NA Ex-Chef will wieder mitmachen

Der frühere Vorstandschef der Norddeutschen Affinerie, Werner Marnette, will in das Kontrollgremium des Unternehmens einziehen. Marnette war im vergangenen November von seiner Position zurückgetreten, nachdem er mit dem Aufsichtsrat in Konflikt geraten war.

Hamburg - Werner Marnette, der Ex-Chef der Norddeutschen Affinerie  (NA), kündigte am Montag in Hamburg seine Kandidatur für das Gremium bei der Hauptversammlung am 29. Februar an. Nach mehr als 30 Jahren im Dienst des Unternehmens wolle er sein Wissen, seine Erfahrungen und Kontakte einbringen, sagte Marnette. Er vertrete nicht die Interessen einer Aktionärsgruppe, sondern wolle im Sinne aller Aktionäre und des Unternehmens wirken. "Ich vertrete keine Partikularinteressen", betonte der Ex-Vorstandschef.

Marnette war im vergangenen November von seiner Position zurückgetreten, nachdem er mit dem Aufsichtsrat in Konflikt geraten war. Auslöser war das Engagement der österreichischen A-Tec-Gruppe des Investors Mirko Kovats, der sowohl bei der NA als auch bei der belgischen Cumerio über größere Aktienpakete verfügt.

Die Affinerie versucht seit rund einem Jahr, Cumerio zu übernehmen. In dieser Woche endet die offizielle Übernahme-Offerte an die Cumerio-Aktionäre, die 30 Euro je Aktie erhalten sollen. Ob Kovats dieses Angebot annimmt oder die Übernahme behindert, ist gegenwärtig noch offen.

In der vergangenen Woche war die Stadt Hamburg mit einem Anteil von 5 Prozent bei der NA eingestiegen, um selbst Einfluss auf eines der wichtigsten Hamburger Industrieunternehmen zu gewinnen und mögliche negative Entscheidungen durch die A-Tec-Gruppe zu verhindern. "Ich werde mich bei allen Aktionären um Unterstützung für meine Kandidatur bemühen und habe auch Wirtschaftssenator Gunnar Uldall um ein Gespräch gebeten", sagte Marnette.

Damit er überhaupt kandidieren kann, muss die Hauptversammlung zunächst die vorgesehene En-Bloc-Abstimmung über die Aufsichtsratsmandate durch Einzelabstimmungen ersetzen. Er sei zuversichtlich, dass seine Kandidatur ausreichend Unterstützung finden werde und habe bereits viel Zuspruch von institutionellen Investoren erfahren, sagte Marnette.

Ein Hindernis für seine Kandidatur soll noch in dieser Woche ausgeräumt werden: Bislang gibt es keinen Auflösungsvertrag für Marnette, so dass er nach wie vor Angestellter des Unternehmens ist.

Nach einem Gespräch mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst J. Wortberg geht Marnette aber davon aus, dass noch in dieser Woche der Vertrag unterzeichnet wird. Die Anwälte beider Seiten verhandeln noch über den Wortlaut einer Loyalitätserklärung Marnettes gegenüber der Affinerie. Der Aufsichtsrat hatte unter anderem verlangt, dass sich Marnette auf Hauptversammlungen der Affinerie nicht zu Wort meldet. Das empfand der Ex-Vorstandschef als zu weitgehend.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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