Russland Gazprom-Chefkontrolleur soll Präsident werden

Russlands Präsident Wladimir Putin hat Vizeregierungschef Dmitri Medwedew seine Unterstützung für eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl im März 2008 zugesichert. Medwedew ist zugleich Aufsichtsratschef bei Gazprom.

Moskau - Der scheidende russische Präsident Wladimir Putin hat den Vize-Regierungschef Dmitri Medwedew als Nachfolge-Kandidat seiner Wahl benannt. "Seit mehr als 17 Jahren kenne ich ihn sehr gut, und ich unterstütze diesen Vorschlag", sagte Putin bei einem Treffen mit dem Chef seiner Partei Einiges Russland, Boris Grislow, und Vertretern dreier weiterer Parteien.

Mit den vom Staatsfernsehen übertragenen Äußerungen beendete der Staatschef am Montag monatelange Spekulationen über seine Nachfolge. Putin darf nach zwei Amtszeiten nicht mehr selbst antreten, will aber weiterhin eine wichtige innenpolitische Rolle spielen.

Formell soll der 42-Jährige Jurist Medwedew bei einem Parteitag am kommenden Montag zum Kandidaten von Einiges Russland bestimmt werden. Auch drei kleinere Parteien unterstützen den Kreml-Kandidaten. Der neue russische Staatschef wird am 2. März gewählt.

Medwedew, der auch Aufsichtsratschef des staatlichen Energieriesen Gazprom ist, galt seit geraumer Zeit als einer der möglichen Kandidaten für die Nachfolge Putins. Der wie der Staatschef aus St. Petersburg kommende Politiker setzte sich nun gegen Sergej Iwanow durch, der wie er selbst Erster Vizeregierungschef ist.

Im Gegensatz zu Ex-Verteidigungsminister Iwanow gilt Medwedew als Vertreter einer eher liberalen Linie. Dies betonten in ersten Reaktionen Russlandexperten wie Tim Ash von der Investmentbank Bear Stearns. "Das ist eine gute Nachricht. Aus wirtschaftlicher Sicht vertritt er wahrscheinlich eine liberalere Position als Iwanow", sagte Ash.

Dennoch werde Putin die beherrschende Figur der russischen Politik bleiben. "Putin wird über Medwedew thronen." Jewgeni Badowski vom Institut für Gesellschaftssysteme bezeichnete die Nominierung Medwedews als Signal, dass Russland keine konfrontative Außenpolitik verfolgen werde. Anders als Iwanow stamme er nicht aus dem im Sicherheitsapparat verwurzelten Teil der staatlichen Elite.

Gazprom-Aktien legen zu

Gazprom-Aktien legen zu

An der Moskauer Börse legte der Leitindex RTS nach der Nominierung Medwedews um 1,75 Prozent auf einen neuen Höchststand von 2325 Punkten zu. Gazprom-Aktien gewannen 2,6 Prozent.

Der bisherige Vize-Regierungschef Dmitri Medwedew stammt aus einer Akademikerfamilie und legte sein Jura-Examen an der Universität von St. Petersburg ab, wo auch Putin studierte. Beide kennen sich seit 1990.

Von 1991 bis 1996 arbeitete er als Dozent an der juristischen Fakultät der Petersburger Universität. Zugleich fungierte er als Berater für den außenpolitischen Ausschuss im Magistrat der Stadt. Geleitet wurde dieses Gremium damals von Putin. 1999 wechselte Medwedew nach Moskau, wurde Stabschef der Regierung und leitete 2000 Putins Wahlkampf für das Präsidentenamt.

Nach Putins Wahl zum Staatsoberhaupt wurde Medwedew zunächst stellvertretender Stabschef im Kreml. Zugleich rückte er in den Aufsichtsrat von Gazprom und wurde Vorsitzender des Gremiums.

2003 stieg er zum Stabschef im Kreml auf. Zwei Jahre später ernannte ihn Putin zum Ersten stellvertretenden Ministerpräsidenten. In dieser Position war Medwedew vor allem verantwortlich für die vom Präsidenten angekündigten Sozialprogramme: Seine Aufgabe bestand darin, Einnahmen aus Öl- und Gasverkäufen in eine bessere medizinische Versorgung der Bevölkerung und andere Sozialprogramme zu investieren. Darüber hinaus ist der Politiker bislang kaum öffentlich in Erscheinung getreten.

manager-magazin.de mit material von reuters, dpa und ap