VW-Affäre Showdown vor Gericht

Sie gelten als Schlüsselfiguren des VW-Skandals: Ex-Betriebsratschef Klaus Volkert und der ehemalige Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer. In der Affäre um Schmiergeld, Betrug, Luxusreisen und Sexpartys auf Firmenkosten müssen sich beide heute vor Gericht verantworten.

Wolfsburg - Er gehörte einst zu den einflussreichsten Männern im Volkswagen-Konzern  - der gelernte Schmied und mächtige Arbeiterführer Klaus Volkert. Als der Chef des Betriebsrats in der großen Werkshalle in Wolfsburg am 30. Juni 2005 seinen Abgang verkündete, rieben sich die Arbeiter verwundert die Augen. Über den wahren Grund ließ Volkert sie im Unklaren.

Es war der Beginn eines Skandals um Schmiergeld, Betrug, Luxusreisen, teure Geschenke und Sexpartys auf Firmenkosten, der VW bis in die höchsten Etagen erschütterte. Mehr als zwei Jahre nach seinem Rücktritt steht Volkert ab Donnerstag vor Gericht. Und mit ihm Ex-Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer, der alles organisierte.

Es ist bereits der dritte Prozess in der VW-Affäre und eine Art neuer Showdown nach dem Verfahren gegen Arbeitsdirektor Peter Hartz zu Jahresbeginn. Verhandelt wird vor der Braunschweiger Wirtschaftsstrafkammer unter dem Vorsitz von Richterin Gerstin Dreyer, die im Januar gegen Hartz eine zweijährige Bewährungsstrafe und 576.000 Euro Geldstrafe verhängt hatte. Er hatte gestanden, Volkert mit fast zwei Millionen Euro Sonderzahlungen "gekauft" zu haben, um den mächtigen Betriebsrat auf seiner Seite zu halten.

Volkert und Gebauer gelten als Schlüsselfiguren für das ausgetüftelte System der Begünstigungen, dass sich bei VW seit Mitte der 90er Jahre entwickelt hatte. Rund 81 Seiten umfasst die Anklageschrift. Anstiftung zur Untreue in 48 Fällen wird Volkert vorgeworfen. Darauf stehen theoretisch Strafen bis zu zehn Jahren Haft. Gebauer wird 40-fache Untreue und Anstiftung zum Betrug zur Last gelegt. Und erstmals soll der damalige VW-Chef und heutige Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch vor dem Braunschweiger Landgericht als Zeuge aussagen. Bisher hat er jegliche Verwicklung in den Skandal bestritten.

"Dann mach mal was", soll Volkert Hartz aufgefordert haben, weil dieser bei seinen Einkünften wie ein Manager eingestuft werden wollte, so die Hartz-Aussage in seinem Prozess. Die Ermittler sehen darin eine unmissverständliche Aufforderung - und begründen damit unter anderem den Vorwurf der Anstiftung zur Untreue. Volkert dagegen sagt, er habe nur zum Nutzen des Unternehmens gehandelt. Sein Anwalt Johann Schwenn stellte daher den Antrag, zur Beurteilung der Frage, ob überhaupt hinreichender Tatverdacht bestehe, spezielle Gutachten einzuholen.

Die große Nähe von Management und Betriebsrat sei zum Wohle von VW gewesen, argumentiert die Verteidigung. Eine Abkehr von diesem Modell hätte einen Schaden von 20 Millionen Euro zur Folge gehabt, will sie beweisen lassen. Zudem habe VW in Volkerts Amtszeit die wenigsten Streiktage aller Autokonzerne verzeichnet.

Wirtschaftskrimi mit offenem Ende

Wirtschaftskrimi mit offenem Ende

Das Gericht folgte dieser Linie nicht und wies den Antrag vor Eröffnung des Verfahrens ab. Schließlich sei Volkert nicht als Manager sondern als Arbeitnehmer eingestellt worden und als solcher zu bezahlen gewesen. Nicht nur die Sonderboni werden im Gericht zur Sprache kommen, sondern noch vieles mehr: An Volkerts brasilianische Geliebte Adriana Barros flossen nach den Ermittlungen knapp 400.000 Euro für Agenturleistungen, die nie erbracht worden seien. Zudem trugen die Staatsanwälte in akribischer Kleinarbeit Belege über rund 290.000 Euro für Geschenke, Reisekosten und Luxushotels zusammen.

Gebauer hat dabei nach Kräften mitgewirkt. Denn anders als Volkert packte er schon früh aus, was er wusste. Der "Sexmanager", wie der Boulevard ihn nannte, organisierte mit Wissen von Hartz die Partys und Lustreisen. Bei ihm liefen die Fäden zusammen, er kannte fast alle, die sich auf VW-Kosten vergnügten.

Als der Skandal aufflog und Gebauer fristlos entlassen wurde, nutzte er sein Wissen und riss seine früheren Kollegen reihenweise mit sich. Er selbst habe nur auf Weisung gehandelt, wiederholte er. Für die Justiz wurden Gebauers Aussagen eine ergiebige Quelle auf dem Weg, Licht ins Dunkel zu bringen. Ob das Verfahren gegen ihn im Laufe des Prozesses abgetrennt wird, bleibt abzuwarten.

Volkert droht nach Justizangaben theoretisch eine Strafe von bis zu zehn Jahren, Gebauer eine Strafe von bis zu fünf Jahren. Während der geständige Gebauer nach Einschätzung von Beobachtern vermutlich mit einer Bewährungsstrafe als freier Mann aus dem Prozess geht, stehen die Chancen bei Volkert eher schlechter.

Das Urteil soll nach bisheriger Planung am 24. Januar 2008 fallen. Es ist das dritte nach den Richtersprüchen gegen Hartz und gegen den früheren VW-Betriebsrat und SPD-Bundestagsabgeordneten Hans-Jürgen Uhl, der Mitte Juni zu 39.200 Euro Geldstrafe verurteilt worden war.

Das juristische Nachspiel der Affäre ist mit dem Prozess gegen Volkert und Gebauer noch nicht zu Ende. Von ursprünglich 14 Beschuldigten sind bei sechs Verdächtigen die Ermittlungen immer noch nicht abgeschlossen - darunter die gegen Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster, der den Fall erst ins Rollen brachte. Gemeinsam mit Gebauer soll er ein weltweites Netz von Tarnfirmen aufgebaut, Schmiergelder verlangt und hohe Summen auf eigene Konten umgeleitet haben. Der eigentliche Wirtschaftskrimi läuft auf diesem Feld. Und da kommt die Justiz nur langsam voran.

manager-magazin.de mit Material von dpa, ddp und ap