ABB Präsident will nicht Chef werden

Hubertus von Grünberg will nicht Nachfolger von Ex-ABB-Lenker Fred Kindle werden. "Ich kann ausschließen, dass ich den Job mache", sagte der Präsident des ABB-Verwaltungsrates. Einen Tag nach dem überraschenden Rücktritt Kindles richtete sich die Kritik vor allem gegen von Grünberg.

Zürich - Über die Gründe für den abrupten Abgang von Kindle wollte von Grünberg nichts Konkretes sagen. "Streit ist das nicht. Wir hatten unüberwindbare Differenzen im Management", sagte der ABB-Präsident lediglich. Er habe mit Kindle Stillschweigen über die Gründe des Abgangs vereinbart, ergänzte von Grünberg.

Der ABB-Verwaltungsratschef verwies darauf, dass es eine mehrheitliche Entscheidung des Verwaltungsrats gewesen sei, sich von Kindle zu trennen. Jetzt würden interne und externe Kandidaten als Nachfolger gesucht. ABB-Finanzchef Michel Demaré, der nach dem Abgang Kindles interimistisch die Geschäftsführung übernommen hat, sei auch auf der Kandidatenliste.

Nach dem am Mittwoch überraschend bekanntgegebenen Rücktritt Kindles hat sich die abgerutschte Aktie des Technologiekonzerns am Donnerstag zwar wieder erholt. Doch die Schweizer Presse reagierte mit Unverständnis und Kritik auf die Kündigung. Besonders von Grünberg wird die Hauptschuld am Rücktritt des Managers gegeben.

Parallelen zu Continental

Für den "Tages-Anzeiger" aus Zürich geht Kindle, weil sich von Grünberg als Verwaltungsratspräsident in das Tagesgeschäft eingemischt habe. Von Grünberg wies solche Vorwürfe zurück. "Ich mische mich nicht zu fest ins Tagesgeschäft von ABB ein, davon verstehe ich gar nicht genug", sagte er. Auch für die "Basler Zeitung" ist von Grünberg "dafür bekannt, dass er mit dem eisernen Besen kehrt". Manches deute bei ABB auf einen Machtkampf zwischen ihm und seinem Konzernchef hin. Sachliche Gründe, die zu Kindles Abgang geführt haben könnten, seien weder erkennbar, noch seien solche genannt worden.

Auch Analysten vermuteten, dass sich Kindle und der seit Mai 2007 amtierende Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg in der Frage von Übernahmen in die Haare geraten sind. Kindle, der Anfang 2005 vom damaligen ABB-Präsidenten Jürgen Dormann zu ABB  geholt worden war, galt schon als Chef des Maschinenbauers Sulzer als sehr zurückhaltend bei Akquisitionen. Bei ABB hatte er Dutzende von Übernahmegelegenheiten verworfen, weil sie ihm zu teuer erschienen waren. Gleichzeitig hatte der Konzern immer wieder Übernahmen in Aussicht gestellt.

Vieles deutet darauf hin, dass Kindle und von Grünberg persönlich einfach nicht miteinander konnten. "Die Chemie zwischen den beiden stimmte nicht", hieß es in Branchenkreisen. Beobachter erinnern sich an die Lage beim deutschen Reifenhersteller Continental ; auch dort hatte sich von Grünberg als Aufsichtsratschef mit dem damaligen Geschäftsführer Stephan Kessel über den künftigen Kurs gestritten und diesen 2001 ersetzt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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