Porträt Die Blitzkarriere des Martin Blessing

Sein Großvater war Präsident der Bundesbank, sein Vater Vorstand der Deutschen Bank, seine Frau ist Partnerin bei Goldman Sachs: Martin Blessing ist Spross einer der einflussreichsten Bankerdynastien Deutschlands. In Zukunft soll Blessing für frischen Wind bei der Commerzbank sorgen.

Frankfurt am Main - Die Erwartungen in der Familie Blessing sind hoch. Seit Generationen bringt der Clan einflussreiche Banker hervor. Karl Blessing war in den 60er Jahren Präsident der Bundesbank, Sohn Werner saß im Vorstand der Deutschen Bank  und im kommenden Jahr rückt nun Enkel Martin an die Spitze der Commerzbank . Der 44-Jährige wurde am heutigen Dienstag vom Aufsichtsrat als Nachfolger von Klaus-Peter Müller zum Chef von Deutschlands zweitgrößter Bank gewählt. Über die Personalie hatte manager magazin bereits im August exklusiv berichtet.

Zwar läuft der Vertrag von Müller noch bis 2010. Doch Müller wird als Aufsichtsratschef gebraucht, da der bisherige Chefkontrolleur, Ex-Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen, in dieser Woche 72 Jahre alt wird. So nutzt Müller die Gelegenheit, die Führung der Bank kräftig zu verjüngen. Blessing, seit November 2001 Mitglied im Commerzbank-Vorstand, steht künftig an der Spitze eines Managements, zu dem auch Finanzvorstand Erich Strutz und Privatkundenvorstand Achim Kassow gehören.

Von Blessing, der den neuen Job offiziell im kommenden Mai auf der Hauptversammlung übernimmt, werden seinem Mentor Müller zufolge "neuer Wind und neue Konzepte" erwartet. Blessings bisherige Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen: Sie umfasst die Sanierung des Privatkundengeschäfts, den Aufbau der Mittelstandsbank als dem inzwischen renditestärksten Segment der Commerzbank und die Expansion nach Osteuropa.

Der in Bremen geborene Blessing wird als zielstrebig, ehrgeizig, aber auch locker im Umgang und völlig unprätentiös beschrieben. Er trägt Swatch  statt Rolex und Freundschaftsbändchen von seinen Töchtern. Andererseits scheut er Konflikte nicht: Gehaltskürzungen und Stellenstreichungen bei der Sanierung der Commerzbank sorgten für Empörung auf der Arbeitnehmerseite.

Mit seiner Herkunft aus einer Bankerdynastie habe Martin Blessing keine Probleme, heißt es aus seiner Umgebung. Er sei seinen eigenen Weg gegangen. Blessing, nun einer der jüngsten Chefs der 30 größten börsennotierten deutschen Unternehmen, hat eine steile Karriere hinter sich. Nach dem Abschluss seiner Banklehre bei der Dresdner Bank 1984 studierte der gebürtige Bremer Betriebswirtschaftslehre in Frankfurt und St. Gallen. Dort lernte er seine Frau Dorothee kennen. 1988 erwarb er den MBA an der Universität von Chicago.

Kein "Hauruck-Banker"

Kein "Hauruck-Banker"

Von 1989 bis 1996 arbeitete Blessing bei dem Unternehmensberater McKinsey in Frankfurt und New York, wo er 1994 mit nur 31 Jahren zum Partner aufstieg. 1997 kehrte Blessing zur Dresdner Bank zurück. Dort war er für das Privatkundengeschäft verantwortlich und stand von 2000 bis 2001 an der Spitze der inzwischen eingestellten Direktbank-Tochter Advance Bank.

Commerzbank-Chef Müller holte den hochgewachsenen Banker 2001 an den Main zurück und gab ihm die Verantwortung für die Privatkundensparte. Dass es der Vater von drei Töchtern nun offenbar bis an die Spitze des Vorstands schafft, verdankt er nicht zuletzt seiner Arbeit als Leiter des Mittelstandsgeschäfts, das er zur rentabelsten Sparte der Bank aufgebaut hat.

Kritiker geben allerdings zu bedenken, Blessing habe dort leichtes Spiel gehabt, weil er die Früchte seines Vorgängers ernten konnte. Langjährige Weggefährten erzählen, die Sorge, der für seine kühle und intellektuelle Art bekannte Manager sei ein "Hauruck-Banker", der vorschnelle Entscheidungen treffe und nur an Fakten interessiert sei, habe sich allerdings im Laufe der Zeit gelegt.

Mit dem Finanzplatz Frankfurt ist der begeisterte Jogger und gelegentliche Marathon-Teilnehmer Blessing auch noch auf andere Weise eng verbunden: Seine Frau Dorothee ist Partnerin bei der Investmentbank Goldman Sachs  in Frankfurt. Ihr Bruder Axel Wieandt ist bei der Deutschen Bank für die Konzernstrategie zuständig.

Der jüngere Bruder Carl Wieandt ist Partner bei McKinsey. Und Blessings im Frühjahr verstorbener Schwiegervater Paul Wieandt, zuletzt Vorstandschef und Sanierer der Bank für Gemeinwirtschaft, galt als graue Eminenz des deutschen Kreditwesens schlechthin, deren Rat in schwierigen Situationen immer wieder gefragt war.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ap

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.