manager-lounge EBM-Papst und Globalisierung

Viele Mittelständler haben Angst vor der Globalisierung. Anders EBM-Papst. Thomas Patzak, Direktor des Spezialisten für Ventilatoren, erklärte Mitgliedern der manager-lounge, wie sich der Marktführer weltweit behauptet. "Wer innovativ ist, braucht die Globalisierung nicht zu fürchten", sagte Patzak.
Von Alexia Angelopoulou

Hamburg - Zahlreiche deutsche Mittelständler scheuen den weltweiten Wettbewerb und die wirtschaftlichen Spielregeln, die in diesem Markt gelten. Anders die Global Player unter den Mittelständlern, etwa der Automobilzulieferer Bosch, Kettensägenspezialist Stihl oder Schraubenkonzern Würth, die bereits erfolgreich im Ausland agierten, als es das Wort Globalisierung noch gar nicht gab.

Anders auch EBM-Papst. Der Ventilatorenspezialist aus Baden-Württemberg stört sich nicht daran, dass Kleinstventilatoren schon längst überwiegend in Asien produziert werden. "Wer innovativ ist, braucht die Globalisierung nicht zu fürchten", sagt Thomas Patzak, Director Sales Europe von EBM-Papst, bei einem Vortrag vor der local lounge Stuttgart.

Ob Kühltheke, Klimaanlage oder Server, ob Sonnenliege, Gasheizung oder Reinraumtechnik - Ventilatoren rotieren in den verschiedensten Geräten und Anlagen. Weltmarktführer EBM-Papst produziert mit knapp 10.000 Mitarbeitern mehr als 50 Millionen Stück pro Jahr. Dass kleine Lüfter etwa für PCs schon längst in großen Stückzahlen in Asien gefertigt werden, ficht Patzak nicht an. "Natürlich haben wir Schwierigkeiten, bei solch einfachen Produkten mitzuhalten. Deshalb spezialisieren wir uns auf hochwertige Produkte, bei denen es auf die Qualität ankommt."

So führen die speziellen Wünsche von Großkunden für EBM-Papst nicht nur zu neuen Geschäften, sondern vor allem zu effizienten Innovationsprozessen. "Es gibt sehr viele kundenspezifische Anforderungen, etwa beim Einstieg in eine neue Produktreihe. Wir entwickeln und sichern dann ein paar Jahre Exklusivität zu, bevor das Produkt für den breiten Markt in Frage kommt. Durch diese enge Zusammenarbeit mit dem Kunden bringen wir regelmäßig neue Produkte auf den Markt."

Zwar hat auch EBM-Papst bestimmte Produktionsbereiche ins Ausland verlagert, etwa die Kabelsatzfertigung nach Ungarn. Den Standort Deutschland aber stellt das Unternehmen deshalb nicht in Frage, im Gegenteil: "Wir lagern nur Arbeiten aus, die einen hohen Anteil an manueller Arbeit verlangen und nicht zu unseren Kernkompetenzen gehören", sagt Patzak. "In Deutschland verfügen wir über ein sehr hohes Maß an Automatisierung und profitieren zudem vom Ausbildungsstand der Mitarbeiter, von deren Zuverlässigkeit und von der Infrastruktur."

Schwieriger Schritt ins Ausland

Schwieriger Schritt ins Ausland

Hinzu kommt, dass es nicht so einfach ist, wie es sich anhört, Produktionsbereiche ins Ausland zu verlagern. "Studien belegen, dass ein Drittel jener Unternehmen, die den Schritt ins Ausland wagen, innerhalb von fünf Jahren nach Deutschland zurückkehren", sagt EBM-Papst-Manager Patzak. "Davon haben 30 Prozent mit strategischen Problemen in den Bereichen Organisation, Vertrieb, Marketing und Produktion gekämpft, weiteren 70 Prozent ist die unterschiedliche Mentalität im Ausland zum Verhängnis geworden."

Solche Schwierigkeiten hat Thomas Patzak selbst bei früheren Tätigkeiten erlebt: "Da redet man ausführlich vor Ort mit den Mitarbeitern und denkt, alles sei in Ordnung - nach einigen Tagen ist aber die Produktion immer noch nicht angelaufen und es stellt sich heraus, das die Zuständigen gar nicht recht wissen, was sie tun sollen, sich aber nicht getraut haben zu fragen, weil das im betreffenden Land unüblich ist." Etliche Firmen haben daraus die Konsequenz gezogen, beschäftigen im Ausland lokales Management und lassen die deutschen Mitarbeiter an interkulturellen Trainings teilnehmen. "Selbst in unmittelbarer Nachbarschaft, in Tschechien oder Ungarn, muss man verstehen, wie gehandelt wird."

Und selbst vor der eigenen Haustür kann man im Zeitalter der Globalisierung punkten. "Es ist wichtig, das wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld im eigenen Land genau zu verfolgen", rät Patzak. Als Beispiel nennt er eine EU-Richtlinie, die die umweltgerechte Gestaltung energiebetriebener Produkte zum Ziel hat. "Da geht es nicht um Schiffsdiesel, von denen jedes Jahr nur ein paar hundert gebaut werden, sondern um Produkte, die jährliche mehr als 200.000 mal produziert werden, etwa Kühltheken." Jede Kühltheke im x-beliebigen Supermarkt oder beim Metzger verfügt über einen Wärmetauscher, alle 80 Zentimeter ist ein Ventilator eingebaut.

"Heute stellen wir Motoren mit einer Effizienz von 60 oder 70 Prozent her, während in alten Kühltheken noch ein Wirkungsgrad von 15 Prozent vorherrscht. Das Einsparungspotenzial ist enorm." Allerdings nur, wenn sich das Unternehmen einbringt, wenn es die politisch Verantwortlichen darüber informiert, was möglich ist. Innovationsbereitschaft darf sich deshalb Patzak zufolge bei Mittelständlern nicht nur auf das eigene Produkt beziehen. Wer über den Tellerrand hinaus blickt, lautet der Ratschlag, findet gerade in der globalisierten Welt unzählige Möglichkeiten, erfolgreich zu wirtschaften.

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