Energiebranche Gesucht wird Mr. Strom?

Angeblich suchen Konzerne wie RWE einen Repräsentanten. Jemanden, der die Unternehmen gegenüber Politik und Gesellschaft mit einer Stimme sprechen lässt. So wie es in anderen Branchen auch funktioniert.

Berlin/Düsseldorf - Der neue RWE-Chef Jürgen Großmann sucht nach Angaben aus mit dem Vorgang vertrauten Kreisen eine Persönlichkeit, die der deutschen Energiewirtschaft in Öffentlichkeit und Politik mehr Gewicht geben kann. Einen Mr. Strom eben.

Großmann wolle dazu beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) einen geschäftsführenden Vorstand installieren, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag aus den Kreisen. Die Initiative sei bereits mit Bundeskanzlerin Angela Merkel erörtert worden. Der neue geschäftsführende Vorstand solle mit den Anliegen der Branche in der Politik besser zu Gehör kommen und von der Öffentlichkeit als Sprachrohr der Branche wahrgenommen werden können, hieß es. Damit würden die Konzerne auch bei Kritik an der Branche aus der Schusslinie genommen.

Auch andere Branchen setzen auf solche Modelle. So hat etwa die Automobilindustrie den Ex-Verkehrsminister Matthias Wissmann an die Spitze ihres Verbandes VDA berufen. Der BDEW lehnte ebenso wie RWE  und Eon  eine Stellungnahme zu Personalfragen ab. "Eine starke Interessenvertretung über den Verband ist ein oft formulierter Wunsch der Branche gewesen", sagte ein Eon-Sprecher lediglich. Eine BDEW-Sprecherin verwies darauf, dass die Mitgliederversammlung im Juni kommenden Jahres einen neuen Präsidenten wählen soll.

Erst kürzlich hatte sich die Interessenvertretung der Branche aus dem bisherigen Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) und dem Bundesverbandes der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft (BGW) zusammengeschlossen. An der Spitze stehen in der Übergangszeit die beiden Präsidenten Werner Brinker und Michael Feist. Großmann hatte sich erst vor wenigen Wochen mit Brinker getroffen, der auch Chef des Oldenburger Versorgers EWE ist. Dem RWE-Chef zufolge standen bei dem Treffen Verbandsfragen im Vordergrund.

Vor allem Eon-Chef Wulf Bernotat hat in jüngster Zeit immer wieder harsche Kritik von Politikern und Verbraucherschützern auf sich gezogen, weil er steigende Preise für die Verbraucher in Aussicht gestellt hat. Eon und RWE wollen ihre Strompreise zum Jahreswechsel um bis zu zehn Prozent erhöhen. Das Bundeskartellamt hat angekündigt, die Pläne zu überprüfen. Die Energiewirtschaft hatte ihrerseits Kritik die Klimapolitik der Bundesregierung kritisiert. Großmann hatte jüngst einen Energiepakt zwischen Kunden, Politik und der Branche angeregt. "Die aktuelle Konfrontation zwischen Industrie, Energiewirtschaft und Politik muss ein Ende haben", forderte er.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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