Tui Arbeitnehmer wollen Frenzel behalten

Michael Frenzel kann auf eine weitere Amtszeit als Tui-Chef hoffen. Für die Arbeitnehmerseite sprach sich Aufsichtsratsvize Jan Kahmann für die am Donnerstag anstehende Verlängerung des Vertrags aus. Er forderte allerdings, Frenzel müsse bei "mehreren Baustellen" die Interessen der Arbeitnehmer berücksichtigen.

Frankfurt am Main - Insbesondere die Mitbestimmungsrechte bei Tui  Deutschland müssten auch nach der Fusion der Touristiksparte mit dem Konkurrenten First Choice zur neuen britischen Tochter Tui Travel  mit Sitz in London Bestand haben, sagte Kahmann der Nachrichtenagentur Reuters. Das britische Recht kennt keine Arbeitnehmervertreter in Unternehmensgremien. Entscheidungen von Tui Travel für deutsche Tui-Töchter müssten weiterhin der Mitbestimmung unterliegen.

Der Gesamtvorstand solle die Führung der Touristik überdies nicht allein der Londoner Tochter überlassen, sagte der langjährige Vorstandsvize der Gewerkschaft Verdi. "Der Tui-Konzernvorstand darf nicht nur ein Finanzvorstand sein, sondern muss operativ Verantwortung für beide Sparten Touristik und Schifffahrt übernehmen." Dabei müsse der Konzern als Ganzes erhalten bleiben. So brauche die zuletzt ertragsschwache deutsche Fluggesellschaft Tuifly eine Zukunft innerhalb des Konzerns, möglicherweise in einer Allianz mit Partnern.

Der Aufsichtsratsvize gab aber trotz der offenen Fragen dem bei Finanzinvestoren umstrittenen Konzernchef Frenzel Rückendeckung. Er wolle dem Votum der anderen Arbeitnehmeraufsichtsräte nicht vorgreifen. "Es wäre klug, die jetzige Führungsmannschaft im Amt zu belassen. Der Tui-Konzern braucht jetzt Ruhe und Stabilität", sagte Kahmann. Deshalb gehe er davon aus, dass dies auch von den anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat so gesehen werde.

Finanzinvestor will Frenzel stürzen

Auch die gleichfalls Ende 2008 auslaufenden Verträge von Finanzvorstand Rainer Feuerhake und Arbeitsdirektor Peter Engelen stehen bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag zur Verlängerung an. Offen ist, ob alle Manager wieder Verträge über volle fünf Jahre erhalten.

Gegen den 60-jährigen Frenzel, der seit 1994 an der Konzernspitze steht und damit dienstältester Chef eines deutschen Dax-Unternehmens ist, macht der Finanzinvestor Guy Wyser-Pratte Stimmung. Er droht mit einer außerordentlichen Hauptversammlung, sollte Frenzel im Amt bleiben.

Auch Betriebsräte einzelner deutscher Tui-Gesellschaften fordern einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" zufolge, die üblicherweise ein Jahr vor Ende der Laufzeit anstehende Vertragsverlängerung zu verschieben. Kahmann sieht dafür keinen Anlass. "Es gibt Baustellen bei Tui, die zu bearbeiten sind. Aber das geht jetzt nicht so weit, dass man dem Vorstand deshalb das Vertrauen entziehen sollte", sagte er. Die Arbeitnehmerseite sei von der Tui-Führung in der Vergangenheit auch bei schwierigen Entscheidungen korrekt behandelt worden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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