Mittwoch, 26. Juni 2019

Pleiten-Ranking Zocker, Schwindler, Hochstapler

Ob Nick Leeson, Peter Young oder John Rusnak: Mit waghalsigen Spekulationen setzten Banker, Börsenhändler oder Fondsmanager gigantische Summen in den Sand. Die spektakulärsten Fälle im Überblick.

4,9 Milliarden Euro - diese unfassbare Summe kann die Société Générale Börsen-Chart zeigen wohl abschreiben. Der milliardenschwere Betrug eines einzelnen Händlers bringt eine der größten börsennotierten Banken Frankreichs ordentlich ins Schlingern. Damit nimmt der große Unbekannte - noch wurde kein Name offiziell bestätigt - den unrühmlichen Spitzenplatz in der Liste der größten Bankbetrüger aller Zeiten ein.

Seine Vorgänger waren als Geldverbrenner allerdings nicht minder talentiert.

Der Kupferhändler

Den bisherigen Spitzenplatz hatte Yasuo Hamanaka inne, ehemaliger Chef-Kupferhändler des japanischen Finanzriesen Sumitomo Börsen-Chart zeigen: Eigentlich war der 48-Jährige ein mustergültiger Angestellter, benahm sich bescheiden, unauffällig und verzichtete zehn Jahre lang auf seinen Urlaub. Im Nachhinein wird auch deutlich, wofür er die Zeit im Büro brauchte: Er manipulierte durch das Horten von Kupfervorräten den Markt für das Edelmetall - und setzte dabei zwei Milliarden Dollar in den Sand. Damit stellte der Vater zweier Kinder und Sohn eines hohen Polizeibeamten einen neuen Rekord im Geldversenken auf. Der Händler ging acht Jahre in Haft.

Spekulationsaffäre einer Managerin

Die Londoner Investmentbankerin Robin Sanders kam 1998 zur WestLB, ihre Einstellung war Teil der neuen Expansionsstrategie der öffentlich-rechtlichen Bank. Doch Beteiligungen an dem britischen Fernsehvermieter Boxclever und weitere Risikogeschäfte kosteten die WestLB rund 1,7 Milliarden Euro. Die WestLB geriet an den Rande der Liquidität und konnte nur durch eine Kapitalspritze der Eigentümer gerettet werden. Sanders und ihr damaliger Chef Jürgen Sengera mussten ihre Posten räumen.

Das Ausnahmetalent

Weniger kostspielig, dafür aber legendär, ist der Fall Nick Leeson, der 1996 die Traditionsbank Barings in den Abgrund riss: Anfangs galt er als Jungtalent mit Branchenstar-Potenzial - mit gerade mal 25 Jahren schickte Barings Leeson als Werpapierhändler nach Singapur, wo er an den asiatischen Terminmärkten zeitweise 10 Prozent der jährlichen Einnahmen der Bank eintrieb.

Früher Banker, heute Fußballmanager: Leeson (l.) bei seiner Verhaftung 1995 in Frankfurt
Doch dann verspekulierte sich Leeson mit Optionen auf den Nikkei-Index Börsen-Chart zeigen, anfangs mit kleineren Beträgen, später mit großen Summen. Frei von jeglicher Kontrolle versteckte er die Verluste in den Handelsbüchern - am Ende fehlten 1, 2 Milliarden Dollar in den Abrechnungen. Die kleine Barings Bank verkraftete das Minus nicht und brach zusammen. Die anschließende spektakuläre Flucht vor der Polizei - zuvor heftete Leeson ein Post-it mit den Worten "Es tut mir leid" an den PC-Monitor - reichte sogar als Stoff für einen Kinofilm.

Nach vier Jahren Knast, einer Krebserkrankung und einer Scheidung hat sich der Mammutbetrüger längst resozialisiert - er managt heute den englischen Fußball-Club Galway United und ist gern gesehener After-Dinner-Speaker in Bankenkreisen, mit einer Gage von angeblich 90.000 Euro pro Vortrag.

Der Fälscher

Toshihide Iguchu riss die Daiwa Bank in New York in den Ruin: Ähnlich wie Leeson versteckte er kleinere Verluste in den Büchern - ganze elf Jahre lang. 30.000 gefälschte Handelsbestätigungen sollen auf sein Konto gehen - 1,1 Milliarden Dollar fehlten der Bank am Ende, was den Vorgesetzten allerdings nur auffiel, weil Iguchu ihnen ein 30-seitiges Entschuldigungsdossier schickte.

Der Biedermann

Vorstadt-Reihenhaus, Familienauto, Sonntags in der Kirche. Vermutlich hätte niemand John Rusnak, eigentlich ein unscheinbarer Devisenhändler der US-Tochter der Allied Irish Bank, einen Millionenbetrug zugetraut. Doch Buchprüfer entdeckten 2002 ein unerklärliches Finanzloch von 860 Millionen Dollar. Rusnak wurde 2003 zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt.

Der Benzinkönig

Zu einem Politikum wurde der Fall Chen Jiulin - erstmals wurde ein hochrangiger Manager eines chinesischen Staatskonzerns festgenommen. Noch im Winter 2004 war Chen Jiulin ein gefeierter Topmanager, gehörte zu den fünf Spitzenverdienern Singapurs und zu den 40 "Neuen Führungspersönlichkeiten Asiens", ausgewählt vom Weltwirtschaftsforum.

Als CEO der China Aviation Oil Corp. versorgte er die gesamte Volksrepublik mit Flugbenzin. Dann aber begann das Unternehmen, mit Optionen auf einen fallenden Ölpreis zu wetten - eine fatale Fehleinschätzung, der Ölpreis zog an. Am Ende stand die saftige Verlustbilanz von 550 Millionen Dollar in den Büchern. China Aviation Oil brach daraufhin zusammen.

Der Mann mit dem Doppelleben

Der Ex-Fondsmanager von Deutsche Morgan Grenfell Peter Young hat im Gegensatz zu seinen Kollegen verhältnismäßig wenig Kapital vernichtet. 350 Millionen Dollar steckte Young in fragwürdige Technologieunternehmen, am Ende war das Geld weg.

Im Gedächtnis blieb Young eher wegen seines extravaganten Auftritts vor Gericht: Den London Magistrates Court betrat der Bankbetrüger in Frauenkleidern und Pumps - der Richter befand später, dass der Fondsmanager wegen Schizophrenie nicht verhandlungsfähig sei.

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