Ideen Die goldenen Tipps der Kollegen

Guter Rat ist teuer. Vor allem große Konzerne greifen gern auf kostspielige Hilfe von außen zurück, um Kosten zu senken und Innovationen zu fördern. Dabei lassen sich mit der Förderung gewitzter Mitarbeiter und einem guten Ideenmanagement häufig bessere Ergebnisse erzielen.

Frankfurt am Main - Im Idealfall gehen Verbesserungsvorschläge ganz selbstverständlich in den Arbeitsalltag ein, sagt etwa Christiane Kersting vom Deutschen Institut für Betriebswirtschaft (dib) in Frankfurt. Das gilt vor allem dann, wenn sich die Mitarbeiter mit dem Geschehen um sie herum auseinandersetzen und einen kritischen Blick dafür bewahren.

Der bürokratische Aufwand für die Umsetzung eines Verbesserungsvorschlages sollte möglichst gering sein, betont Kersting. Am praktischsten sei es, wenn ein Mitarbeiter seine Idee direkt seinem unmittelbaren Vorgesetzen vorschlagen kann. Dieser sei meist ohnehin fachlich zuständig und könne den Nutzen am besten einschätzen. Von dezentralem Ideenmanagement ist in diesem Fall die Rede. Viele Unternehmen setzen dagegen auf stärker geregelte Systeme.

Alexander Böhne von der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) in Berlin erklärt das so: "Je größer das Unternehmen, desto struktureller ist das Ideenmanagement angelegt." In diesem Fall sollte dem dib zufolge eine zentrale Stelle im Unternehmen als Kommunikationszentrale für Vorschläge dienen. Ein Ideenmanager nimmt die Idee entgegen, hilft dem Mitarbeiter gegebenenfalls bei der Formulierung und Ausarbeitung, macht eine formale Prüfung und reicht die Idee dann an einen passenden Entscheider weiter. Bei einer Mischform aus zentralem und dezentralem Modell wendet sich der Mitarbeiter direkt an seine Führungskraft oder an den Ideenmanager. Letzterer hat dann koordinierende Funktion.

Friedrich Kerka vom Institut für angewandte Innovationsforschung in Bochum warnt allerdings davor, solche Systeme als Selbstläufer zu betrachten. Es nütze nichts, wenn eine Firma zum Beispiel eine noch so tolle Software hat, in die Mitarbeiter Ideen eingeben können. "Sie brauchen Menschen, die aus Ideen Innovationen machen", sagt Kerka. Vor allem die Unternehmensführung müsse hinter dem Gedanken stehen.

In fortschrittlichen Unternehmen ist das Ideenmanagement dem Innovationsforscher zufolge inzwischen "betriebliche Normalität und kein Ausnahmezustand". Entscheidend sei, das kreative Engagement der Mitarbeiter immer wieder aufs Neue zu mobilisieren "Ein innovativer Mitarbeiter ist immer gut", bestätigt BDA-Experte Böhne. Das funktioniere aber nur, wenn die Unternehmenskultur entsprechend ist. Der Mitarbeiter müsse "wollen, können und dürfen".

Konzerne sparen Millionen

Konzerne sparen Millionen

Dann sei das Ideenmanagement auch ein wichtiges Instrument für die Personalentwicklung - neben dem Ziel, die Unternehmensabläufe kontinuierlich zu verbessern. Ein guter und strategisch sinnvoller Vorschlag gebe Hinweise, ob jemand vernetzt denkt und dank eines "Helikopter-Blicks" die Unternehmensziele nicht aus den Augen verliert, sagt Böhne.

Ideenmanagement ist erst im Kommen: Nur rund 26 Prozent der 500 größten Firmen hierzulande haben laut einer Studie des Marktforschungsinstituts EuPD Research in Bonn bereits ein modernes Ideenmanagement eingeführt. Lohnenswert ist das Investment allemal. Der Nutzen von Mitarbeiter-Tipps lässt sich genau berechnen: Jeder für Verbesserungen eingesetzte Euro bringe im Schnitt zehn Euro Gewinn. 2006 konnten mehr 10 Prozent der Unternehmen, die Vorschläge ihrer Belegschaft umsetzten, dadurch mehr als zehn Millionen Euro einsparen. 271 Millionen Euro Ersparnis waren es der Untersuchung zufolge bei der Deutschen Post , 168 Millionen bei Volkswagen  und 158 Millionen bei Siemens .

20 Prozent der Konzerne erfassen dagegen nach eigenen Angaben die Ideen ihrer Mitarbeiter gar nicht. Das dib hat bereits Konsequenzen gezogen: Seit kurzem bietet es eine Ausbildung zum Diplom-Ideenmanager oder zum nebenamtlichen Ideen-Beauftragten an.

Umstritten ist die finanzielle Entlohnung von Ideengebern. Was einerseits ein Anreiz ist, sich überhaupt Gedanken zu machen, kann andererseits dazu führen, dass Mitarbeiter Ideen horten, um sie erst dann publik zu machen, wenn es sich materiell auszahlt. Manche Unternehmen setzten daher eher auf einen symbolischen Lohn, etwa indem sie Ideenwettbewerbe mit einer Tombola verbinden, sagt Wissenschaftler Kerka. "Die beste Motivation, sich immer wieder mit innovativen Tipps an der Unternehmensentwicklung zu beteiligen, ist das schnelle Feedback an die Ideengeber sowie die zügige Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen."

Wenn es für gute Ideen am Arbeitsplatz doch Prämien gibt, ist die Frage, wer über sie entscheiden darf. Die Erfahrung spricht laut Kersting gegen Betriebsräte, weil sich dort gelegentlich das "Nasenprinzip" durchsetze. Nach ihrer Empfehlung sollte die Entscheidung bis zu einer gewissen Höhe bei den unmittelbar Vorgesetzen liegen: "99 Prozent aller Führungskräfte entscheiden sehr gewissenhaft, weil sie den Nutzen einschätzen können und die Gründe für ihre Entscheidung darlegen müssen." Als Beispiel nennt sie den Autobauer Audi : Alles, was dort einen Nutzen bis rund 30.000 Euro hat, dürfe die Führungskraft selbst in einer Höhe von etwa 10 Prozent prämieren.

Nina C. Zimmermann, dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.