Coaching Karrierehelfer im Hintergrund

Sie wollen eine Führungspersönlichkeit werden oder ihre Position langfristig sichern? "Dann müssen Sie sich bewegen! - Nur wer heute flexibel ist, kann sich behaupten", sagt NewPlacement-Coach Norbert Roseneck. Für Topentscheider, so Roseneck, hätten sich die Erfolgsparameter wesentlich verändert.
Von Karolin Köcher

Hamburg - "Coaches sind wie Putzfrauen ohne Lohnsteuerkarte – fast jeder hat sie, aber niemand will es zugeben", skizziert Norbert Roseneck das Image-Dilemma seines Berufsstandes, dass sich aber allmählich aufzulösen beginne. Nach 16jähriger Tätigkeit bei der Managementberatung Kienbaum ist der Berater seit kurzem Gesellschafter bei der Firma NewPlacement.

"Outplacement ist eher negativ besetzt, für Manager nicht mehr zeitgemäß und greift - wie auch bloßes Headhunting - zu kurz", sagt Roseneck. Gefragt sei eine viel umfangreichere Beratung bis hin zur kontinuierlichen Betreuung; dabei könne es auch um eine Neupositionierung im bisherigen Unternehmen gehen. Ein Thema, das viele brennend interessiert, wie die Zahl der Teilnehmer zeigt, die an diesem Abend in die manager-lounge, dem exklusiven Club des manager-magazins, gekommen sind.

"Es gibt heute wohl keinen erfolgreichen Manager – oder Managerin - ohne Coach", so Roseneck. Sie begleiten die Führungskräfte durch schwierige Situationen und Lebenslagen, wenn sie entscheidungs- und verhaltensunsicher sind oder keinen Ausweg mehr sehen. In erster Linie geht es um die berufliche Position, aber im Sinne einer Work-Life-Balance spielt oft auch Privates mit hinein.

Auch Manager dürfen weinen. "Daran wollen Sie dann später aber möglichst nicht mehr erinnert werden", skizziert der Coach seine Erfahrungen. Besonders sinnvoll sei ein kontinuierliches Coaching, also eine möglichst langfristige Karrierebegleitung; am besten durch jemanden, der einen bereits kenne, so dass man nicht immer wieder von vorn beginnen müsse.

Mitunter komme dann der Coach selbst auf den Manager zu, wenn er zum Beispiel merke, dass dieser sich gerade allzu häuslich in seiner Position einrichtet. Roseneck: "Viele wiegen sich in der trügerischen Sicherheit einer unbefristeten Stelle. Davor kann ich nur warnen." Heutzutage würden auf Organ-Ebene allerdings ohnehin kaum noch Verträge für länger als drei Jahre geschlossen. "Aber selbst diese kurze Zeitspanne ist nicht sicher. Wer die erwartete Leistung nicht bringt, wird verabschiedet – das ist nun mal so."

Managergehälter seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – der Preis für lebenslange Unsicherheit. Deutschlands Führungskräfte werden immer schneller entlassen. Die Vorstände der größten börsennotierten Unternehmen sind nach Berechnung des manager magazins heute durchschnittlich nur noch sechs Jahre im Amt; vor zehn Jahren waren es noch zehn Jahre.

Selbstbehauptung, soziale Intelligenz

Selbstbehauptung, soziale Intelligenz

Roseneck steigert den Nutzwert seines Referates, das mehr und mehr Züge eines Appells annimmt, indem er aufzählt, welche Eigenschaften für einen Manager unabdingbar seien: "Heute wählen Unternehmen nicht mehr zwischen dem jungen Manager und dem erfahrenen, denn heute bekommen sie den Mitte-30jährigen mit 12 Jahren Berufspraxis. Und es reicht für die Spitze nicht mehr, während seines Studiums vier Monate im Ausland gewesen zu sein, es müssen schon mehrere Jahre und internationale Abschlüsse sein."

Vorausgesetzt würden zudem psychologisches Einfühlungsvermögen und die Fähigkeit zu begeistern. Auch Kreativität und Offenheit für neue Wege und Problemlösungen zählten zu den gefragten Fähigkeiten. "Rechnen Sie in einer neuen Position nicht mit einer Einarbeitungs- oder Schonzeit. Man hat Sie geholt, damit Sie Lösungen präsentieren und nicht, um Sie zu unterstützen oder Ihnen zu sagen, was Sie zu tun haben", fährt Roseneck fort. Selbstbehauptung, Selbstorganisation und soziale Intelligenz seien weitere Schlüsselqualifikationen.

Hinsichtlich ihrer persönlichen Globalisierung und beruflichen Mobilität haben deutsche Entscheider, so Roseneck, im internationalen Vergleich deutlichen Nachholbedarf. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftshochschule Berlin über die Internationalität von Führungskräften zufolge sind zwar die Geschäftsaktivitäten der deutschen Unternehmen sehr international ausgerichtet, in eigener Sache sieht es in den Chefetagen hingegen noch anders aus. Auch der Anteil von Ausländern auf deutschen Managementpositionen sei noch vergleichsweise gering. "Kein Grund zur Beruhigung", sagt Roseneck. "Das ist nur eine Frage der Zeit."

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