Citigroup Charles Prince vor Rücktritt?

Auch die Citigroup kann sich anscheinend nicht aus dem Strudel der Bankenkrise lösen. Angeblich steht Firmenchef Charles Prince vor dem Rücktritt. Der Jurist scheint schon länger umstritten zu sein.

New York - Die Krise an den Kreditmärkten dürfte Medienberichten zufolge am Wochenende ein weiteres prominentes Opfer fordern. Wie das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf eingeweihte Kreise schrieb, wird Citigroup-Chef Charles Prince zurücktreten.

Der 57-Jährige wolle dies dem Direktorium der größten US-Bank auf einer Sitzung am Sonntag anbieten. Ein Sprecher der Bank wollte sich zu dem Bericht nicht äußern, Prince selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die Spekulationen über einen bevorstehenden Rücktritt des Kaliforniers halten sich seit Wochen hartnäckig.

Neue Nahrung bekamen sie, als das Geldhaus Mitte Oktober seine Zahlen für das dritte Quartal bekanntgab und darin in Folge der Hypothekenkrise einen Gewinneinbruch um fast 60 Prozent auswies. Die Bücher beinhalteten Vorsteuerverluste und Abschreibungen von insgesamt 6,5 Milliarden Dollar. Zuletzt prangerte eine Analystenstudie eine schwache Kapitalbasis der Citigroup  an, was den Ruf der Investoren nach einem Rücktritt von Prince nur noch lauter werden ließ. Doch der Jurist steht nicht erst seit dem Ausbruch der Kreditmarktkrise in der Kritik.

Schon zuvor hatten ihn Anleger für die im Branchenvergleich schwache Kursentwicklung der Citigroup-Aktie verantwortlich gemacht. Prince sei es nicht gelungen, das Geldhaus nachhaltig voranzubringen, argumentieren seine Kritiker. Vor allem die Kosten seien aus dem Ruder gelaufen. Dem setzte Prince - der den Chefposten seit Oktober 2003 innehat - im Frühjahr ein Umstrukturierungsprogramm entgegen, das unter anderem den Abbau von 17.000 Stellen vorsieht. Insgesamt beschäftigt der Konzern rund 300.000 Vollzeitmitarbeiter in mehr als 100 Ländern.

Einem Bericht der "New York Times" zufolge soll nun ein Ausschuss eingerichtet werden, der sich mit der Suche nach einem Nachfolger an der Spitze der Citigroup befasst. Derzeit ist nach Einschätzung von Beobachtern völlig offen, wer der neue Chef wird. Im Grunde genommen habe die Bank kaum eine entsprechende Auswahl an Kandidaten, weil zahlreiche hochrangige Manager den Konzern unter Prince verlassen hätten, bemängelten Analysten.

In Medienberichten wurden als mögliche Nachfolger unter anderem der Ex-Goldman-Sachs-Manager Robert Rubin sowie der Chef der Nyse Euronext , John Thain, genannt. Der Rücktritt von Prince wäre der zweite Abgang eines Chefs einer Wall-Street-Firma in weniger als einer Woche.

Am Dienstag hatte die US-Investmentbank Merrill Lynch die Trennung von Konzernchef Stanley O'Neal bekanntgegeben. Auch Merrill  hatte im Zuge der Hypothekenkrise milliardenschwere Abschreibungen ausgewiesen und die Märkte schockiert. Citigroup-Aktien sind 2007 um rund 30 Prozent eingebrochen, womit gut 80 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet wurden. Am Freitag gingen die Papiere in New York mit einem Kursabschlag von gut zwei Prozent auf 37,73 Dollar aus dem Handel. Auf die Berichte über den bevorstehenden Abgang von Prince reagierten sie nachbörslich dann mit einem Zugewinn auf über 39 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von reuters