WestLB-Prozess "Es gab da einen grauen Bereich"

Vor Vergabe des Milliarden-Kredits an den TV-Verleiher Boxclever hatten die WestLB-Banker in London selbst Zweifel an ihrer Datengrundlage. Das Kreditvolumen zu verringern, sei aber dennoch nicht in Frage gekommen: "Die Kunden wollten so viel, und wir wollten die Kunden nicht verlieren", so ein Londoner Banker.

Düsseldorf - "Es gab da einen grauen Bereich. Wir waren uns nicht sicher, ob die Situation in der Kreditvorlage richtig wiedergegeben wurde", sagte der damalige WestLB-Banker Andrew G. am Mittwoch als Zeuge im Düsseldorfer Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera. So sei es schwierig gewesen, die Zahlen von den damals noch konkurrierenden Vorgänger-Unternehmen Granada und Thorn zu bekommen.

Beide Unternehmen wollten für den Fall eines Scheiterns der Fusion zum neuen Unternehmen Boxclever keine Geschäftsgeheimnisse preisgeben.

Dennoch habe Sengera das Geschäft zur Freude des Londoner Teams als prüfenswert eingestuft. Das negative Votum des WestLB-Kreditmanagements in Düsseldorf sei zwar ein Rückschlag gewesen, man habe aber in London sofort ein Gegen-Memorandum erstellt.

Einen Kredit in geringerer Höhe zu vergeben, wie es die Kreditprüfer vorgeschlagen hatten, sei nicht infrage gekommen: "Die Kunden wollten so viel. Ein geringerer Betrag hätte uns das Exklusivrecht gekostet, dann wäre eine Ausschreibung erfolgt. Wir wollten den Kunden nicht verlieren", sagte der Banker.

80 Millionen Pfund Schulden versteckt

Später sei dann herausgekommen, dass die Eigentümerin von Thorn, das Bankhaus Nomura, nichts davon wusste, dass die künftige Fusions-Partnerin Granada mit 80 Millionen Pfund verschuldet gewesen sei.

Dies habe zu erregten Diskussionen über die Bewertung der Unternehmen geführt. Aber auch Nomura solle seinerseits den Rating-Agenturen zu optimistische Zahlen gegeben haben. Deswegen gebe es immer noch einen Rechtsstreit zwischen Nomura und der WestLB.

Die WestLB hatte die Fusion der britischen TV-Geräte-Verleiher Granada und Thorn zum Unternehmen Boxclever finanziert. Sengera soll laut Anklage als damals zuständiger Vorstand für den 1,35-Milliarden- Euro-Kredit verantwortlich sein. Nachdem Boxclever Insolvenz anmelden musste, entstand der WestLB ein Schaden von fast 500 Millionen Euro.

Weil die Risikoprüfung unzureichend gewesen sei, soll Sengera sich dabei strafbar gemacht haben. Der Angeklagte hat die Vorwürfe zurückgewiesen und seine Unschuld beteuert.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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