Marburger Bund Abgang eines Kämpfers

18 Jahre lang war Frank Ulrich Montgomery Chef der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Unter seiner Leitung gab es erstmals Streiks in deutschen Kliniken, die Ärzte erstritten einen eigenen Tarifvertrag. Bei der Vorstandswahl Anfang November will Montgomery nun nicht mehr antreten.

Berlin - Nach 18 Jahren an der Spitze der Ärztegewerkschaft Marburger Bund will Frank Ulrich Montgomery (55) bei den Vorstandswahlen am 8. und 9. November in Berlin nicht mehr antreten. Er wolle sich auf andere Aufgaben vorbereiten, sagte Montgomery der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Er ist einer von zwei Vizepräsidenten der Bundesärztekammer und würde dem Zeitungsbericht zufolge gern Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe ablösen.

Als Nachfolger will der Landeschef des Marburger Bundes in Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz, Rudolf Henke, antreten. Die Gewerkschaftsarbeit müsse "noch ein Stück professioneller" werden, weil die Gehälter und Arbeitsbedingungen von Ärzten immer noch ungenügend seien, sagte Henke. Politisch müsse die Organisation weiter vehement für eine ausreichende Finanzbasis des Gesundheitswesens eintreten.

Mit Montgomery als Vorsitzendem hatte die Ärzteorganisation im Juni 2006 nach monatelangen Streiks erstmals einen eigenen Ärzte-Tarifvertrag für die deutschen Universitätskliniken erstritten, gefolgt vom ersten eigenen Abschluss für die kommunalen Klinikärzte zwei Monate später. Unter Montgomerys Leitung konnte der Marburger Bund die Zahl seiner Mitglieder auf rund 110.000 verdoppeln - sehr zum Ärger der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die sich bisher für alle Angestellten von Krankenhäusern zuständig fühlte.

Seit Ende 1989 ist Montgomery Vorsitzender der Ärztegewerkschaft. Er gilt als glänzender und humorvoller Rhetoriker und wird zu den kritischen Standesvertretern gezählt. Der Vater zweier Kinder arbeitet als Oberarzt an der Radiologischen Klinik des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf und ist SPD-Mitglied.

Gegen Henke, der 53 Jahre alt ist, Oberarzt und CDU-Mitglied, gebe es im Verband Vorbehalte, berichtete das Blatt. Henke entgegnete, es handele sich nicht um ein parteipolitisch zu besetzendes Amt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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