Karriere Was bringt der MBA?

Wer in den USA Karriere machen will, sollte einen Masterabschluss haben. Auch in Europa wird der MBA immer wichtiger. Also zieht es zahlreiche deutsche Studenten an US-Eliteschulen, um sich für höhere Führungsaufgaben zu empfehlen. Aber zahlen sich Aufwand und Kosten aus? Ein Erfahrungsbericht vor Ort.
Von Erik Yankulin

Für die meisten Amerikaner stellt sich diese Frage eigentlich nicht. Denn während der MBA in den USA als ein gängiger Teil der Managementausbildung angesehen wird, sind MBA-Studiengänge für deutsche Interessenten in erster Linie eine Zusatzqualifikation.

Es liegt an den Eigenheiten des deutschen Hochschulsystems, dass die meisten deutschen Manager in der Regel einen akademischen Abschluss besitzen und daher oft nicht gewillt sind, die Karriere für ein bis zwei Jahre aufzugeben, um wieder die Schulbank zu drücken. Ihnen die nötigen Managementfähigkeiten zu vermitteln, ist daher die Aufgabe der firmeninternen Unternehmensentwicklung.

Doch es zeichnet sich seit geraumer Zeit ein Wandel ab. Viele deutsche High Potentials, die bereits zwei bis drei Jahre Berufserfahrung haben, entscheiden sich, für den MBA eine Pause einzulegen. Die Gründe sind dabei vielfältig - zum einen wollen viele ihren Berufshorizont erweitern. Zum anderen dient der MBA als Karrieresprungbrett, sodass man nach dem Abschluss den Job auf der nächsthöheren Karrierestufe anfängt.

Der wichtigste Faktor, der über den Erfolg oder Misserfolg dieser Zusatzausbildung entscheidet, ist die Wahl des Studienorts. Da gute MBA-Programme in Deutschland noch sehr rar sind, entscheiden sich viele Teilnehmer, ins Ausland zu gehen. Der größte Teil bleibt dabei in Europa, da Universitäten wie Insead, IMD, London Business School seit Jahren einen hervorragenden Ruf in der Wirtschaft genießen.

Weitere Gründe sind sowohl die Nähe zur Familie und zu Freunden, aber auch der Kostenaspekt: Während ein Vollzeit-MBA in Europa vergleichsweise günstig ist, kann die Ausbildung in den USA schnell mehr als 100.000 Dollar kosten, Lebenshaltungs- und Opportunitätskosten nicht mitgerechnet.

Deshalb entschließen sich viele für ein Executive-MBA Programm, wo man seinen Job für die Dauer des Studiums nicht aufgeben muss. Ein anderer wichtiger Grund ist auch die Kürze der Programme in Europa - sie sind meist auf ein Jahr ausgelegt und als Zusatzqualifikation konzipiert.

Auf der anderen Seite entscheiden sich aber auch viele, in den USA zu studieren. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Aufgrund der langen Tradition des MBA und des guten Renommees vieler amerikanischer Universitäten sind dortige MBA-Programme viel bekannter als andernorts. Ferner ist die Jobvermittlung an den US-Business-Schools - nicht nur wegen des stärker ausgeprägten Networkings und der größeren Alumni-Netzwerke - effektiver. Weiterhin sind die amerikanischen Universitäten aufgrund ihrer finanziellen Ausstattung immer noch führend im Bereich der Forschung.

Anforderungen

Anforderungen

Sollte die Entscheidung pro MBA erstmal feststehen, dauert es ein halbes bis ein Jahr bevor man nach dem umfangreichen Aufnahmeprozess die Zusage einer Universität erhält. Zu den wichtigsten Voraussetzungen gehören mehrere Jahre Berufserfahrung sowie ein möglichst gutes Ergebnis beim GMAT und dem TOEFL.

Während man zur Aufnahme an den meisten Business Schools ein bis drei Jahre Berufserfahrung vorweisen muss, bieten immer mehr Universitäten MBA-Programme an, die sich an diejenigen richten, die gerade ihren ersten Abschluss absolviert haben. Allerdings sind solche Programme noch recht rar und bergen den großen Nachteil, dass man nicht von den Berufserfahrungen der einzelnen Teilnehmer profitieren kann.

