Siemens "Auf höchstem ethischen Niveau"

Peter Löschers Konzernumbau bekommt neue Gesichter. Der Siemens-Chef benennt die Leiter der künftigen 15 Bereiche und sieht darin mehr als eine organisatorische Maßnahme. Nach all den Korruptionsgeschichten geht es um den Ruf des Unternehmens.

München - Im Rahmen des Konzernumbaus hat der neue Siemens-Chef Peter Löscher wichtige Personalentscheidungen für die Führung der künftigen 15 Bereiche getroffen. Alle Posten wurden mit bisherigen Siemens-Managern besetzt, wie der Konzern am Freitag in München mitteilte. Einige bisherige Bereichsleiter des von einem Korruptionsskandal gebeutelten Konzerns müssen jedoch gehen.

Es habe "einen sorgfältigen Auswahlprozess" gegeben, erklärte Löscher. "Der Anspruch an uns alle bei der Führung von Siemens als integriertem Technologiekonzern ist Spitzenleistung auf höchstem ethischen Niveau."

Die Chefs der zukünftig drei Kernsektoren Industrie, Energie und Gesundheit hatte Löscher mit Heinrich Hiesinger, Wolfgang Dehen und Erich Reinhardt bereits Ende November bekannt gegeben. Die Sektoren werden künftig in 15 Divisionen unterteilt, die ebenfalls je einen Chef mit klaren Verantwortlichkeiten bekommen.

Einige bisherige Bereichsleiter gehören der neuen Führungsebene nicht mehr an. Darunter etwa Klaus Voges, der bisher für die Kraftwerkssparte PG verantwortlich war, die Berichten zufolgen in den Korruptionsskandal verstrickt sein soll. Auch Hans Schabert, der für die kriselnde Zugsparte TS zuständig war, scheidet aus der Führung aus. Die Eisenbahnsparte soll künftig in der Division "Mobility" aufgehen, und von Hans-Jörg Grundmann geführt werden. Er gehörte bisher dem Bereichsvorstand der Industriedienstleistungssparte I&S an.

Stellenabbau weiter auf der Agenda

Unter den 15 ernannten Divisions-Chefs finden sich aber auch bisherige Bereichsleiter. So bleibt Udo Niehage weiterhin für die Division Power Transmission (Energieübertragung) zuständig, die Anfang des Jahres von der EU-Kommission wegen Kartellvergehen eine Rekordstrafe von 420 Millionen Euro kassiert hatte. Osram-Chef Martin Goetzeler behält ebenfalls seinen bisherigen Posten als Chef der Leuchtensparte.

Zugleich gab Siemens die Finanzchefs für die drei großen künftigen Kernsektoren bekannt. Hannes Apitzsch verwaltet die Industrie-Finanzen, Ralf Guntermann die Gelder bei Energie und Klaus Stegemann bei Gesundheit. Sie müssen direkt an den Gesamt-Finanzvorstand Joe Kaeser berichten.

Die neuen Führungskräfte werden ihre Posten ab 1. Januar besetzen. Dann soll die von Löscher initiierte neue Konzernstruktur in Kraft treten. Der neue Chef, der seit Juli im Amt ist, möchte den hochkomplexen Konzern mit bisher 60 Geschäftsfeldern mit der Neustrukturierung profitabler machen und in Folge des Korruptionsskandals klare Verantwortlichkeiten schaffen. Der Vorstand des Konzerns wurde von elf auf acht Mitglieder inklusive Löscher verkleinert, die Zuständigkeiten werden klarer definiert.

Im Zuge des Konzernumbaus hat Löscher auch Stellenabbau nicht ausgeschlossen. Siemens will bis 2010 bei Vertrieb und Verwaltung Einsparungen bis zu 1,4 Milliarden Euro erzielen.

manager-magazin.de mit Material von ap

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