VW-Affäre Am Freitag Urteil erwartet

Freisprüche oder Haftstrafen? Der VW-Prozess steuert auf sein vorläufiges Ende zu. Am Freitag sollen die Urteile gesprochen werden. Doch selbst dann ist die Affäre bei dem Autobauer noch nicht vollständig aufgearbeitet.

Braunschweig - Im VW-Korruptionsprozess will das Landgericht Braunschweig am Freitag das Urteil sprechen. Die Staatsanwaltschaft hatte für den früheren VW-Betriebsratschef Klaus Volkert eine Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten wegen Anstiftung zur Untreue und Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz gefordert.

Für den Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer hielt die Anklage wegen Untreue und Anstiftung zum Betrug ein Jahr und acht Monate für angemessen, die auf Bewährung ausgesetzt werden könnten. Die Verteidiger hatten hingegen in allen Hauptanklagepunkten Freisprüche verlangt.

Volkert und Gebauer gelten als Schlüsselfiguren in der VW-Affäre um Lustreisen auf Firmenkosten und Schmiergeldzahlungen, die im Sommer 2005 ins Rollen gekommen war. Volkert hatte Sonderbonuszahlungen in Höhe von fast zwei Millionen Euro von Ex-Personalvorstand Peter Hartz erhalten. Die Anklage wirft Volkert vor, auf die Zahlungen gedrängt und Hartz damit angestiftet zu haben.

Gebauer hatte Lustreisen, Sexparties und Geschenke auf VW-Kosten organisiert, nachdem Hartz ihn aufgefordert hatte, die Spitze der Betriebsräte "großzügig und wertschätzig" zu behandeln. Er solle dem einflussreichen Arbeiterführer Volkert jeden Wunsch erfüllen - getreu dem Motto "geht es Volkert gut, geht es VW gut."

"Konnten uns nicht leisten, Volkert zu verlieren"

Volkerts Verteidigung argumentierte, dieser habe sich entgegen den Anklagevorwürfen keiner Anstiftung zur Untreue schuldig gemacht. Der Betriebsratsvorsitzende eines so großen Unternehmens wie VW stehe zweifellos auf der Stufe eines Top-Managers und habe damit auch Anspruch auf ein entsprechendes Gehalt. "Der Vorstand hätte sich nicht leisten können, ihn zu verlieren." Volkert sei sein Geld wert gewesen. Gebauers Verteidiger verlangte ebenfalls den Freispruch seines Mandanten vom Vorwurf der Untreue. Der Personalmanager habe nur auf Weisung von Hartz gehandelt.

Der frühere VW-Arbeitsdirektor Hartz war im Januar 2007 nach einem umstrittenen Deal mit der Justiz wegen Untreue zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung und 576.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Die juristische Aufarbeitung der VW-Affäre ist auch nach dem Urteil gegen Volkert und Gebauer noch nicht abgeschlossen. Zum einen gilt als offen, ob eine Revision eingelegt wird. Zum anderen laufen noch Ermittlungen gegen den Ex-Personalchef der tschechischen VW-Tochter Skoda, Helmuth Schuster. Schuster soll Schmiergelder verlangt und mit Hilfe eines weltweiten Netzes von Tarnfirmen Geld auf eigene Konten umgeleitet haben, das eigentlich VW zugestanden hätte.

manager-magazin.de mit Material von und dpa

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