Bertelsmann Stiftung Vorstand tritt ab

Der Münchener Politikprofessor Werner Weidenfeld wird sein Vorstandsmandat bei der Bertelsmann Stiftung niederlegen. Ihm war vorgeworfen worden, private Ausgaben als Spesen abgerechnet zu haben. Die Münchener Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen unterdessen gegen Zahlung eines Bußgeldes ein.

Gütersloh - Werner Weidenfeld wird sein Vorstandsmandat in der Bertelsmann Stiftung zum 30. November niederlegen. Die Trennung erfolge "in beiderseitigem Einvernehmen", teilte die Bertelsmann Stiftung am Dienstag mit. Weidenfeld habe in den über 20 Jahren seiner Tätigkeit "einen wichtigen Beitrag zum Erfolg" der Stiftung geleistet.

Wie aus der Stiftung verlautete, übernimmt Bertelsmann-Chef Gunter Thielen zum Jahreswechsel den Vorstandsvorsitz der Stiftung und die Verantwortung für das Themenfeld Internationale Verständigung. Die operative Leitung behalte Josef Janning. Zum Vorstand der Stiftung zählen neben Weidenfeld auch die Ehefrau und die Tochter des Stifters Reinhard Mohn, Liz und Brigitte Moh sowie Dieter Vogel und Johannes Meier.

Weiter hieß es, die Stiftung werde alle vertraglichen Verpflichtungen gegenüber dem von Weidenfeld geführten Centrum für angewandte Politikforschung (CAP) an der Ludwig-Maximilians-Universität in München erfüllen. "Als Politikberater mit hohem wissenschaftlichen Renommee wird Professor Weidenfeld laufende Projekte der Bertelsmann Stiftung am CAP bis Ende 2008 weiter begleiten", teilte die Stiftung mit. Die langjährige Kooperation mit dem CAP habe in der wissenschaftlichen und politischen Öffentlichkeit große Anerkennung gefunden.

Gegen Weidenfeld hatte die Münchener Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue ermittelt. Über den Fall hatte manager-magazin.de exklusiv berichtet. Gegen ihn war anonym Anzeige erstattet worden, wonach er als Stiftungsvorstand private Ausgaben als Spesen abgerechnet haben soll. Die Staatsanwaltschaft hatte daraufhin auch Räume der Stiftung in Gütersloh durchsucht. Weidenfeld hatte die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Anklagebehörde hatte am Montag mitgeteilt, im Hinblick auf den "nicht bedeutenden Schadensumfang" habe man dem Politikwissenschaftler gegen Zahlung von 10.000 Euro die Einstellung der Ermittlungen angeboten. Über seinen Verteidiger habe Weidenfeld dem Angebot zugestimmt.

Weidenfeld gehörte dem Stiftungsvorstand in Gütersloh seit 1992 an. Von 1987 bis 1999 war er Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-amerikanische Zusammenarbeit.

Die Bertelsmann Stiftung, eine der größten Stiftungen Deutschlands, hat seit ihrer Gründung im Jahr 1977 früheren Angaben zufolge 666 Millionen Euro für gemeinnützige Initiativen ausgegeben. Die vom Bertelsmann-Firmenpatriarchen Reinhard Mohn gegründete Stiftung hält 76,9 Prozent der Anteile an der Bertelsmann AG.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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