Fachkräftemangel DIHK erwartet Wachstumsverlust

Die deutsche Wirtschaft sucht händeringend nach Fachkräften. "Dem Land gehen vor allem Techniker aus; Mechatroniker, Industriemeister, Ingenieure", warnt DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben. Die Folge: ein Wachstumsverlust von einem Prozentpunkt.

Berlin - Der deutschen Wirtschaft fehlen nach einer Schätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) in diesem Jahr rund 400.000 Fachkräfte. Ein Drittel der Unternehmen und damit doppelt so viele wie im Herbst 2005 könne derzeit offene Stellen zumindest teilweise nicht besetzen, warnte der DIHK am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf eine Befragung von knapp 20.000 Firmen.

"Deutschland gehen dabei vor allem Techniker aus; Mechatroniker, Industriemeister, Ingenieure", erläuterte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Allein zwei Drittel der Maschinenbauer hätten Probleme, geeignete Kandidaten für offene Stellen zu finden. In den Branchen Elektrotechnik, Auto, Medizintechnik, Pharma und Metallerzeugung ist jeder zweite Betrieb von der Misere betroffen.

Die Personallücke sei aktuell fast so stark ausgeprägt wie im Herbst 2001, als 39 Prozent der Betriebe über Probleme bei der Stellenbesetzung klagten. Im EU-Wettbewerb um die besten Fach- und Führungskräfte gerate Deutschland nun zunehmend ins Hintertreffen.

Wansleben sieht durch den Fachkräftemangel zunehmend das Wirtschaftswachstum bedroht. "Der volkswirtschaftliche Schaden ist immens. 23 Milliarden Euro Wertschöpfungsverzicht bedeuten in diesem Jahr rein rechnerisch einen Wachstumsverlust von einem Prozentpunkt", so Wansleben weiter.

Rund 54 Prozent aller befragten Betriebe melden Engpässe bei technisch versierten Fachkräften und Ingenieuren. Fast die gesamte Metallerzeugerbranche, knapp 95 Prozent der Maschinenbauer und 90 Prozent der Fahrzeugbauer finden keine Fachleute aus technischen Berufen.

Weniger Kinder, weniger Fachkräfte

Weniger Kinder, weniger Fachkräfte

Dabei gehe es nicht nur um Akademiker. "Es fehlen Fachkräfte aller Qualifikationsniveaus - und zwar von dual ausgebildeten Fachkräften bis hin zu promovierten Forschern", sagte Wansleben. Rund 43 Prozent der Firmen suchten vergeblich Mitarbeiter, die einen dualen Abschluss in Berufsschule und Betrieb vorweisen könnten. In Zukunftsbranchen wie Pharma, IT und Elektrotechnik fehlten vor allem Kandidaten mit technisch-naturwissenschaftlichem Abschluss.

Der DIHK warnt, dass die Probleme sich wegen der niedrigen Geburtenrate verschärfen. "Schon heute stehen 970.000 Schulabgängern nur rund 800.000 Erstklässler gegenüber. Hier fehlt fast der ganze aktuelle Erstklässlerbestand Nordrhein-Westfalens (190.000)", sagte Wansleben.

Um dem Fachkräftemangel zu bekämpfen, warb Wansleben für eine "Gesamtstrategie", zumal sich die Probleme demografiebedingt in Zukunft noch verschärfen dürften. Hierzu gehörten ein verstärktes Engagement der Betriebe bei Aus- und Weiterbildung. Knapp 60 Prozent der Unternehmen seien bereit, in Zukunft verstärkt auszubilden.

Auch ältere Arbeitnehmer rücken verstärkt in das Blickfeld der Unternehmen: Knapp ein Drittel der Betriebe plant, vermehrt ältere Mitarbeiter zu beschäftigen oder einzustellen. Seit dem Jahr 2000 ist die Beschäftigungsquote der über 55-Jährigen um mehr als 10 Prozentpunkte angestiegen. Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer aus dieser Altersgruppe ist mittlerweile in Lohn und Brot. Längst überfällig sei aber beispielsweise auch, den Arbeitsmarkt mindestens für mittel- und osteuropäische EU-Arbeitnehmer mit Hochschulabschluss zu öffnen.

Der DIHK empfiehlt für die Zukunft, Lehren aus der aktuellen Misere zu ziehen und an den Schulen das Interesse an Technik und Naturwissenschaften stärker zu wecken. Zudem müsse die Absolventenzahl technischer Fächer an Hochschulen gesteigert werden.

manager-magazin.de mit Material dpa, ddp und reuters

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