Henkel-Chef Lehner Bestens vernetzt

Seit acht Jahren ist Ulrich Lehner Henkel-Chef, Mitte April wird er sein Amt niederlegen. Dann hat der 61-Jährige genug Zeit für seinen neuen Posten als Chefkontrolleur der Telekom. Sein Wissen wird dem Bonner Konzern nützen: Lehner ist in der deutschen Wirtschaft bestens vernetzt.

Düsseldorf - Henkel-Chef Ulrich Lehner ist begeisterter Marathonläufer. Ob Düsseldorf oder New York - wenn es sein Terminplan erlaubt, tritt der 61-Jährige gern zu einem Langstreckenlauf an. Beim Düsseldorfer Waschmittel-, Klebstoff- und Kosmetikproduzenten Henkel  ist er nach mehr als zwei Jahrzehnten aktiver Tätigkeit kurz vor der Ziellinie. Mit der Henkel-Hauptversammlung am 14. April tritt der Vorstandsvorsitzende entsprechend der konzerninternen Altersgrenze für Führungskräfte ab.

Doch ans Aufhören denkt Lehner nicht. Im Gegenteil, mit der Übernahme von Aufsichtsratsmandaten und Ehrenämtern dreht er auf dem Höhepunkt seiner Managerlaufbahn auf. Ein Spitzenamt kommt nun hinzu. Seit heute steht fest: Lehner wird neuer Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom (Kurswerte anzeigen).

Während andere Chefs von Dax-Konzernen häufig im Rampenlicht und stehen und Schlagzeilen produzieren, ist das bei Lehner nicht der Fall. Gemessen am vergleichsweise hohen Bekanntheitsgrad von manch anderem Topmanager kennt in der Öffentlichkeit kaum einer "Mister Persil". Bei dem familiendominierten Unternehmen Henkel steht das Wohl und Wehe des Unternehmens im Vordergrund.

Mit vorsichtigen Geschäftsprognosen nährte Lehner stets den Eindruck, dass bei Henkel Zurückhaltung und Bescheidenheit hoch im Kurs stehen. So meinte eine Aktionärsschützerin bei der Hauptversammlung 2005, dass er aufpassen müsse, nicht zum Tiefstapler des Jahres gekürt zu werden. "Wir berichten immer vorsichtig", stellte der Henkel-Chef bei der Bilanzvorlage 2007 erneut fest. Das Unternehmen neige dazu, mehr abzuliefern als zuvor versprochen.

Lehner ist nach Helmut Sihler und Hans-Dietrich Winkhaus der dritte Henkel-Chef, der nicht aus der Familie des Firmengründers stammt. Der Finanzexperte und Wirtschaftsprüfer ist mit einer dreijährigen Unterbrechung bereits seit 1981 für Henkel tätig.

In die Geschäftsführung rückte er 1995 auf, den Vorsitz übernahm er 2000. Unter seiner Regie wurden die Chemietochter Cognis verkauft und die Weichen für milliardenschwere Zukäufe im Ausland gestellt. Ein Meilenstein war der Kauf des zweitgrößten US-Waschmittelherstellers Dial.

Eon, Porsche, ThyssenKrupp

Eon, Porsche, ThyssenKrupp

Lehner brachte zudem den größten Zukauf in der mehr als 130-jährigen Henkel-Geschichte auf den Weg: Die Übernahme der National-Starch-Geschäfte im Bereich Klebstoffe, die im April erwartet wird, kostet Henkel rund vier Milliarden Euro. Für die Akquisition muss der Konzern Opfer bringen. Trotz höherer Umsätze und Gewinne im abgelaufenen Geschäftsjahr sollen bis 2011 weltweit rund 3000 Stellen wegfallen.

Der gebürtige Düsseldorfer Lehner ist in der Spitzenliga der deutschen Wirtschaft bestens vernetzt. Er sitzt seit längerem in den Kontrollgremien von Eon  und Porsche . Im Januar zog er in den Aufsichtsrat von ThyssenKrupp  ein. Im September 2007 wurde er Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) und im November 2007 Präsident der IHK Düsseldorf. "Wenn ich Düsseldorf höre, werde ich ein bisschen weich", erklärte Lehner die letztgenannte seiner neuen Aufgaben.

Möglichst viele Ämter in kurzer Zeit zu erreichen, sei aber nicht sein Ziel. Auch sein Ausscheiden aus der Geschäftsführung wird voraussichtlich kein völliger Abschied von Henkel sein. Üblicherweise bekommt der bisherige Konzernchef einen Sitz im wichtigen Gesellschafterausschuss der Henkel KGaA.

Im Aufsichtsrat der Deutschen Telekom sind Henkel-Manager eine feste Größe. Lehners Vorgänger an der Henkel-Konzernspitze, Sihler und Winkhaus, waren ebenfalls Aufsichtsratsvorsitzende der Telekom.

Warum werden immer wieder Henkel-Manager zum Chefkontrolleur des Bonner Konzerns berufen, die nicht aus der Telekom-Branche kommen? Ein Kenner antwortete auf diese Frage so: "Als Henkel-Chef ist man konsumentennah, markenorientiert und kann mit Großaktionären gut umgehen."

Lehner kann sich demnächst bei einem Telekom-Experten im Henkel-Konzern Rat holen. Thomas Geitner, einst Vorstandsmitglied des Telekom-Konkurrenten Vodafone, tritt im März in die Henkel-Geschäftsführung ein.

Volker Danisch, dpa

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