WM-Ticketaffäre Freispruch für Claassen

Sieg auf ganzer Linie: Der frühere EnBW-Chef Utz Claassen ist im Prozess um die WM-Ticketaffäre von sämtlichen Korruptionsvorwürfen freigesprochen worden. Ganz ausgestanden sein dürfte die Sache für den Manager damit allerdings noch nicht.

Karlsruhe - Der ehemalige Chef des Energieversorgers EnBW , Utz Claassen, ist vom Vorwurf der Vorteilsgewährung freigesprochen worden. Der Prozess habe nicht erwiesen, dass Claassen Politiker mit Einladungen zu Spielen der Fußball-WM bestechen wollte, urteilte das Landgericht Karlsruhe am Mittwoch. Das Gericht wies damit die Anklage der Vorteilsgewährung in sieben Fällen zurück und folgte der Verteidigung.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Geldstrafe von 450.000 Euro verlangt. Es wird erwartet, dass die Anklage nach ihrer Niederlage in diesem Musterprozess Revision beantragen wird.

Claassen musste sich wegen Vorteilsgewährung verantworten, weil mit seiner Weihnachtspost 2005 Ticketgutscheine für die Fußball-WM 2006 an sechs Mitglieder der baden-württembergischen Landesregierung sowie den Staatssekretär im Bundesumweltministerium versandt worden waren. Die Anklage sah darin einen Fall verbotener "Klimapflege". Die Gutscheine hätten "rein rechnerisch" einen Wert von jeweils etwas mehr als 2000 Euro gehabt.

Die Empfänger der Gutscheine waren Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU), der baden-württembergische Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP), vier weitere Landesminister und der Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Matthias Machnig (SPD).

Als Chef des Energiekonzerns EnBW räumte Claassen in den vergangenen vier Jahren kräftig auf und führte den Konzern aus dem Schuldental. Der ehemalige Unternehmensberater und Manager verschiedener Autounternehmen strich bald nach seinem Amtsantritt im Mai 2003 bei dem Karlsruher Stromkonzern rund 2100 Jobs, verpasste den Beschäftigten im Kernbereich Energie eine 4,5-Tage-Woche ohne Lohnausgleich und verkaufte eine Reihe von Unternehmensbeteiligungen.

Dennoch war die Zeit an der EnBW-Spitze für ihn vorschnell vorbei: Claassen verlängerte seinen Vertrag nicht, zum 1. Oktober übernahm Hans-Peter Villis seinen Posten.

Der einst schwergewichtige Energieboss hatte während seiner letzten Monate bei der EnBW nicht nur wegen der WM-Ticketaffäre mit der Justiz zu tun. In einem anderen Ermittlungsverfahren verbuchte Claassen einen Erfolg: Die Mannheimer Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen gegen ihn wegen möglicher Bilanzfälschung ein. Die Ermittler hatten geprüft, ob er bei seinem Amtsantritt die Lage des Konzerns schlechter dargestellt haben könnte als das tatsächlich der Fall war.

Mit seiner stürmischen Art ist Claassen als EnBW-Chef auch mit Landespolitikern aller Couleur immer wieder angeeckt. So stritt er mit dem damaligen Stuttgarter Umweltminister Stefan Mappus (CDU) um Meldevorschriften, mit Wirtschaftsminister Ernst Pfister (FDP) eskalierte der Streit um Claassens Auslegung seiner "Null-Toleranz-Strategie" gegen Atompannen. Den Spitznamen "Rambo" erträgt er gelassen: "Ein Image als Rambo muss man sich verdienen, ein Image als Bambi bekommt man geschenkt", sagte er einmal.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ddp