Daimler Wiedersehen mit Staatsanwalt

Mitarbeiter des Daimler-Marketings stehen unter Korruptionsverdacht. Die Staatsanwälte ermittelten gegen Werber, die Schmiergeld gezahlt haben sollen. So kamen sie auf die Spur nach Stuttgart. Der Konzern erklärte sich bereit, zur Aufklärung beizutragen.

Stuttgart - Der Autohersteller Daimler  und die Staatsanwaltschaft gehen einem weiteren Verdacht auf Betrügereien im Management des Stuttgarter Konzerns nach. Eine Daimler-Sprecherin sagte am Donnerstag in Stuttgart, das Unternehmen arbeite mit der Staatsanwaltschaft zusammen, um mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen an Dienstleister aufzuklären.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hat zwei Mitarbeiter aus dem Marketing des Daimler-Konzerns im Visier. "In einem Fall geht es um einen freien Mitarbeiter bei Daimler in Berlin, der inzwischen in Österreich weilt und sicherlich nicht freiwillig nach Deutschland kommen wird", sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. "Bei der zweiten Person geht es um einen Angestellten bei Daimler in Stuttgart."

Hausdurchsuchungen zu diesem Komplex hatten am 23. und 24. Januar stattgefunden, berichtete Oberstaatsanwältin Doris Möller- Scheu. Der Mann aus Stuttgart sei nicht inhaftiert worden. Er soll einen vierstelligen Eurobetrag für seinen heimatlichen Sportverein angenommen haben.

Die Beschuldigten hätten Scheinaufträge abgerechnet. Zur Höhe des Schadens wollte die Ermittlungsbehörde keine Angaben machen. Hinterher soll das Schmiergeld laut einem Bericht des Branchenblatts "Horizont" unter den Beteiligten aufgeteilt worden sein. "Horizont" zufolge ist der Untreue-Verdacht durch Ermittlungen gegen eine Werbeagentur aus Düsseldorf aufgekommen.

Gegen die beiden Düsseldorfer Werber wird seit Ende vergangenen Jahres ermittelt. Bis zum 25. Januar saßen sie in Untersuchungshaft, wurden nun aber nach zwei Monaten Haft unter Auflagen freigelassen. Sie sollen Aufträge mit Schmiergeld akquiriert haben. Die Agentur ist nach Angaben eines ihrer Anwälte an einer raschen und lückenlosen Aufarbeitung der Vorwürfe interessiert.

Eine Reihe von Korruptionsfällen im Konzern

Die Ermittlungen gehen auf eine Strafanzeige der Alten Leipziger Lebensversicherung AG aus Oberursel bei Frankfurt zurück. Die interne Revision der Versicherung hatte Ungereimtheiten und einen höheren sechsstelligen Schadensbetrag entdeckt. Auch der Wechsel der Werbeagentur bei der Klosterfrau-Vertriebsgesellschaft in Köln im Jahr 2002 erscheint der Staatsanwaltschaft verdächtig. Insgesamt gibt es in dem Verfahren 14 Beschuldigte, berichtete Möller-Scheu. Weitere könnten hinzugekommen.

Erst in der vergangenen Woche war ein ehemaliger Finanzmanager von Daimler wegen Scheinrechnungen zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt worden. Der 42-Jährige hatte das Unternehmen über Jahre hinweg um gut 22 Millionen Euro gebracht. Der Controller hatte unter anderem für EDV-Leistungen Rechnungen an von ihm gegründete Scheinfirmen und an Unternehmen von Geschäftspartnern in Deutschland und der Schweiz gestellt. Notwendige Unterschriften fälschte er. Der Betrug war erst durch die Steuerfahndung aufgeflogen, der Konzernrevision waren die Taten verborgen geblieben.

In den vergangenen Jahren sind im Stuttgarter Autokonzern zahlreiche Fälle von Untreue, Bestechung, Schmiergeldzahlungen, Steuervergehen und persönlicher Bereicherung im In- und Ausland bekanntgeworden. Im Mittelpunkt der Ermittlungen stand der Vertrieb.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa