VW-Affäre VfL-Manager angeklagt

In der Volkswagen-Affäre hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig Anklage gegen den ehemaligen stellvertretenden VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Sudholt erhoben. Sudholt, heute Geschäftsführer des Bundesligisten VfL Wolfsburg, wird Beihilfe zur Untreue zur Last gelegt.

Braunschweig - Laut der dem Amtsgericht Wolfsburg überreichten Anklageschrift soll der heute 61-Jährige zwischen 2001 und 2003 auf Kosten von VW unberechtigt die Leistungen von Prostituierten in Anspruch genommen haben. Dabei soll den Angaben zufolge für das Unternehmen ein Schaden von etwa 3575 Euro entstanden sein. Das teilte die Staatsanwaltschaft am Montag mit.

Gegenwärtig ist Sudholt einer von drei Geschäftsführern des VW-nahen Fußball-Bundesligisten VFL Wolfsburg. Dort ist er zuständig für den Jugend- und Frauenfußball. Presseberichten zufolge soll Sudholt in der Vergangenheit dazu gedrängt worden sein, seinen VFL-Posten wegen der Ermittlungen gegen ihn niederzulegen.

Auch bei der SPD in Wolfsburg ist Sudholt Mitglied. Dort traten der örtliche Fraktionschef und ein Vize nach Informationen der "Welt" zurück, weil, so ihre Begründung, "die Partei unter Personen wie dem SPD-Ratsherrn Sudholt leide."

Sudholt war zunächst ein Strafbefehl angeboten worden, der ihm eine öffentliche Hauptverhandlung erspart hätte. Voraussetzung ist dabei aber, dass die angebotene Strafe angenommen wird. Eine Geldstrafe oder bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe kann auf diesem Weg verhängt und damit ein Prozess vermieden werden. Im Fall von Sudholt habe die Justiz aber die Rückmeldung erhalten, dass er einen Strafbefehl nicht akzeptiert und deshalb nun Anklage erhoben, sagte ein Behördensprecher.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll Sudholt zum "inneren Zirkel" von Nutznießern gehört haben, denen die Teilnahme an entsprechenden Vergnügungsveranstaltungen gewährt worden sei. Die Anklage benennt 24 Zeugen, deren Aussagen die Vorwürfe bestätigen sollen. Sudholt selbst habe bisher stets betont, das Programm der einzelnen Reisen sei so anstrengend gewesen, dass ein Interesse an Prostituierten nicht bestanden habe. Als Betriebsratsvize erhielt Sudholt 2004 und 2005 neben seinem Jahresgehalt Sondervergütungen, und zwar im Jahre 2004 nach eigenen Angaben 170.000 Euro, ein Jahr später 163.000 Euro.

Sollte das Amtsgericht die Klage zulassen, ist voraussichtlich erst im nächsten Jahr mit der Eröffnung des Hauptverfahrens zu rechnen, wie Ziehe sagte. Derzeit ermittelt die Staatsanwaltschaft in der VW-Affäre noch gegen sechs weitere Personen.

Die VW-Affäre war im Sommer 2005 ins Rollen gekommen. Insgesamt war gegen 14 Personen ermittelt worden. Gegen sechs Personen sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Der frühere VW-Arbeitsdirektor Peter Hartz war im ersten Prozess nach einem umstrittenen Justiz- "Deal" zu zwei Jahren Haft auf Bewährung sowie rund 576 000 Euro Geldstrafe verurteilt worden.

Gegen zwei Schlüsselfiguren des Skandals - den einstmals mächtigen Betriebsratschef Klaus Volkert und den früheren Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer - beginnt an diesem Donnerstag vor dem Landgericht Braunschweig der Prozess. Volkert und Gebauer müssen sich wegen Anstiftung zur Untreue und Untreue verantworten. Ein Urteil wird nach den derzeitigen Planungen Ende Januar 2008 erwartet.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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