Sengera-Prozess "Viel zu hoch bewertet"

Im Untreue-Prozess gegen den ehemaligen WestLB-Chef Jürgen Sengera hat ein Zeuge den Boxclever-Deal kritisiert. Boxclever sei "viel zu hoch bewertet" gewesen, sagte Franz-Josef Becker vor dem Düsseldorfer Landgericht. Becker hatte ab April 2003 das WestLB-Krisenteam zur Rettung Boxclevers geleitet.

Düsseldorf - Die Kosten seien höher, die Erträge geringer als geplant gewesen, sagte Franz-Josef Becker weiter. Es habe sich eine Lücke von 250 Millionen britischen Pfund aufgetan.

Sie seien Hinweisen nachgegangen, dass etwas mit den Modellrechnungen nicht stimmen könne, auf denen die Vergabe des Großkredits der WestLB für die Boxclever-Fusion fußte. "Wir haben uns gefragt, ob das durch Fehlannahmen oder eine fehlerhafte Programmierung des Computermodells verursacht wurde", sagte Becker. Im März 2003 war in Düsseldorf die Hiobsbotschaft eingegangen, dass es Schwierigkeiten mit dem Kredit gebe.

Sengera soll laut Anklage als damals zuständiger Vorstand für den 1,35-Milliarden-Euro-Kredit an den britischen TV-Geräte-Verleiher Boxclever verantwortlich sein. Als Boxclever Insolvenz anmelden musste, entstand der WestLB nach Angaben der Staatsanwaltschaft ein Schaden von mindestens 427 Millionen Euro. Weil die Risikoprüfung unzureichend gewesen sei, habe sich Sengera dabei der schweren Untreue strafbar gemacht. Der Angeklagte hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Höchststrafe für schwere Untreue sind zehn Jahre Haft.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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