Vattenfall Europe Kettenreaktion an der Spitze

Nach dem Ärger um die Atommeiler Krümmel und Brunsbüttel sollte ein neuer Chef für Aufwind bei Vattenfall Europe sorgen. Doch die Krise scheint nicht ausgestanden. Nur vier Monate war Hans-Jürgen Cramer im Amt, da steht schon sein Nachfolger fest.

Berlin - Der Energieversorger Vattenfall Europe  bekommt einen neuen Chef. Wie das Berliner Unternehmen am Freitag mitteilte, wird Tuomo Hatakka, derzeit Senior Executive Vice President beim schwedischen Mutterkonzern Vattenfall AB, neuer Vorstandsvorsitzender bei der deutschen Tochter. Der Finne, der bislang die polnische Vattenfall-Tochter führte, werde das Amt zum 1. Januar 2008 übernehmen.

Der bisherige Chef des drittgrößten deutschen Energiekonzerns, Hans-Jürgen Cramer, werde sein Amt als Sprecher des Vorstands zu diesem Zeitpunkt abgeben, seine Aufgaben als Vorstand mit den Verantwortungsbereichen Vertrieb und Wärme aber weiterhin wahrnehmen und zum 30. Juni 2008 aus dem Unternehmen ausscheiden.

Mitte Juli dieses Jahres war der damalige Vorstandsvorsitzende Klaus Rauscher nach den Pannen in den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel und der anhaltenden Kritik an der Informationspolitik des Konzerns zurückgetreten. Cramer war daraufhin zum Sprecher des Vorstands bestellt worden.

Der Aufsichtsrat beschloss darüber hinaus, die deutschen und die polnischen Unternehmensteile unter dem Dach einer neuen "Business Group Central Europe" zusammenzuführen. Auch an der Spitze dieser Einheit solle Hatakka stehen.

Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit dem Zusammenwachsen des europäischen Strommarktes, dem die Konzernstruktur angepasst werden müsse.

Da es bereits heute einen geschäftlichen Schwerpunkt von Vattenfall im Grenzgebiet von Deutschland und Polen gebe, sei die Verzahnung der beiden nationalen Firmenteile naheliegend. Damit werde die Ausgangsposition für mehr Wachstum gestärkt. Hatakka sei der richtige Mann, um die Führungsaufgabe in diesem Prozess zu übernehmen, sagte Vattenfall-Chef Lars Josefsson, der dem Aufsichtsrat von Vattenfall Europe vorsitzt.

Unternehmensnahe Kreise hatten schon vor wenigen Wochen erklärt, Cramer solle auf Druck von Josefsson seinen Platz räumen. Als ein Grund war genannt worden, dass Cramer zu selbstständig agiere. Zeitungen hatten darüber hinaus berichtet, Josefsson bemängle eine unzureichende Vernetzung von Cramer mit der Politik, was für den Konzern, der Strom in Deutschland vor allem aus Braunkohle und Kernenergie erzeugt, ein wichtiges Feld sei. Josefsson selbst berät Kanzlerin Angela Merkel in der Klimapolitik.

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters

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