Die beiden anderen Hürden, die zu bewältigen sind, sind die obligatorischen TOEFL- und GMAT-Tests. Es handelt sich dabei um standardisierte Multiple-Choice-Tests zur Prüfung der englischen Sprachkenntnisse sowie der mathematisch-analytischen Fähigkeiten der Bewerber. Betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind für keinen der beiden Tests erforderlich.

Trotzdem sollte man sich auf beide möglichst gut vorbereiten, denn letztlich entscheidet das GMAT-Ergebnis, ob man in ein Programm aufgenommen wird und sogar eines der begehrten Stipendien bekommt. Denn bei einem Ergebnis von mehr als 700 von 800 Punkten, bekommt der Bewerber je nach Business School einen Teil der Studienkosten erlassen. Jedoch erreichen diese Punktzahl weltweit nur 5 Prozent der MBA-Bewerber pro Jahr. Außerdem spielen Motivations- und Referenzschreiben bei der Vergabe des begehrten Studienplatz ebenfalls eine entscheidende Rolle.

Der Alltag eines MBA-Studenten

Der Alltag eines MBA-Studenten

Das MBA-Studium in den USA ist kaum vergleichbar mit dem BWL-Studium an einer deutschen Universität. Während in Deutschland eine fundierte theoretische Ausbildung im Vordergrund steht, liegt der Schwerpunkt während der MBA-Ausbildung auf der Anwendung der Konzepte.

Insbesondere die Teamarbeit mit Kommilitonen, die ganz unterschiedliche nationale, akademische und berufliche Hintergründe haben können, ist einer der großen Vorteile des MBA-Studiums. Die Klassenstärken zwischen 30 und 45 Studenten ermöglichen ein sehr persönliches Klima zwischen den Professoren und Studenten und fördern einen intensiven Meinungsaustausch. Des Weiteren entstehen so nicht nur Freundschaften, sondern man lernt auch die Gepflogenheiten anderer Kulturen besser kennen.

Der Aufbau eines MBA-Programms ist an den meisten Business Schools identisch. In den ersten beiden Semestern müssen Pflichtfächer (Core Courses) entsprechend der bevorzugten Spezialisierung besucht werden. Diese Fächer vermitteln die nötigen Werkzeuge für das weitere Studium und verlangen den Studenten viel Einsatz und eine hohe Leistungsbereitschaft ab.

In den letzten zwei Semestern werden aus einem breiten Angebot mehrere Wahlfächer (Elective Courses), je nach Interesse und Spezialisierung ausgewählt. In der Regel werden hier Kurse aus allen Bereichen wie Finanzierung, Rechnungswesen, Marketing, Unternehmensführung & Organisation und so weiter angeboten. Im Gegensatz zu den Core Classes, ermöglichen diese Electives eine Vertiefung auf den gewählten Gebieten und bieten auch die Gelegenheit, sich die nötigen Soft Skills in Kursen wie "Applied Improvisation for Communication" anzueignen.

Ein wesentlicher Unterschied zum Wirtschaftsstudium in Deutschland ist die hohe Bedeutung von Hausarbeiten, Gruppenarbeiten und mündlicher Mitarbeit. Etwa 50 Prozent der Abschlussnote errechnen sich aus diesen Teilen der Mitarbeit. Dadurch wird ein permanenter Leistungsdruck das ganze Semester über aufrechterhalten, da regelmäßig Fallstudien, Gruppenprojekte, et cetera abzugeben sind. In der Regel werden auch zwei Klausuren pro Fach geschrieben (Midterm beziehungsweise Final Exam).

Zwar ist die Arbeitsintensität am Anfang noch sehr hoch. Diese lässt im zweiten Jahr nach. Zum einen gewöhnt man sich mit der Zeit an die Belastung, zum anderen fällt es einem leichter, sich in Wahlfächern zu engagieren, welche man selber ausgesucht hat und daher auch interessanter findet.

