Montag, 23. September 2019

Gründer-Kolumne Was bleibt vom Web 2.0?

4. Teil: Unkontrollierbar oder Marketingmaschine?

These 6: Das Web 2.0 bringt eine allgegenwärtige Transparenz mit sich, derer sich Entrepreneure bedienen können.

Blogging, Bewertungsportale und User-generated Content – im Web der Zukunft sind die Möglichkeiten der freien Meinungsäußerung kombiniert mit einer Reichweite, die für den Einzelnen zuvor undenkbar war. Unternehmer können sich diese Entwicklung in zweifacher Hinsicht zunutze machen: Einerseits können sie die entstehende Transparenz im Rahmen ihrer Marketingstrategie einsetzen (Stichwort Corporate Blogging), andererseits lassen sich ganze Geschäftskonzepte auf dem Transparenzprinzip aufbauen.

Begrenzte Netzkapazität: YouTubes Server stellen monatlich ein Datenvolumen von 27 Petabyte ins Netz
Im Hinblick auf die Transparenz scheint der aktuelle Bewertungswahn kein Ende zu nehmen: Videos, Computerspiele, Kochrezepte, Lehrer und Professoren, Unternehmen und ihre Produkte, Parteien und ihre Politiker, Arbeitgeber sowie Bücher und ihre Autoren. Viele Eingaben sind jedoch auch mit Vorsicht zu genießen. Nicht hinter jedem scheinbar neutralen Kommentar steckt auch eine echte Meinung. Oftmals werden auch gezielt manipulierende Inhalte gepostet.

Eine generelle Medienkompetenz wird vor diesem Hintergrund zunehmend wichtiger. Aus Perspektive des Internetgründers wiederum stellt sich stets die Frage, in welchem Licht er die eigene Nutzercommunity betrachten sollte: Handelt es sich um eine unkontrollierbare Masse oder eine Marketingmaschine? Um einen Content-Generator oder gar um ein intelligentes Kollektiv?

These 7: Das rapide Wachstum des Internet erfordert zunehmend eine schnellere Evolution der Internet-Technologie.

Das Mitmach-Web hat durchaus Folgen für den allgemeinen Netzbetrieb. Aktuelle Studien prophezeien, dass die Netzkapazität schon bald an ihre Grenzen stoßen könnte. So schicken allein die Server von YouTube monatlich etwa 27 Millionen Gigabyte (27 Petabyte) Datenvolumen ins Internet. Das Netz muss deshalb schleunigst ausgebaut werden. Forschern zufolge könnte es sogar passieren, dass Onlinebestellungen bald mehrfach bestätigt werden müssen, bevor sie akzeptiert werden und sich das Herunterladen von Videos zum Geduldsspiel entwickeln dürfte.

Weitere Engpässe bringt die Problematik des begrenzten IP-Adressraumes mit sich, welche jedoch weniger nach Expansion, sondern vielmehr nach Evolution ruft. So gehen dem Internet einer Prognose zufolge die letzten freien IPv4-Adressen unter Umständen schon im Jahr 2011 aus. Abhilfe wird hoffentlich IPv6 liefern: Anstelle der aktuell verfügbaren 4,3 Milliarden stehen dann sage und schreibe 340 Sextillionen IP-Adressen zur Verfügung – Platz für jeden MP3-Player und jede Waschmaschine.

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