weg der Einigung konsequent weitergeht. Politisches und ökonomisches Gewicht gehen jenseits aller Währungstheorien Hand in Hand", so der Manager.

Auch für Martin Schäff, Vorstand von Hexion Speciality Chemicals, spielt die EU eine entscheidende Rolle für die Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung: "Der Euro wird aufgrund der Wirtschaftskraft und des weiteren Zusammenwachsens der EU die Rolle einer zweiten Leitwährung übernehmen." Hinzu komme die "wahrscheinlich über mehrere Jahre anhaltende Dollar-Schwäche". Laut Schäff könne beispielsweise das Rohöl auf den Euro umschwenken.

Christoph Butz pflichtet ihm bei: "Ich persönlich erwarte, dass auf mittlere Sicht der Euro die Nase vorn hat. Der Außenwert des Dollar reflektiert für mich zunehmend die hinlänglich bekannten Herausforderungen, denen sich die US-Ökonomie gegenübersieht", so der Revisionsleiter einer US-Bank in Deutschland, "das Leistungsbilanzdefizit ist dabei nur ein Beispiel neben anderen".

Einen weiteren spannenden Gedanken bringt Eckhard Hübner vom Unternehmen Monster Worldwide Deutschland ins Spiel: "Wenn man sich die wirtschaftlichen Entwicklungen ansieht, die mit einer Verschiebung im Machtgefüge einhergehen, dann sollte man überlegen, ob nicht der Yuan oder vielleicht eine mögliche Gemeinschaftswährung im asiatischen Raum eine führende Rolle übernehmen wird".

"Jede Zeit hatte ihre Leitwährung"

"Jede Zeit hatte ihre Leitwährung"

Es wird laut Bankenexperte Butz "sicher noch lange dauern, bis eine asiatische Währung die weltweite Leitfunktion übernehmen könnte." Dort sei man politisch noch nicht so weit: "Man denke nur an Länder wie Japan und China. Eine Gemeinschaftswährung mit Teilnahme dieser beiden Länder scheint mir nicht zuletzt mit Blick auf ihre Geschichte derzeit noch schwer vorstellbar", so Butz.

Frederick St. Claire vom Unternehmen St. Claire Capital kann sich China in einer führenden Rolle vorstellen: "Für viele Ökonomen symbolisiert der Absturz des Dollar auch den Fall der Wirtschaftsweltmacht Amerika. Jahrzehntelang waren die USA der globale Wachstumstreiber. Möglicherweise übernimmt künftig einmal China diese Rolle."

Als Problem sieht er dabei die Zeit des Übergangs, in der die eine Macht schwächelt und die andere deren Aufgaben noch nicht erfüllen kann. "Die möglichen Gefahren sind so groß, weil es selten so viel Unsicherheiten im Weltwährungsgefüge gab. Kein Ökonom kann mit Sicherheit vorhersagen, ob nun die Herrschaft des Dollar endet, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im internationalen Handel für relative Stabilität sorgte", so der Manager.

Niemand wisse, was danach komme. "Kann der erstarkte Euro möglicherweise die Rolle des Dollar als Leitwährung übernehmen? Oder werden sich Euro und Dollar diese Aufgabe teilen - bis eines Tages eine asiatische Währung den beiden den Rang abgelaufen hat?", fragt Claire.

Ein solcher Wechsel wäre jedenfalls nichts Ungewöhnliches: "Jede Zeit hatte ihre Leitwährung: Als das Römische Reich die Welt dominierte, übernahm der Silberdenar diese Funktion. In der frühen Neuzeit war es der holländische Gulden, dann beherrschte das Pfund Sterling den Globus, bis das britische Empire nach den Weltkriegen unterging. Seitdem ist der Dollar die Leitwährung der Welt." Das Fazit des Managers: "Es ist keine abwegige Idee, dass diese Funktion mittelfristig eine asiatische Währung übernehmen könnte."

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