WestLB-Prozess "Das hätte auffallen müssen"

Prüfer der WestLB sind bei der Kontrolle des Boxclever-Falls auf einen millionenschweren Rechenfehler gestoßen. In die Modellrechnungen habe sich ein "mathematischer Fehler" eingeschlichen, sagte ein Mitarbeiter der Handelsrevision im Untreue-Prozess gegen Ex-WestLB-Chef Jürgen Sengera.

Düsseldorf - "Das hätte bei sorgfältiger Prüfung auffallen müssen", sagte ein Mitarbeiter der Handels-Revision der WestLB am Mittwoch im Untreueprozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera als Zeuge aus. Es habe sich allerdings um eine komplexe Transaktion gehandelt. Der Fehler sei der Revision erst nach drei bis vier Tagen Prüfzeit aufgefallen.

Nach Bereinigung des Fehlers habe sich das Kreditvolumen als deutlich überhöht dargestellt. Der Unterschied habe bis zu 360 Millionen britische Pfund ausgemacht. Das falsche Modell sei vom Bankhaus Nomura übernommen worden, sagte der Bank-Mitarbeiter.

So sei offenbar vergessen worden, bei Anschlussverträgen im Verleihgeschäft deren begrenzte Laufzeit zu berücksichtigen. Der Zeuge hatte die ins Stocken geratene Verbriefung der Boxclever-Kredite unter die Lupe genommen.

Die WestLB hatte die Fusion zweier britischer TV-Geräte-Verleiher zum Unternehmen Boxclever finanziert. Sengera soll laut Anklage als damals zuständiger Vorstand für den 1,35-Milliarden-Euro-Kredit an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever verantwortlich sein.

Nachdem Boxclever Insolvenz anmelden musste, entstand der WestLB ein Schaden von fast 500 Millionen Euro. Weil die Risikoprüfung unzureichend gewesen sei, soll Sengera sich dabei strafbar gemacht haben. Der Angeklagte hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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