Karriere Mit der zweiten Luft zum Ziel

Zum Jahreswechsel haben gute Vorsätze Hochkonjunktur. Viele Manager schauen nach vorn und setzen sich neue Ziele. Zahlreiche Erwartungen erfüllen sich allerdings nicht, denn die guten Vorsätze sind schnell vergessen. Wer beruflich vorankommen will, sollte gut planen und einen langer Atem haben.

Hamburg - "Ein neues Jahr ist auf jeden Fall eine neue Chance", sagt Gitte Härter aus München. "Aber man sollte sich schon klar werden, welche Ziele genau man erreichen möchte", so die Karriereberaterin. "Sie sollten möglichst konkret und gleichzeitig realistisch sein."

Gute Vorsätze verpuffen nach Härters Erfahrung vor allem aus zwei Gründen: "Weil sie zu schwammig sind oder weil man sich zu viel vornimmt." Also ist es besser, nur drei Ziele für 2008 anzupeilen als gleich zehn. Wichtig sei auch, ehrlich zu sich selbst zu sein: "Viele machen sich Illusionen und fassen gute Vorsätze, die gar nicht alle ernsthaft sind."

Der Jahreswechsel sei aber in jedem Fall ein idealer Zeitpunkt, Bilanz zu ziehen: "Das alte Jahr abzuschließen, gibt einem die Möglichkeit, neu durchzustarten", sagt Härter. Mit anderen über die zukünftigen Ziele zu sprechen, mache das Erreichen oft leichter. Wer ganz für sich allein an der eigenen Karriere bastelt, verspielt die Chance, vom gegenseitigen Austausch zu profitieren. "Es kann helfen, sich Kollegen oder Bekannte zu suchen, die in einer ähnlichen Situation sind", sagt Härter. "In so einem Team kann man sich über Strategien, aber auch über seine Erfahrungen austauschen." Wichtig sei allerdings, in der Gruppe nicht überwiegend über das Nichterreichte zu jammern.

Das Positive am Austausch mit anderen sei, sich klar zu werden, wie weit man schon gekommen ist. "Das kann einen dann bestärken", sagte Härter. Eine weitere Strategie sei, sich im eigenen Umfeld einen "Mentor" zu suchen, also jemanden, der beruflich erfolgreich ist und etwas erreicht hat, was einem selbst vorschwebt. Dessen Erfahrungen können möglicherweise Vorbild für die eigenen Karriereschritte sein. Man sollte sich nicht scheuen, beispielsweise einen Kollegen in diesem Fall anzusprechen und ihn um Rat zu fragen.

"Eine Bestandsaufnahme zu machen und zu gucken, was war gut, was hat man erreicht, was will man noch, kann nie schaden", ergänzt Christian Püttjer, Karriereberater aus Bredenbek bei Kiel. Wer sich seine Leistungen bewusst macht, kann daran anknüpfen und diese für sein Selbstmarketing nutzen.

Geduld ist eine Tugend

Geduld ist eine Tugend

Im alten Jahr noch vieles im Job ändern zu wollen, sei allerdings wenig realistisch. Jetzt auf die Suche nach einer neuen Stelle zu gehen, ist vergeudete Zeit: "In den Personalabteilungen findet man für solche Pläne im Dezember kein offenes Ohr mehr", sagt Püttjer. Und wenn erst im Firmeneingang der Weihnachtsbaum steht, passt das auch atmosphärisch nicht ins Bild.

"Wer dann vor allem den eigenen Aufstieg plant, steht bei der Weihnachtsfeier als Karrierist da", so Pütjer weiter. "Und in der zweiten Dezemberhälfte wird in vielen Firmen ohnehin nichts Wichtiges mehr entschieden." Stattdessen sei es sinnvoll, sich zum Ende des Jahres klar zu werden, was man vom neuen erwartet und seine Ziele dann im ersten Quartal in Angriff zu nehmen.

"Zum Beginn des Jahres im Beruf neu durchzustarten, ist ein häufiger Wunsch", sekundiert Svenja Hofert, Karriereberaterin aus Hamburg. Dahinter steckt die etwas naive Vorstellung, dass mit dem neuen Jahr auch im Blick auf die Karriere die Karten automatisch neu gemischt werden. Aber auch wenn im Büro ein neuer Kalender aufgehängt wird, bleibt in der Regel meistens alles beim Alten.

Eine Illusion sei es zu glauben, dass sich Karriereplanung in Jahresrhythmen portionieren lässt. Vieles könne gar nicht in Zwölf-Monats-Grenzen geplant werden, sagt Svenja Hofert. "Man muss sich auch langfristige Ziele zum Beispiel für einen Zeitraum von drei Jahren setzen."

Manche beruflichen Ziele lassen sich zudem nicht ohne Zwischenschritte erreichen. Das sollte bei der Planung berücksichtigt werden. Konkret heißt das, nicht gleich den nächsten Karrieresprung ins Visier zu nehmen, sondern für das kommende Jahr erst einmal die Weiterbildung, die die Qualifikationen vermittelt, die für die Wunschposition noch fehlen.

Ein weiterer Irrtum ist der Glaube, es reiche, sich etwas ganz fest vorzunehmen. Aber berufliche Ziele zu verwirklichen, ist kein Sprint, sondern eher ein Marathon. Ohne Kondition geht da wenig: "Viele geben einfach zu schnell wieder auf." Das liege auch daran, dass die Ziele oft nicht realistisch sind. "Man sollte sich das kritisch fragen", rät Hofert. "Vom Sachbearbeiter in wenigen Monaten zum Vertriebs-Chef - das kann nicht klappen." Da kommt wieder ins Spiel, sich logische Zwischenschritte überlegen zu müssen.

Eine gute Möglichkeit könne sein, statt die Traumposition beim Marktführer anzupeilen, nach attraktiven Alternativen im eigenen Unternehmen zu gucken. Auch das kann fürs neue Jahr ein sinnvolles Ziel sein. Und wer sich in der eigenen Firma verbessert hat, erhöht damit die Chancen für den Absprung auf den Traumjob.

Möglicherweise ergibt die Bilanz zum Jahresende auch etwas ganz anderes: "Vielleicht stellt man fest, dass man mit seiner Stelle ganz zufrieden ist und gar nicht aufsteigen will", sagt Christian Püttjer. Schließlich sollte sich niemand unter Druck setzen nach dem Motto "Im neuen Jahr muss ich neue Ziele erreichen". Und so kann das Fazit auch lauten: "Ich bleibe da, wo ich bin."

Andreas Heimann, dpa

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