Management Was Sie von Klinsmann lernen

Zur Führungskraft berufen fühlen sich viele - doch wirkliche Spitzenführungskräfte sind eher selten anzutreffen. Was sie auszeichnet und warum Jürgen Klinsmann ein Vorbild sein kann, verriet der Psychologe und Personalberater Wolfgang Walter Mitgliedern der manager-lounge.
Von Jürgen Grosche

Düsseldorf - Jürgen Klinsmann hat es vorgemacht: Wie ein Superstar wurde er als Trainer der deutschen Fußball-Nationalelf gefeiert, weil er erreicht hatte, was zuvor unmöglich erschien: Aus einer Mannschaft mit "Rumpelfüßen" formte er ein Team mit charismatischer Siegermentalität.

Und das dank seiner Persönlichkeit und einem klar formulierten Ziel: "Wir wollen Weltmeister werden." Vor Beginn des Sportereignisses im vergangenen Jahr hatten die wenigsten den deutschen Kickern Erfolge zugetraut. Aber schließlich schafften sie es tatsächlich fast ins Endspiel.

Nun lebt der Fußball von Geschichten, in denen große Männer das Schicksal bezwingen. In der globalisierten Wirtschaft scheinen indes ganz andere Gesetze zu gelten. Anonyme Kapitalströme ersetzen - so hat es den Anschein - den Genius des unternehmerischen Firmenlenkers. Der kann nur noch die Wünsche des Marktes und der Investoren umsetzen.

Ist das so? Oder können Manager sehr wohl auch in der modernen Ökonomie eigene Akzente setzen? Solche Fragen sind in der manager-lounge, dem exklusiven Club für Führungskräfte, schon länger ein Thema; entsprechend hoch waren die Erwartungen der 30 Gäste im Düsseldorfer Wirtschaftsclub an diesem Abend. "Unsere Mitglieder haben ein großes Interesse daran, sich in ihrer Persönlichkeit weiterzuentwickeln", sagt Ralf Schön, Präsident der local lounge.

Der Referent des Düsseldorfer Abends konnte sie in ihrer Erwartung bestätigen: Klinsmann darf Managern als Vorbild gelten. "Die Persönlichkeit bleibt auch in der Wirtschaft der wichtigste Erfolgsfaktor", postulierte Wolfgang Walter. Seit 17 Jahren begleitet der Psychologe in der internationalen Personalberatung Heidrick & Struggles Führungskräfte.

Zusammen mit dem Sportjournalisten und Klinsmann-Biografen Michael Horeni hat Walter das "System Klinsmann" analysiert und die "Anatomie eines Erfolgsmodells" herausgearbeitet. Zentrale Erkenntnis: So sehr unterscheiden sich die Bedingungen im Sport und in der Ökonomie gar nicht.

Bildung und Wissen sind die unabdingbaren Voraussetzungen für jeden Manager. "Aber es gehört mehr dazu, wirklich Erfolg zu haben", betonte der Manager-Coach: "80 Prozent ist Persönlichkeit." Nicht auch, sondern gerade in der Globalisierung. Denn sie fordert mehr von Entscheidungsträgern ab als frühere Zeiten. "Sie müssen sich mehr als früher auf ständig wechselnde Bedingungen einstellen und gleichzeitig Entschlossenheit zeigen." Wer dies alles mit einem charismatischen Auftritt kombiniert, verfügt über alles was eine Spitzenführungskraft ausmacht!

"70 Prozent sind introvertiert"

"70 Prozent sind introvertiert"

Umso interessanter ist da die Erkenntnis, dass "70 Prozent aller CEOs introvertiert sind", wie Walter zu berichten wusste. Selbst das Vorbild des Abends, Klinsmann, sieht er nicht als extravertierten Frontmann, dafür sei seine emotionale Stabilität ausgesprochen stark. Er sei zudem gewissenhaft, offen für Neues und verträglich. "Aber er fordert Gefolgschaft."

Kann man das lernen, wurde Walter gefragt. "Arbeiten Sie an Ihrer Persönlichkeit", empfahl der Manager-Trainer. Wichtigste Voraussetzung: eine ausgefeilte Selbstwahrnehmung. "Sie können nur ent- im Sinne von aus-wickeln, was schon da ist." Persönlichkeit ausbilden heißt demnach: Grenzen sehen, aber auch die eigenen Stärken und guten Anlagen. "Dann haben Sie die Chance, sie schneller zu entwickeln."

Wie lassen sich die Stärken einer Führungskraft definieren? Zur ihrer Messung hatte Walter gleich mehrere Instrumente mitgebracht, zum Beispiel das "Big Five"-Modell. Danach sind emotionale Stabilität, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit die wichtigsten Merkmale einer guten Führungskraft.

"Von diesen Prinzipien lebt auch die manager-lounge", meint Präsident Schön. Offenheit zum Beispiel sei eine der Eigenschaften, die Manager bei jeder local-lounge in vertraulicher Atmosphäre zelebrieren: "Führungskräfte tauschen sich hier nicht nur über fachliche Themen aus, sondern können von den jeweiligen Erfahrungen auf einer sehr persönlichen Ebene voneinander lernen."

Den Gästen der local lounge gab der Themenabend reichlich Impulse, um anschließend beim Abendessen weiter darüber nachzudenken und zu diskutieren - und auf ein kleines Jubiläum anstoßen. Es war das 70. Treffen der local lounge Düsseldorf, der ersten des mittlerweile bundesweit agierenden Netzwerkes, immer organisiert von Ralf Schön. Ein reines Online-Network war dem lounge-Gründer schon seinerzeit nicht genug. Deshalb entwickelte er das Konzept für die so genannte local lounge, ein regelmäßiges Treffen in der realen Welt. Persönlichkeit lässt sich nun mal vor allem im direkten Kontakt entwickeln.

Businessclub im Netz: Direkt zur manager-lounge