Gehalt Strategien für mehr Geld

Wer in die Gehaltsverhandlung geht, sollte gute Gründe für mehr Geld vorlegen. Innerhalb eines Unternehmens bewegen sich Gehaltssteigerungen allerdings meist im einstelligen Bereich. Wirkliche Sprünge sind in der Regel nur mit einem Firmenwechsel zu machen - oder mit einem klaren Schritt nach oben in der Hierarchie.

Köln/Hamburg - Gehaltsverhandlungen gehören nicht zu den liebsten Gesprächsthemen zwischen Chefs und Angestellten. Und dennoch sind sie wichtig und notwendig. "Es ist in der Regel so, dass man ein Mal jährlich darüber spricht - das bedeutet aber nicht, dass man jedes Mal eine Gehaltserhöhung bekommt", sagt Thomas Friedenberger vom Staufenbiel Institut in Köln. Die Mitarbeitergespräche seien der richtige Rahmen, über Geld zu sprechen.

"In großen Firmen ist das institutionalisiert und damit einfacher, bei Mittelständlern und kleinen Unternehmen muss man mehr baggern", sagt etwa Doris Brenner, Personalberaterin in Rödermark. Steht das Gespräch nicht ohnehin zu einem festen Zeitpunkt an, muss es terminiert werden - zu einem für den Arbeitnehmer möglichst günstigen Zeitpunkt.

"Man sollte einen Moment wählen, wenn die wirtschaftliche Lage gut ist, es einen Erfolg oder anderen positiven Anlass gibt", sagt Brenner. Steht eine Veränderung an, sei die Zeit ebenfalls reif für ein Gespräch über eine Gehaltserhöhung, sagt Heike Friedrichsen von Personalmarkt.de  in Hamburg.

In dem Gespräch geht es schließlich darum, gut zu argumentieren und mehrere Strategien im Gepäck zu haben. "Die eigene Leistung sollte die Gehaltserhöhung rechtfertigen", betont Brenner. Nicht die allgemeine Teuerung oder Kollege Müller oder Meier, der für denselben Job ein paar Euro mehr bekommt, sollte angeführt werden. "Man kann Buch führen über die Erfolge und ruhig eine kleine Liste bei einem solchen Gespräch vorlegen", empfiehlt Friedenberger. Die wichtigsten Argumente seien Leistung, Einsatz und Performance.

Wirkliche Gehaltssprünge sind in der Wirtschaft in der Regel nur mit einem Firmenwechsel zu machen - oder mit einem klaren Schritt nach oben in der Hierarchie. Innerhalb eines Unternehmens werden die Einkommenserhöhungen in der Regel eher moderat ausfallen. "Mehr als fünf Prozent sind sehr unwahrscheinlich", sagt Brenner. Pauschal könne man das allerdings nur schwer sagen, betont Friedrichsen: "Das hängt von Faktoren wie Position, Marktwert, Leistung und nicht zuletzt vom eigenen Verhandlungsgeschick ab."

Bei einem zögerlichen Chef sei die Alternative "Variable Anteile" oft gern gesehen. "Man kann Zielvereinbarungen treffen, bei deren Erreichung eine Prämie steht", sagt Brenner. So kann bei einer guten Geschäftsentwicklung mehr verdient werden. Laufen die Geschäfte schlecht, hat der Arbeitgeber keine immens hohen Personalkosten.

Steuerfreie Zusatzleistungen

Steuerfreie Zusatzleistungen

"Ein Mehr an Geld zahlt sich unter dem Strich nicht immer aus", sagt auch Friedrichsen. Von dem, was man brutto ausgehandelt wird, bleibe netto meist gerade mal die Hälfte übrig. "Interessante Alternativen im Gehaltspoker können daher steuerfreie Zusatzleistungen wie Jobticket, Weiterbildung, Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge oder ein Abonnement für das Fitnesscenter sein." Auch ein Firmenwagen, Mobiltelefon oder Laptop können solche Zusatzleistungen sein.

Über Arbeitszeit oder Flexibilität lasse sich in diesem Zusammenhang ebenfalls reden - denn mehr Lebensqualität kann ein wichtigeres Ziel sein als 100 Euro mehr im Monat. "Man kann etwa verhandeln, dass man einen Tag von zu Hause aus arbeitet oder seine Arbeitsstunden in vier Tagen schafft", sagt Brenner. Auch die Teilnahme an Tagungen und Konferenzen sei ein guter Zusatz. "Damit erhöht man den eigenen Marktwert."

Allerdings gibt es auch Dinge, zu denen sich kein Arbeitnehmer in einem Gespräch hinreißen lassen sollte. "Zu den Todsünden gehören Erpressungsversuche und Vergleiche mit den Kollegen", sagt Friedrichsen. Auch die Opferrolle kommt nicht gut an, ebenso das Klagen über die private Situation oder Schulden und finanzielle Verpflichtungen.

"Mit leeren Drohungen schadet man sich selbst am meisten, denn man wird nicht mehr ernst genommen", sagt Brenner. Auch ein ungünstiger Zeitpunkt - etwa, wenn gerade ein großer Kunde abgesprungen ist - verurteilt das Anliegen zum Scheitern.

Ein Arbeitnehmer, der in ein Gehaltsgespräch geht, muss hinter seinen Forderungen stehen. "Auch die Körpersprache muss zeigen, dass man das Ganze mit Nachdruck vertritt." Frauen tun sich dabei oft schwerer als Männer, wie die Experten beobachten. "Wo Männer manchmal zu forsch sind, könnten Frauen oft ein bisschen mehr Selbstbewusstsein gebrauchen", sagt Friedenberger.

Dass Frauen, auch in Führungspositionen, weniger verdienen als Männer, sei manchmal ihre eigene Schuld, sagt auch Brenner. "Sie geben sich mit weniger zufrieden."

Verena Wolff, dpa

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