Bahn Schenker-Chef verliert Machtkampf

Jahrelang wehrte sich Schenker-Chef Hans-Jörg Hager gegen die Pläne von Bahn-Lenker Hartmut Mehdorn, die Frachttochter in den Konzern zu integrieren. Aber Stück für Stück verliert Schenker seine Unabhängigkeit. Nun kündigte Hager seinen Rücktritt an.

Hamburg - Hans-Jörg Hager, Chef der Bahn-Logistiktochter Schenker Deutschland, verlässt das Unternehmen. Der Vorstand der Deutschen Bahn habe den Wunsch des 59-Jährigen, im Laufe dieses Jahres aus dem Unternehmen auszuscheiden, akzeptiert, teilte der Konzern mit.

Hager habe bereits seit längerem seine Absicht kundgetan, sich entsprechend seiner Lebensplanung mit 60 Jahren neuen Herausforderungen zu stellen, hieß es weiter in der Mitteilung. Bis ein Nachfolger gefunden sei, werde Hager seine Aufgaben weiterhin wahrnehmen, sagte der für Transport und Logistik zuständige Bahn-Vorstand Norbert Bensel. Hager ist Vorstandsvorsitzender von Schenker Deutschland und ist als Vorstand bei der Schenker AG für Europa und Landverkehre zuständig.

Der Abgang von Hager verwundert nicht. Das Verhältnis zwischen dem Logistikexperten und der Bahn war schon seit langem gespannt. Zuletzt wurden Pläne publik, dass die Zentrale der Frachtsparte der Bahn, zu der auch Schenker gehört, gegen den Widerstand vieler Manager nach Hamburg verlagert werden solle. Derzeit sitzt die Zentrale des Bahn-Spediteurs Schenker AG in Essen, Schenker Deutschland in Kelsterbach bei Frankfurt am Main. Gegen die Pläne regt sich Widerstand bei Schenker, Unterstützung kommt vom Berlin Senat.

Schon seit Jahren wehrt sich Schenker außerdem gegen die Strategie von Bahnchef Hartmut Mehdorn, die Frachttochter komplett in den Konzern zu integrieren. Im Sommer 2006 schrieb Hager in einem offenen Brief an seine Mitarbeiter: "Wir sehen der Gefahr ins Auge, dass unser Eigentümer eine Entscheidung getroffen hat, die Schenker aufs Spiel setzt."

Angst hatte Hager vor allem von einer Abhängigkeit von der Bahn-Tochter Railion, die als nicht so zuverlässig gilt wie Schenker, und einem damit einhergehenden Kundenschwund. Außerdem gab es Befürchtungen, dass zu viele Entscheidungen mit Bahn-Managern abgestimmt werden müssen und so die Flexibilität auf der Strecke bleiben würde. Unterdessen gibt es bei Schenker zahlreiche interne Vorgänge, die mit Bahn-Managern abgestimmt werden müssen.

1991 hatte die Bahn ihre damalige Tochter Schenker an Stinnes verkauft. Dann kam Mehdorn und sein Plan, die Bahn zu einem internationalen Logistikkonzern umzubauen. Also kaufte Mehdorn Schenker 2002 für rund 2,5 Milliarden Euro mit der Mutter Stinnes von Eon zurück. Damals sicherte die Bahn Schenker Unabhängigkeit zu.

manager-magazin.de

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.