Montag, 24. Februar 2020

Daimler Ex-Controller hinter Gittern

Das Landgericht Stuttgart hat einen ehemaligen Daimler-Manager wegen besonders schwerer Untreue, Urkundenfälschung und Steuerhinterziehung zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Das Gericht befand den 42-Jährigen für schuldig, Daimler um gut 22 Millionen Euro geschädigt zu haben.

Stuttgart - Wegen millionenschwerer Untreue hat das Stuttgarter Landgericht am Mittwoch einen früheren Daimler-Manager zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Scheinrechnungen im Namen des Sterns: Der Ex-Daimler-Controller muss für über fünf Jahre ins Gefängnis
"Er schrieb Scheinrechnungen ohne jede Leistung", sagte Richter Joachim Härle. Das Gericht sah 174 schwere Fälle gewerbsmäßiger Veruntreuung, fünffache Urkundenfälschung und drei Fälle von Steuerhinterziehung. Der Controller habe unter anderem für EDV-Leistungen Rechnungen an seine eigenen Scheinfirmen und an Unternehmen von Geschäftspartnern in Deutschland und der Schweiz gestellt, sagte der Richter. Da er nur Summen bis 25.000 Euro genehmigen durfte, habe er die Unterschriften von Vorgesetzten gefälscht. In immer kürzeren Abständen folgten Rechnungen mit Beträgen zwischen 5600 und zwei Millionen Euro.

Außerdem hinterzog der Ex-Manager Gewerbesteuer in Höhe von mehr als 800.000 Euro, indem er für seine Firmen einen falschen Firmensitz angab und nicht angefallene Betriebsausgaben geltend machte. Das Gericht erklärte, dass bei der Schwere der Schuld deswegen keine Geldstrafe in Betracht kommen könne. Der 42-Jährige habe den Betrug mit "hohem organisatorischen Aufwand über mehrere Jahre hinweg" betrieben.

Härle sagte, der Angeklagte sei bereit, von dem entstandenen Schaden 31 Millionen Euro zurückzuzahlen. Daimler soll davon 14 Millionen Euro bekommen, der Rest ist Gewerbe- und Umsatzsteuer. Ursprünglich war die Anklage von einem Betrug von mehr als 40 Millionen Euro ausgegangen. Nach einer Absprache zwischen den Prozessbeteiligten wurden einige Anklagepunkte fallengelassen.

Das Urteil ist rechtskräftig. Die Richter folgten mit ihrem Urteil der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Ankläger hatten eine Haftstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten beantragt. Die Verteidigung dagegen hatte keinen konkreten Strafantrag gestellt.

Die Ermittler waren den dubiosen Geschäften während einer Steuerprüfung bei einer Firma des früheren Daimler-Managers auf die Spur gekommen. Die illegalen Machenschaften spielten sich den Ermittlungen zufolge von November 2000 bis November 2005 ab. Der internen Revision des Autobauers waren die Betrügereien nicht aufgefallen.

Der Prozess gegen den Ex-Manager nahm sieben Monate in Anspruch. Drei Mitangeklagte waren bereits im vergangenen Jahr wegen Beihilfe zu Bewährungsstrafen verurteilt worden.

manager-magazin.de mit Material von ap und ddp

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