Gerhard Cromme Ein Mann mit Macht

Auch an seinem 65. Geburtstag ist für Gerhard Cromme an Ruhestand nicht zu denken. Der studierte Jurist gilt ist einer der einflussreichsten Manager der deutschen Wirtschaft. Der zupackende Sanierer und Frankreich-Liebhaber hat eine Vorliebe für schwierige Fälle.

Essen - Der studierte Jurist und Wirtschaftswissenschaftler sitzt heute in zahlreichen Gremien und Aufsichtsräten. Bei ThyssenKrupp  und Siemens  führt er die Aufsichtsräte an. Als Vorsitzender der Regierungskommission "Corporate Governance" zeichnete Cromme für den Kodex verantwortlich, der für mehr Transparenz in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft sorgen soll.

Nach einem Karrierestart bei dem französischen Industriekonzern Saint-Gobain übernahm der im niedersächsischen Vechta als Sohn eines Studienrats für Latein und Griechisch geborene Cromme auf dem Höhepunkt der Stahlkrise im Oktober 1986 den Chefposten bei der Stahltochter des Krupp-Konzerns. Gut ein Jahr später gab er im November 1987 einen Plan zur Schließung des Stahlwerks in Duisburg-Rheinhausen mit damals 5300 Beschäftigten bekannt und löste damit einen der längsten Arbeitskämpfe in der Geschichte der Bundesrepublik aus.

Trotz der massiven Proteste und einer Dauer-Mahnwache vor seinem Privathaus rückte Cromme nicht von seinem einmal gefassten Entschluss ab. Erst sechs Jahre später schloss das Stahlwerk dann endgültig. Zu den befürchteten Massenentlassungen kam es dabei nicht.

Nur zweieinhalb Jahre nach seinem Eintritt in das Unternehmen übernahm Cromme im März 1989 die Führung des Krupp-Konzerns und leitete auch dort weitere Umstrukturierungen ein. Bereits im Jahr 1990 konnte das zuvor rote Zahlen schreibende Unternehmen unter seiner Führung die Verlustzone wieder verlassen. Für Aufsehen sorgte wenig später der Einstieg bei dem Dortmunder Konkurrenten Hoesch, der als "erste feindliche Übernahme an der Ruhr" Schlagzeilen machte.

Ein noch größerer Coup gelang dem Krupp-Chef mit der von ihm eingefädelten Fusion mit dem Düsseldorfer Erz-Rivalen Thyssen. Trotz zunächst massiven Widerstands auch von Seiten des damaligen Thyssen-Vorstands, der sich über "Wildwestmanieren" beklagte, einigten sich beide Unternehmen schließlich auf einen friedlichen Zusammenschluss.

Im März 1999 übernahm Cromme zusammen mit dem ehemaligen Chef der Thyssen-Stahlsparte, Ekkehard Schulz, in einer Doppelspitze die Leitung des Unternehmens. Bereits gut zwei Jahre später wechselte Cromme an die Spitze des ThyssenKrupp-Aufsichtsrats, während Schulz seitdem alleiniger Vorstandschef des größten deutschen Stahlkochers ist. Als Förderer und Vertrauter des Managers gilt der Vorsitzende der gemeinnützigen Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, Berthold Beitz.

Die Stiftung hat als größte Einzelaktionärin (25,1 Prozent) bis heute einen maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen. Mit bis zu drei Sitzen im Aufsichtsrat gilt sie auch als Bollwerk gegen feindliche Übernahmen. Erst im vergangenen Jahr hat Cromme die Position als stellvertretender Kuratoriums-Vorsitzender der Krupp- Stiftung übernommen. Für viele Beobachter gilt er damit als designierter Nachfolger des 94-jährigen Beitz. Cromme ist verheiratet und Vater von vier Töchtern.

Uta Knapp, dpa

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