Die oben beschriebenen Fallstudien kommen in allen MBA-Programmen zum Einsatz. Es handelt sich dabei in den meisten Fällen um interessante Situationen aus der realen Welt und nicht um fiktive Beispiele. Das heißt, man wird zum Beispiel in die Rolle von Managern versetzt und muss auf Basis von bereitgestellten Informationen reale Entscheidungen treffen. Die Studenten werden quasi mit den gleichen, oft sehr komplexen Situationen konfrontiert, in denen sich die Unternehmen im wirklichen Wirtschaftsleben ebenfalls befinden. Die meisten Fallstudien stammen von der Harvard Business School, wo dieses sogenannte Case-Method-Modell entwickelt wurde.

Service und Fazit

Service und Fazit

Der Servicegedanke ist an den amerikanischen Business Schools sehr stark ausgeprägt. Es gibt ein sehr großes Kursangebot, kleine Auditorien und Professoren, die einen dazu ermutigen, sie auf ihrem Handy anzurufen, wenn man Fragen hat. Außerdem bieten die Universitäten zahlreiche Freizeitaktivitäten an, die sich mit verschiedenen fachlichen und gesellschaftlichen Themen auseinandersetzen.

Neben den typischen Social Clubs und Sport Clubs versteht man es in den Career Clubs, Freizeit mit Karriere zu verbinden - denn eines der wirklich großen Ziele der Business Schools ist es, Studenten einen Job zu vermitteln. Dafür sind auch die sehr umfangreichen Alumni Services gedacht. Oft sitzen in den Chefetagen erfolgreiche Absolventen, die ihre einstige Alma Mater nur zu gern unterstützen. Das Angebot umfasst regelmäßige Vorträge von Managern der verschiedensten Branchen.

Eigene Career Offices sind heute Standard bei den meisten Business Schools. Diese unterstützen die MBA-Studenten bei der Suche nach dem späteren Arbeitgeber durch eine Vielzahl von Recruiting-Aktivitäten. Sie nutzen die Kontakte zur Wirtschaft und laden Unternehmen ein, um Mitarbeiter direkt an der Uni zu rekrutieren, organisieren Empfänge und Karrierebörsen, auf denen sich die Firmen präsentieren können und informieren über aktuelle Jobangebote. Außerdem organisieren sie eine Vielzahl von Workshops, bei denen beispielsweise die Besonderheiten der Jobsuche in den USA oder das Schreiben von Lebensläufen und Anschreiben erklärt werden.

Denn ein wesentlicher Bestandteil der meisten MBA-Programme ist das zweimonatige Sommerpraktikum zwischen dem ersten und zweiten Studienjahr. Der Recruiting-Prozess beginnt dabei sehr früh, nämlich im Oktober des ersten Studienjahres. Dabei veranstalten die Unternehmen Präsentationen auf dem Campus, um sich den Studenten vorzustellen.

Die vermutlich größten Veranstaltungen organisieren meistens bekannte Unternehmensberatungen und Investmentbanken. Häufig trifft man, je nach Firmengröße, auf ein Dutzend von Firmenvertretern und hat dann die Möglichkeit, sich über Praktikumsmöglichkeiten zu informieren. Zusammenfassend muss man sagen, dass der gesamte Recruiting-Prozess sehr gewöhnungsbedürftig und zeitaufwendig ist. Jedoch wird man hoffentlich durch ein interessantes Praktikum entlohnt, das dann in vielen Fällen auch ein Jobangebot mit sich bringt.

Fazit

Wer sich für ein MBA-Studium entscheidet, sollte sich im Klaren über dessen Vor- und Nachteile sein, vor allem im Hinblick darauf, ob ein solches Studium wirklich helfen kann, die Karriereziele zu erreichen. Denn zum einen heißt es nicht, dass der MBA automatisch zum Traumjob nach dem Studium verhilft. Außerdem ist der MBA ein sehr kostspieliges Unterfangen. Neben den Studiengebühren und den hohen Lebenshaltungskosten in den USA muss auch der Verdienstausfall für den Zeitraum des Studiums in der persönlichen Rechnung berücksichtigt werden.

Auf der anderen Seite jedoch kann man den Wert der Erfahrungen, die Freunde, die man während des MBA-Studiums gewinnt, sowie die Möglichkeit, sich beruflich neu zu orientieren nur schwer quantifizieren. Abschließend muss man sagen, dass der MBA eine weise Investition in die Zukunft und eine einmalige Erfahrung, sowohl aus akademischer als auch persönlicher Sicht, ist.

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